Orthodoxe Perspektive-Ein Magazin zur Förderung des Glaubenswissens orthodoxer Christen

 

 

Die Zeit des Triodions (auch Triodion der Fastenzeit genannt) umfasst die zehn das Osterfest vorbereitenden Wochen, nämlich die sieben Wochen der Großen Fastenzeit und drei andere, die dieser vorausgehen (Vorfasten).

 

Sie beginnt am Sonntag des Pharisäers und Zöllners und schließt am Samstag der Großen oder Heiligen Woche.

 

Diese Zeit heißt so, weil im Offizium der Metten die Dichtungen, die unter dem Namen Kanones bekannt sind, nur drei Oden (daher Tri-odion) haben statt neun, wie es gewöhnlich der Fall ist.

 

Das liturgische Buch, das die dieser Periode eigenen Offizien enthält, heißt aus dem gleichen Grund Buch des Triodions.

 

 

Die geschichtlichen Ursprünge der Großen Fastenzeit

 

1. In den ersten drei Jahrhunderten: Einwöchiges Osterfasten

 

Während der ersten drei Jahrhunderte der Kirche findet man keine Spur einer eigentlichen Fastenzeit. Am Ende des 2. Jahrhunderts bezeugt der hl. Irenäus, Bischof von Lyon, die Meinungsverschiedenheit zwischen den Kirchen nicht nur über den Tag der Feier des Osterfestes, sondern auch über das mit dieser verbundene Fasten. "Die einen", sagt er, "meinten, man müsse einen Tag, die anderen zwei, andere drei Tage fasten, andere schließlich gaben ihrem Fasten eine Dauer von vierzig Stunden" (zit. nach Eusebius, Hist. Eccl. V, 2 = PG 20, 501). Das Fasten, von dem der hl. Irenäus spricht, bezieht sich auf ein einmaliges, ununterbrochenes Fasten.

 

Von Tertullian wissen wir - er schrieb zu Beginn des 3. Jahrhunderts (De ieiuniis 2, 13-15 = PL 2, 956. 971. 973. 974) -, dass die Montanisten Afrikas zwei Wochen - außer samstags und sonntags - jährlich fasteten, während sich die Katholiken mit einem ununterbrochenen Fasten am Großen Freitag und Samstag begnügten; an den Tagen, da der Bräutigam hinweg genommen war, sollten sie nach dem Gebot des Herrn (Lk 5, 35; Mk 2, 20) fasten.

 

Aus einem Brief des hl. Dionysios, Bischof von Alexandrien (+ 264) wissen wir, dass in dieser Stadt das Fasten bei den Eifrigsten eine Woche nicht überschritt; solche, die es ununterbrochen und mit einem Mal taten, waren nicht selten (PG 10, 1277).

 

Die Didaskalia, die wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts stammt, gibt uns ein Zeugnis für den syrischen Brauch. Sie befiehlt zu fasten "vom (Großen) Montag an sechs Tage lang vollständig bis zur Nacht, die auf den Samstag folgt, und das zählt man als eine Woche" (Kap. 21). Die Festlegung einer Woche stammt offensichtlich von der jüdischen Gewohnheit ab, die Ex 12, 8 und Dt 16, 3 erwähnen; danach mussten sich die Hebräer während der Paschazeit sieben Tage lang vom "Brot der Zerknirschung" nähren. So erscheint der jüdische Ursprung des christlichen Fastens. Im übrigen hat das in der Didaskalia erwähnte Fasten nicht die gleiche Strenge für jeden Tag: "Vom Montag an werdet ihr fasten, und ihr werdet nur Brot, Salz und Wasser zu euch nehmen zur neunten Stunde - bis Donnerstag; am Freitag und Samstag werdet ihr vollständig fasten und nichts essen."

 

2. Vom 4. zum 6. Jahrhundert: Das Quadragesimalfasten von 36 Tagen

 

Erst im 4. Jahrhundert stellt man eine Ausdehnung des Osterfastens auf eine Zeit von mehr oder weniger 40 Tagen fest, die Ostern vorausgeht.

 

Eine Zeit von 40 Tagen, genannt Tessarakoste (lat. Quadragesima), wird in der Tat von c. 5 des Konzils von Nizäa (325) erwähnt, aber eher als Vorbereitungszeit auf die Taufe oder auf die Absolution der Büßer oder als Zeit der Zurückgezogenheit, Sammlung für die Gläubigen, die in der Welt leben. Unter den Übungen dieser Zeit hatte das Fasten naturgemäß einen bedeutenden Platz, aber nicht den ausschließlichen; es war auch von einem Land zum anderen verschieden.

 

Die Zahl 40 war offensichtlich durch das Gedächtnis der 40 Fasttage inspiriert, die der Herr in der Wüste verbracht hatte. Aber wie sollte man diese 40 Tage mit dem "Osterfasten" der schon bestehenden Heiligen Woche verbinden? Zweitens, worin sollte das vierzigtätige Fasten bestehen? Auf diese beiden Fragen antworteten die christlichen Kirchen sehr unterschiedlich.

 

Im Orient beobachtete man im allgemeinen sieben Fastenwochen; wohlgemerkt, die Sonntage und Samstage jeder Woche (außer dem Großen Samstag) waren von der Quadragesimalabstinenz ausgenommen. So betrug die Summe der dem Fasten geweihten Tage 36.

 

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts berichtet uns die spanische Pilgerin Egeria für Jerusalem einen Brauch, der die Zahl "vierzig" erreichen lässt und doch fortfährt, samstags und sonntags das Fasten zu unterbrechen. Die Fastenzeit dauerte dort acht Wochen. So dauerte das Quadragesimalfasten 40 Tage, und das Fasten des Großen Samstag setzte, für sich genommen, das eigentliche Osterfasten fort.

 

In Alexandrien hielt man die Unterscheidung zwischen der Fastenzeit (Quadragesima, die eine geheiligte Zeit von 40 Tagen ist) und dem Osterfasten bei, das am Großen Montag beginnt, aber man reduzierte beide Perioden auf insgesamt sechs Wochen. So war es auch in Rom im 6. Jahrhundert. In diesem Falle sind die "40 Tage" nicht wörtlich zu nehmen, sondern als eine runde Zahl, die sogar die Tage erfasst, an denen (so die Sonntage und Samstage) nach altem Brauch das Fasten unterbrochen wurde. Es ist jedoch zu erwähnen, dass man in Rom vom 5. Jahrhundert an sogar an den Samstagen, nicht aber am Sonntag fastete.

 

Worin bestand dieses Fasten? Anfangs gestattete es nur eine Mahlzeit gegen Abend oder zur neunten Stunde, das ist gegen 15 Uhr. So wurde die Mahlzeit, die die Alten gewöhnlich um die fünfte Stunde, also gegen 11 Uhr einnahmen, um einige Stunden verschoben, hier um 4, dort um 5 oder 6 Stunden.

 

Die Strenge betraf nicht nur die Dauer der Enthaltsamkeit, sondern auch die Natur der erlaubten Speisen. Fleisch von Tieren war absolut verboten. In Antiochien enthielt man sich auch von Vögeln und Fischen; anderswo aß man sie unter dem Vorwand, Vögel und Fische hätten ihren Ursprung im Wasser. Eifrigere Christen verzichteten sogar auf Eier. Also ausnahmslos: Brot, Gemüse, Salz. So erscheint die Speiseordnung der Gläubigen während der ursprünglichen Fastenzeit; sogar am Samstag und Sonntag, an denen man nicht fastete, hielten sich manche an Brot und Wasser. Das Konzil von Laodizäa (4. Jahrhundert) empfiehlt in c. 50 die Xerophagie (trockene, d.h. ungekochte Speisen) für die ganze Fastenzeit; und die Trullanische Synode von 692 erneuert in c. 56 das Verbot, Eier und Milchspeisen zu essen. Ebenfalls war der Genuss von Wein verboten, den man als unvereinbar mit dem Fasten ansah.

 

Die Heilige Woche wurde immer vom Rest der Fastenzeit unterschieden. Man erinnere sich an den Text der Apostolischen Konstitutionen "Vom Montag bis Samstag (der Heiligen Woche) muss man fasten: die ersten vier Tage werdet ihr bis zur neunten Stunde oder sogar bis zum Abend fasten, wenn es eure Gesundheit erlaubt, und wenn ihr das Fasten unterbreche, werdet ihr nur Brot, Salz, Dörrgemüse und Wasser zu euch nehmen. Am Freitag und Samstag werdet ihr überhaupt keine Nahrung nehmen, und ihr werdet euer Fasten erst am Sonntag mit dem Hahnenschrei abbrechen; wenn einige diese Prüfung nicht aushalten, so sollen sie wenigstens von Samstag bis Sonntag fasten." Manche verlängerten dieses strenge Fasten, die Xerophagie, wie sie der hl. Epiphanios nennt, um zwei, drei, vier Tage und sogar eine ganze Woche, ohne von denen zu sprechen, die, nach dem hl. Augustinus, sich mit mehr oder weniger Erfolg bemühten, mehrere Wochen nacheinander zu fasten, um so getreulich wie möglich das ununterbrochene Fasten, das der Herr übte, nachzuahmen.

 

3. Im 7. und 8. Jahrhundert: Das vierzigtägige Quadragesimalfasten

 

Doch war es irgendwie unlogisch ein Fasten Quadragesima zu bezeichnen, das nur 36 Tage dauerte. Man hat gesehen, dass die Kirche in Jerusalem den Versuch unternommen hat, die Sache mit dem Namen in Einklang zu bringen, indem sie an die Quadragesima eine Woche anfügte. Anderswo begnügte man sich, um die Zahl zu legitimieren, damit, eine symbolische Bedeutung zu suchen, und es bedurfte auch keiner Mühe, sie zu finden. Das 36 Tage dauernde Fasten (man müsste sagen 36 ½ Tage, denn das Fasten des Großen Samstags wird ja bis zum Sonnenaufgang des Ostersonntags verlängert) wäre gleichsam der Zehnte (das heißt der zehnte Teil, der Gott geopfert wird) der 365 Tage des Jahres. Aber solche Kombinationen konnten die Geister nicht befriedigen. Auch um der Sprachlogik zu genügen und das vierzigtätige Fasten des Herrn ganz nachzuahmen, kam man dazu, an die Fastenzeit vier Tage anzuhängen.

 

Im Laufe des 7. Jahrhunderts fügte die orientalische Kirche in Nachahmung der Praxis von Jerusalem eine Ergänzungswoche hinzu, die achte vor Ostern, die man Woche der Milchspeise oder Tyrophagie nennt. In dieser fastete man am Mittwoch und Freitag so als ob diese Tage in die Fastenzeit fielen: um aber die Zahl 40 voll zu machen, muss man der Fastenzeit noch das Fasten der Paramonien (Vigilien) von Weihnachten und Epiphanie beirechnen. Aber schon die Woche der Milchspeise, in der der Genuss von Fleisch nicht gestattet ist, macht irgendwie einen Teil der Fastenzeit aus, da diese ja Enthaltung von Fleisch vorschreibt.

 

Eine andere Art der Zählung betrachtet die Fastenzeit am Freitag der sechsten Fastenwoche für abgeschlossen. In der Tat sind 40 Tage seit dem Montag der ersten Fastenwoche einschließlich der Samstage und Sonntage vergangen. Das ist eine Quadragesima, aber nicht notwendig eine Fastenquadragesima. Diese Zählart sieht von den Tagen der Großen Woche ab, die ja, genau genommen, die Feier des Geheimnisses der Erlösung und nicht seine Vorbereitung sind.

 

4. Im 9. und 10. Jahrhundert: Die Zufügung von zwei weiteren Wochen

 

Aus Konstantinopel kommt die Zufügung von zwei weiteren Wochen, und zwar, so scheint es, in zwei Etappen: bis zum 10. Jahrhundert beginnt das Triodion am "Sonntag, der dem Karneval vorausgeht", mit der Lesung des Evangeliums vom verlorenen Sohn; später, mit Beginn des 10. Jahrhunderts, stellt der Sonntag des Pharisäers und Zöllners den Beginn der Offizien des Triodions dar, wie es heute noch der Brauch ist.

 

Es ist bekannt, dass in der lateinischen Kirche die Vorbereitungszeit auf das Osterfest seit dem 7. Jahrhundert neun Wochen umfasst und am Sonntag Septuagesima beginnt, der bei uns dem Sonntag des verlorenen Sohnes entspricht.

 

5. Die Liturgie der vorgeweihten Gaben

 

Nach der alten Disziplin der byzantinischen Kirche waren die Fasttage der Quadragesima aliturgische Tage, das heißt ohne Feier der Heiligen Liturgie, und zwar zum Zeichen der Buße.

 

Um jedoch den Gläubigen die Möglichkeit des Kommunionempfanges zu geben, wurden die heiligen Gestalten nach der Liturgie des Sonntags sorgfältig aufbewahrt und den Gläubigen am Abend der Fasttage, am Ende des Vesperoffiziums, während einer Liturgie der vorgeweihten Gaben, d. h. in der die heiligen Gestalten schon zuvor konsekriert (vorgeweiht) worden waren, gereicht. Diese Liturgie ist also genauer eine Vesper mit anschließender Kommunion.

 

Am Samstag und Sonntag feierte man wie heute eine gewöhnliche eucharistische Liturgie.

 

Nach der traditionellen byzantinischen Ordnung wird die Liturgie der vorgeweihten Gaben an 15 bis 18 Tagen jährlich gefeiert, und zwar mittwochs und freitags in den ersten sechs Wochen der Fastenzeit, am Donnerstag der 4. Woche sowie am Montag, Dienstag und Mittwoch der Heiligen Woche. Es ist also verboten am Montag und Donnerstag der ersten sechs Wochen in der Fastenzeit, am Großen Freitag sowie am Mittwoch und Freitag der Woche, die der Fastenzeit vorausgeht und die man Woche der Tyrophagie oder Milchspeise nennt, irgendeine Liturgie zu feiern: es sind aliturgische Tage. Wenn ein Fest 3. Klasse (24. Februar, 9. März) oder das Titularfest der Kirche auf einen aliturgischen Tag fällt, feiert man jedoch eine Liturgie der vorgeweihten Gaben, ausgenommen in der ersten Fastenwoche, in der diese Erlaubnis keine Anwendung findet.

 

Es ist zu bemerken, dass auch an den ersten fünf Tagen der Woche in der Fastenzeit das Offizium der Großen Komplet gesungen wird.

 

Am Freitagabend der ersten fünf Wochen der Fastenzeit singt man in Griechenland und im Vorderen Orient das Offizium des Akathistos zu Ehren der Mutter Gottes.

 

vgl.: Neophytos Edelby: Liturgikon.

 

"Messbuch" der byzantinischen Kirche.

 

Recklinghausen 1967.

 

S. 57 - 61.

 

 

Die Zeit des Triodions

 

Sonntag des Verlorenen Sohnes

 

 

Die Zeit des Triodion hat begonnen. Wir bereiten uns auf die Große Fastenzeit vor. In Stufen führt uns die Kirche zur Zeit der Großen Fasten.

 

Nach der letzten fastenfreien Woche haben wir noch eine letzte normale Woche vor uns, bevor wir am nächsten Sonntag zum letzten Mal vor Ostern Fleisch essen.

 

Aber auch die Perikopen der Evangelien dieser Tage bereiten uns auf die Fastenzeit vor. Seit letztem Sonntag singen wir nach dem Auferstehungsevangelium in der Utrenja (Morgengottesdienst):

 

"Öffne mir, Lebensspender, die Pforte der Umkehr. Denn des Morgens erhebt sich mein Geist zu Deinem heiligen Tempel, und trägt doch zugleich den ganz befleckten Tempel meines Leibes. Du aber reinige mich, Mitleidvoller, durch Dein großes Erbarmen!

 

Ebne mir, Gottesgebärerin, den Weg des Heils. Denn mit schändlichen Sünden habe ich meine Seele befleckt und mein ganzes Leben leichtfertig vergeudet. Durch Deine Fürbitten befreie mich von aller Unreinheit!

 

Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen, und in der Fülle Deines Erbarmens tilge meine Gesetzesübertretung.

 

Wenn ich Elender die Fülle meiner Untaten bedenke, dann schaudert mich vor dem furchtbaren Tag des Gerichts. Doch im Vertrauen auf Deine milde Barm- herzigkeit Rufe ich Dir wie David zu: Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen!"

 

Das ist das Thema dieser Vorbereitungszeit auf die Große Fastenzeit.

 

Am zweiten Sonntag des Triodions, dem Sonntag des verlorenen Sohnes, hören wir diese Begebenheit aus dem Evangelium nach Lukas. Es ist eines der bekanntesten Evangelien und zeigt uns wie gütig, erbarmend und liebevoll Gott ist zu einem jeden einzelnen von uns Menschen. Der verlorene Sohn, der es nicht wagt ins Haus des Vaters zurückzukehren, wird von Ihm freudig aufgenommen, unter der Missgunst des anderen Sohnes. Jedoch der Vater versucht sie miteinander zu versöhnen. Gott selbst ist es der in der Person des Vaters in diesem Gleichnis uns vor Augen gestellt wird. Dieses Gleichnis ist so klar formuliert, dass unser Herr Jesus Christus nicht glaubte, es erklären zu müssen. Der verlorene Sohn ist der Sünder; sein Vater ist Gott, der Vater der Barmherzigkeit.

 

 

Das Gleichnis des Verlorenen Sohnes

 

Predigt von Erzpriester Johannes Nothaas

 

Dieses Gleichnis verwendet der Herr in der Begegnung mit den Schriftgelehrten und Pharisäern, die sich über seine Mahlgemeinschaft mit Sündern und Zöllnern erregten und daran Anstoß nahmen, dass er mit seinem Verhalten gegen die Reinheitsvorschriften verstieß. Schon die respektlose Anrede offenbart dies. „Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen!"(Lk 15,2). Mit drei Gleichnissen versucht der Herr ihre bittere Miene bei der Einhaltung der Reinheitsvorschriften aufzuhellen und ihre Herzen für das Heil dieser von ihnen verachteten Menschen zu öffnen. „So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut." (V 10). Das umfangreichste Gleichnis in diesem Dreiklang ist das vom verlorenen Sohn.

 

Das Gleichnis ist wie eine Geschichte aus dem Leben. Bei der Gestalt des Vaters schimmert jedoch in einigen Wendungen (V 20: „erbarmte sich"; und V 29 „nie dein Gebot übertreten" -Ausdrücke, die sich auf Gott beziehen)und in seiner Güte die Liebe des göttlichen Vaters durch, wie ihn Jesus verkündet. Auffallend ist auch, wie nachsichtig dieser Vater den jüngeren Sohn mit seiner Einforderung des Erbteils behandelt. Da ist nichts von Tadel, Enttäuschung oder gar patriarchalem Zwang zu erkennen. Er lässt die Verbindung zu seinem Sohn, der sich von der Familie weit absetzen will, nicht abreißen. Selbst als der Sohn schon in die Fremde gezogen ist, hält der Vater immer noch und immer wieder Ausschau nach ihm und wartet auf seine Rückkehr. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Vater den Rückkehrenden schon von weitem erblickt. Er wartet dessen Ankunft nicht ab, sondern läuft ihm entgegen und umarmt den Heimkehrer und bereitet ihm einen festlichen Empfang mit allen Kennzeichen hoher Ehrung (Festgewand, Siegelring, Schuhe, Feier und Festmahl). Alles Vergangene, was den Sohn von der Familie getrennt hat, bis hin zum Verprassen des Erbteils zum Schaden der Familie und sein unwürdiger Zustand sind vergessen und vergeben. Tiefe Freude erfüllt den Vater, an der er die ganze Familiemit dem Fest teilhaben lässt.

 

Auch der widerborstige ältere Sohn kann mit seinem Neid über das Fest und die Wiederaufnahme des jüngeren Bruders in die Familie die Freude des Vaters nicht trüben. Wieder geht der Vater auch diesem Sohn aus dem Hause entgegen, als dieser seine Teilnahme am Fest verweigert. Dieser ist so voller Groll über das Geschehen, dass er ganz aus der Rolle des treuen Sohnes und Helfers des Vaters heraus fällt. Er redet den Vater nicht einmal an und überhäuft ihn sofort mit einem Schwall von Vorwürfen. Seine Verachtung für den jüngeren Bruder wird dadurch deutlich, wie er diesen bezeichnet. Gegenüber dem Vater erwähnt er ihn mit den Worten: „Da aber dieser dein Sohn gekommen ist…“ Von ganz andrer Art ist die Antwort des Vaters. Er redet den Grollenden an mit „mein Sohn" und versucht, ihn aus seiner Verbitterung herauszuholen mit dem Hinweis auf die Freude, die Freude über die „Wiedergeburt" seines Sohnes. Jetzt nennt der Vater ihn bewusst in Korrektur der Redeweise des Zornigen: „dieser dein Bruder". Wenn wir diese Reaktionen des Vaters gegenüber seinen Söhnen in seiner überwältigenden Güte bedenken, ist eigentlich zu fragen, warum das Gleichnis nicht anders heißt. Ist nicht der Vater die Hauptfigur? Denn vom äußeren Aufbau besteht es aus zwei Teilen: Der Heimkehr des jüngeren Sohnes und dem Protest des älteren Sohnes. Beide Teile schließen formal auch mit dem gleichen Logion: „Dieser mein Sohn/dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden" (Verse 24 und 32).

 

Die Verse am Ende einer Erzählung oder eines Absatzes sind bei Gleichnissen und Lehrstücken stets von besonderer Bedeutung. So auch hier. Man muss sie in ihrer Aussage am Ende dem gegenüberstellen, was am Anfang gesagt wurde. Worum geht es am Anfang dieser zwei Abschnitte des Gleichnisses? In beiden Teilen sind die zwei Söhne um das ihnen zustehende Erbteil besorgt. Der jüngere Sohn verlangt die Auszahlung seines Erbteils, und der ältere befürchtet die Schmälerung seines Erbteils, wenn der bereits beerbte Bruder wieder aufgenommen wird. Beide haben vorwiegend ihre eigenen materiellen Interessen im Blick ohne Rücksicht auf die anderen Mitglieder der Familie. Dieses Hängen an und Trachten nachdem zustehenden Erbteil macht die Herzen stumpf und die Augen blind für Leben und Tod des Vaters und des Bruders. Der jüngere Sohn behandelt den Vater so, als sei er schon gestorben.

 

 

 

Der ältere Sohn verhält sich seinem Bruder gegenüber nicht besser. Er würde ihn, ohne dessen Reue zu bedenken, seiner trostlosen Situation überlassen und damit den Verlust dieses Menschen riskieren. Es ist der Vater,der für beide Söhne die Rettung des Menschen aus seiner Notim Auge behält und den Söhnen zu vermitteln sucht.

 

Wo finden wir uns in diesem Doppelgleichnis? Es ist nahe liegend, dass wir uns den gleichen Anfechtungen ausgesetzt sehen wie die beiden Söhne. Die irdische Sorge der beiden Söhne, dass wir das erhalten, was uns zusteht, und das Bestreben, dass wir das absichern, was wir bereits haben, müssen wir uns alle eingestehen. Insbesondere müssen wir feststellen, dass wir unter diesen beiden Versuchungen immer wieder dazu neigen, das Materielle Gott und den Menschen voranzustellen. Es ist die uralte Versuchung, wie sie uns von Adam und Eva im Paradies berichtet wird: Wenn der Apfel, oder das Tier oder der nächste Mensch wichtiger wird als das, was Gott gesagt hat.

 

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn hat aber noch eine tiefere Dimension. Es ist zufragen, warum und zu wem der Herr dieses Gleichnis seinen Hörern erzählt hat. Am Anfang wurde schon darauf hingewiesen, dass Ihm von den Pharisäern die Mahlgemeinschaft mit Sündern und Zöllnern zum Vorwurf gemacht wird. Wenn der Herr in der Auseinandersetzung mit ihnen nun dieses Gleichnis erzählt hat, dann doch mit der Absicht, dass sie sich in dem Gleichnis wieder erkennen sollen, insbesondere in dem Verhalten des älteren Sohnes. Dieser lehnt ja auch die Teilnahme an dem Festmahl ab, weil er sich über den heruntergekommenen Bruder erhebt und ihn verachtet. Jesus stellt sich in dem Gleichnis auf die Seite des Vaters. Den Pharisäern will er sagen: Seht, so groß ist die Liebe Gottes zu den verlorenen Menschen, und ihr seid freudlos,und unbarmherzig. Er identifiziert sich mit dem Heilswillendes göttlichen Vaters. Genau das aber ist es, was die Pharisäer nicht erkennen und bekennen wollen.

 

 

Der heilige Neo-Märtyrer Valeriu Gafencu -

Ein neuzeitlicher Bekenner und Märtyrer Christi

im Rumänien unter dem kommunistischen Joch

 

18. Februar

 

Diakon Thomas Zmija

 

Seit der Zeit der heiligen Apostel und der frühen christlichen Kirche erfreuen sich die heiligen Märtyrer, die ihr Zeugnis für Christus mit ihrem Blut besiegelt haben, besonderer Ehre und Verehrung, ja die ganze christliche Heiligenverehrung hat ihren Ursprung in der Verehrung der heiligen Märtyrer. Die orthodoxe Kirche charakterisierte das Martyrium als "Bluts-Taufe" und setzte es in Verbindung mit den Worten des Herrn, Der Seinen Tod am Kreuz als „Taufe“ bezeichnete , und auch mit der Lehre des heiligen Apostels Paulus, der das Untertauchen der Gläubigen während des Mysterions der heiligen Taufe als sakramentale Teilnahme am Tod und der Auferstehung Christi betrachtete.

 

Durch das Zeugnis der heiligen Märtyrer und Bekenner wurde das Heidentum im römischen Reich am Ende überwunden. Unter dem heiligen apostelgleichen Kaiser Konstantin triumphierte der Christliche Glaube unter dem Zeichen des heiligen Kreuzes. Aber Zeiten, in denen die Mächte des Bösen und der Sünden erneut das Leben in dieser gefallenen Welt mit mehr oder weniger großer Intensität erneut prägen, in denen sich viele Menschen dem Geist des Gottesverrates zuwenden, wiederholen sich im Laufe der Weltgeschichte immer wieder.

 

Eine solche Zeit des offenen und brutalen Kampfes gegen Gott, Seine heilige Kirche und ihre Gläubigen war in Ost- und Südosteuropas fast das gesamte 20. Jahrhundert. Die gottlosen und götzenverehrenden Totalitarismen des Chauvinismus und des sozialistischen Kommunismus verführten viele zu einem widergöttlichen Leben, wie es heute die Versuchungen des Hedonismus und Konsumismus tun.

 

Während der Verfolgungen durch die Kommunisten starben in der Sovjetunion und den anderen Ländern Osteuropas eine große Zahl von Märtyrern. Viele Bekenner und Leidensdulder litten auch in den Straflagern des GULAG. Dort wurden die Foltermethoden zu einer geradezu diabolischen, grausamen, unmenschlichen Finesse entwickelt.

 

Wenn die Kommunisten ihre Gegner nicht sofort kurzerhand liquidierten, so sollte das Leben in den kommunistischen Gefängnissen eine Umerziehung sein. Nach der kommunistischen Ideologie ging es im sowjetischen GULAG oder den übrigen kommunistischen Straflagern um ein „gesellschaftspolitisches Experiment”, um eine Veränderung des Denkens nach dem Willen der kommunistischen Folterknechte. Das Gefängnis wurde somit zu einem Instrument der politischen Beherrschung und der Gehirnwäsche, da alle dorthin kamen, die sich entweder physisch oder geistig den Kommunisten und ihrer Ideologie widersetzten.

 

In Rumänien bediente sich die kommunistische Partei  des sowjetischen Vorbildes der politischen Straflager in insgesamt 44 Gefängnissen und 72 Zwangsarbeitslagern. Ein anonymer orthodoxer Christ aus Rumänien beschreibt uns seine Erfahrungen in der Hölle der kommunistischen Umerziehungslager mit den Worten: „…Ich habe die schreckliche Erfahrung des Lebens jenseits der Grenzen des Erträglichen gemacht. Jahrelang wurde ich mit dem Tode bedroht. Ohne Unterlass wurde meine Seele von mir gefordert… Nur Gott allein bewahrte mich vor dem Fall, denn es gab keinen Menschen, der all den Quallen widerstanden hätte. Ich kämpfte mit meinen Gedanken, mit meinem Körper, mit der Welt. Am Ende dieser bitteren Erfahrung bleibt nur Christus lebendig, vollständig und ewig in mir. Meine Freude ist vollkommen: Christus. Ich habe mich Ihm zum Geschenk gemacht und Er machte mich zum Menschen. Ich kann Ihn nicht definieren, aber Er ist mir Alles in Allem. Ehre sei Christus, Dem wahren Gott und Menschen…“.

 

Im diesem apokalyptischen Kampf gegen die Mächte des Bösen und in der gemeinsamen Hingabe schafften die Christen es oft, die konfessionellen Begrenzungen durch dasselbe christliche Martyrium zu überschreiten. Ein leuchtendes Beispiel hierfür ist der heilige Valeriu Gafencu. Obwohl eine Symbolfigur des Martyriums im 20. Jahrhundert, das viele Christen in den Kerkern der totalitären kommunistischen Zwangsherrschaft erleiden mussten, ist das Beispiel des heilige Valeriu Gafencu paradoxerweise nur sehr wenigen bekannt geworden. Als Schüler hatte Valeriu noch Ende der 1930-er Jahre mit dem rumänischen Faschismus der „Eisernen Garde“ sympathisiert. Deshalb war er in deren Jugendorganisation der faschistischen aktiv. Nach dem gescheiterten Aufstand der Legionäre wurde der 20-jährige Jurastudent Gafencu im Jahre 1941 verhaftet. Im Gefängnis fand Valeriu zum christlich-orthodoxen Glauben und schwor dem heidnischen Faschismus ab.

 

Valeriu wurde danach für viele seiner Mitgefangenen zum „Heiligen der Gefängnisse“, denn er war ein Mensch, der im Gefängnis zu einer besonderen Nähe zu Gott gekommen ist. Bis 1952, als er infolge einer schweren Lungenerkrankung starb, durchlitt er drei Gefängnisse. Als bei ihm am Ende Tuberkulose diagnostiziert wurde und er deshalb vor den Pforten des Todes stand, bekam er ein besonderes Geschenk von einem Freund: Streptomyzin, die Arznei, welche sein Leben hätte retten können. Statt aber die Arznei einzunehmen und sein Leben zu retten, schenkt er diese weiter an einen evangelischen Christen jüdischer Abstammung, Richard Wurmbrand. Er selber nahm aus der Liebe zu Christus und seinem Nächsten den leiblichen Tod auf sich. Richard Wurmbrand genas am Ende von der Tuberkulose und überlebte die grausame Gefängniszeit. Die Heiligkeit von Valeriu Gafencu erkennend, sagte Wurmbrand einmal zum heiligen Valeriu: „Ich möchte in das Reich des Himmels durch das gleiche Tor eingehen wie Sie.“ Seine Mithäftlinge erinnern sich an den heiligen Valeriu Gafencu als einen wahrhaft orthodoxen Christen, der von Güte, Nächstenliebe und einem tiefen Glauben geprägt war.

 

Das Gedenken an die heiligen Neo-Märtyrer und Bekenner nach dem Fall des Kommunismus, aber auch die heilige Martyria der christlichen Märtyrer zu allen Zeiten, können wir als einen besonderen Segen Gottes betrachten. Auf dem Wurzelgrund dieses Segens erblüht heute die erstaunenswerte Renaissance des Orthodoxen Christentums in Russland, der Ukraine, Rumänien, Serbien, Montenegro etc. Zur Schar dieser orthodoxen Neo-Märtyrer und Bekenner zählen Priester und Laienchristen, Theologen, Gelehrte und Wissenschaftler, Mönche und Nonnen, die in den kommunistischen Lagern gelitten haben und dort zum Teil auch das Martyrium um ihres christlichen Glaubens willen erlitten.

 

Aber auch heutzutage gibt es an verschiedenen Orten Christenverfolgungen. Der Geist des Gottesverrats, die Macht des Bösen und der Sünde verführt viele Menschen. Tod, Leid und Verfolgungen prägen die Lebenswirklichkeit vieler Christen auf der ganzen Welt.

 

Literaturhinweis: The Saint of the Prisons: Notes on the life of Valeriu Gafencu, collected and annotated by the monk Moise (Englisch) Taschenbuch: 351 Seiten, Verlag: Triada (6. September 2019), Sprache: Englisch, ISBN-13: 978-2931030004

 

 

Gedächtnis der 21 koptischen Neomärtyrer in Libyen

 

15. Februar

 

Troparion im 1. Ton: Wie sanftmütige Lämmer schriet ihr auf in euren letzten Atemzügen: O Herr Jesus, und wie Rosen blühend in der Libyschen Wüste, vergosst ihr euer Blut für den Herrn. Mit göttlichem Heldenmut, zeigtet ihr euren gottlosen Verfolgern, wahre Stärke vom wahren Glauben, o Stolz von Minya und Ruhm der Kirche des heiligen Markus, setzt euch bei Christus ein, dass unsere Seelen gerettet werden mögen.

 

Kondakion im 8. Ton: O ihr neuen Märtyrer, treue Söhne des Volkes des Kreuzes, ihr habt Christus nicht geleugnet um euer irdisches Leben zu retten. Mit eurer Beständigkeit verdientet ihr die wahre Krone des Lebens.Ihr seid Zeugen für uns, die eure Leiden ehren. Dass der Herr Mut gibt in den Stunden der Prüfung. Nach eurem Beispiel singen wir: O Herr Jesus, sei unser Trost und unsere Stärke!

 

 

Am heutigen Tag dürfen wir auch das Leid der koptischen Christen nicht vergessen.

Die jungen koptischen Arbeitsmigranten stammten bis auf einen Schwarzafrikanischen Christen aus dem oberägyptischen Samalut. Die koptischen  Christen waren als Gastarbeiter in Libyen beschäftigt und auf dem Heimweg nach Ägypten. In einem fünfminütigen Video- Film wurde am 15. Februar 2015 unter dem Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“ verbreitet.

 

Die von den IS-Terroristen brutal ermordeten jungen Kopten und ihr Freund aus Ghana oder dem Tschad waren ganz einfache Menschen aus den oberägyptischen Dörfern, die in Libyen lebten und arbeiteten, um dadurch ihre Familien zu erhalten. In dem Video ist zu sehen, wie schwarz gekleidete Männer die einheitlich in orangefarbene Overalls gekleideten Opfer an einen Strand schleppen.Da sich die jungen Christen weigerten, ihren Glauben zu verraten, ist auf dem Video zu sehen, wie die Islamisten ihre Opfer mit Messern enthaupten.

 

In der altorientalisch-koptischen Kirche wird der 21 libyschen Neumärtyrer jeweils am 15. Februar gedacht.

 

 

Der Heilige Prophet Zacharias

 

8. Februar

 

Der Heilige Prophet Zacharias war aus dem Stamme Levi und gehört zur Zahl der „Zwölf kleinen Propheten“. Er wirkte in der Zeit kurz nach dem babylonischen Exil in Jerusalem und war Zeitgenosse des heiligen Propheten Haggai. Er war der Sohn Berechjas und Enkel Iddos. Der heilige Prophet Zacharias kam also aus einer jüdischen levitischen Priesterfamilie. Zur Zeit des Hohepriesters Jojakin war der heilige Zacharias das Oberhaupt seiner Familie. Der heilige Prophet Zacharias wird "Sichelseher" genannt, wegen einer in seinem Buche beschriebenen Vision, in welcher er eine sichelförmige Rolle erblickte (Zacharias, Kapitel 5: 1-4). Das von ihm hinterlassene prophetische Buch besteht aus 14 Kapiteln und enthält eine ausführliche Weissagung über die letzten Tage im irdischen Leben Christi, über Seinen Einzug in Jerusalem auf einem Esel (Kapitel 9: 9), seinen Verrat für 30 Silberinge und die Bestimmung des Geldes (Kapitel 11: 12-13), die Durchbohrung der Seite (Kapitel 12:10), die Zerstreuung und Flucht der Jünger aus dem Garten Gethsemane (Kapitel 13: 7) und die Verfinsterung der Sonne während des Kreuzleidens Christi (Kapitel 14: 6-7). Der heilige Prophet Zacharias starb im Jahr 520 vor Christus. Die Christenheit feiert die Heilereignisse die der heilige Prophet Zacharias vorhergesagt hat, am Sonntag der Palmen und während der Großen und Heiligen Woche (Karwoche).

 

 

Unser Vaters unter den Heiligen der apostelgleiche Photios, Patriarch von Konstantinopel und Bekenners und Verteidiger des Orthodoxen Glaubens

Gedenktag 6. Februar

 

 

Der heilige Tryphon

 

01. Februar

 

Diakon Thomas Zmija

 

Der heilige Tryphon wurde um das Jahr 232 in der Region Phrygien im zentralen Teil Kleinasiens geboren. Die verschiedenen Quellen geben uns unterschiedliche Namen seiner Geburtsstadt an (Samosata in Phrygien ?). Der Heilige ist einfacher Gänsehirt gewesen. Er zeichnete sich aber durch seinen starken und unerschütterlichen christlichen Glauben aus. Deshalb wurde er auch von Gott auch mit der Gnade begabt war, Krankheiten zu heilen und Dämonen auszutreiben.

 

Als der heilige Tryphon 017 Jahre alt war, heilte er auch die Tochter des phrygischen Königs Gordian, die von einem Dämon heftig gequält wurde. Der Heilige befahl dem Dämon, als Hund zu erscheinen und zu zeigen, welche Boshaftigkeiten er den Leuten zu tun aufgetragen hatte. Durch dieses Wunder wurden viele Menschen zum christlichen Glauben bekehrt.

 

Bald darauf, in der Regierungszeit des heidnischen Kaiser Decius, kam es erneut zu schweren Christenverfolgungen. Der heilige Tryphon wurde beim römischen Präfekten Aquilinus in Nicäa als Christ denunziert. Zusammen mit zwei anderen Christen, dem heiligen Respicius und der heiligen Nympha, wurde er daraufhin vor Gericht gestellt. Nachdem sie einige Tage im Kerker geschmachtet hatten, führte man sie vor den Richtstuhl. Als sie dort unerschrocken ihren christlichen Glauben bekannten, sagte ihnen ein neben ihnen stehender Beamter, dass, wer sich weigere zu opfern, lebendig verbrannt werden würde. Der heidnische Beamte ermahnte sie, Mitleid mit sich selbst zu haben. „Eben dies tun wir ja“, antwortete der heilige Tryphon. „Wir können es nicht besser mit uns meinen, als wenn wir Jesus Christus bekennen, der alle Menschen vor Sein Gericht fordern wird, um über alle ihre Handlungen Rechenschaft zu fordern.“ Als ihnen hierauf der Präfekt Aquilinus vorstellte, sie hätten doch das Alter, wo sie wissen könnten, was sie zu tun hätten, erwiderte Tryphon: „Ja, darum wünschen wir auch die Vollkommenheit der wahren Weisheit zu erlangen, indem wir Jesus Christus folgen.“ So legten sie alle  drei ein mutiges Bekenntnis ihres Glaubens zu Christus vor den römischen Behörden ab. Da sie sich vom Christentum nicht lossagen wollten, wurden sie daraufhin furchtbar gefoltert.

 

Während dieser Pein erschien ihnen ein Engel, welcher den heiligen Märtyrern mit Blumen und Edelsteinen gezierte Kronen aufsetzte. Als der heidnische Richter daraufhin erkannte, dass die drei Märtyrer nicht bereit waren, Christus zu verleugnen, ließ er sie enthauptet. Den Quellen zufolge geschah dies am 1. Februar des Jahres 250.

 

Ihre Reliquien wurden zuerst nach Konstantinopel, später dann nach Kotor im heutigen  Montenegro überführt.

 

Tryphon war der Legende nach einfacher Gänsehirt, aber begabt mit der Gnade, alle Krankheiten zu heilen. Als er 17 Jahre alt war, heilte er auch König Gordians Tochter von einem Dämon: er befahl dem Dämonen, als Hund zu erscheinen und zu zeigen, welche Boshaftigkeiten er den Leuten aufgetragen hatte. Damit wurden viele zum Christentum bekehrt. Bald darauf, in der Regierungszeit von Kaiser Decius, wurde Tryphon beim Präfekten Aquilinus in Nicäa - dem heutigen Íznik als Christ denunziert, schwer gefoltert und enthauptet.
Tryphon war der Legende nach einfacher Gänsehirt, aber begabt mit der Gnade, alle Krankheiten zu heilen. Als er 17 Jahre alt war, heilte er auch König Gordians Tochter von einem Dämon: er befahl dem Dämonen, als Hund zu erscheinen und zu zeigen, welche Boshaftigkeiten er den Leuten aufgetragen hatte. Damit wurden viele zum Christentum bekehrt. Bald darauf, in der Regierungszeit von Kaiser Decius, wurde Tryphon beim Präfekten Aquilinus in Nicäa - dem heutigen Íznik als Christ denunziert, schwer gefoltert und enthauptet.
Griechische Ikone des hl. Tryphon
Griechische Ikone des hl. Tryphon

Der heilige Tryphon wird in der russischen Kirche als Schutzpatron der Falkner und Jäger verehrt. Nach einer russischen Legende flog einem Falkner Iwans des Schrecklichen ein Falke davon. Der Falkner fürchtete Zar Iwan´s Strafe. Doch in der Nacht erschien ihm im Traum der heilige Tryphon, auf einem weißen Pferd reitend und mit einem Falken auf der Hand. Am nächsten Tag fand er den Falken an der Stelle, die ihm der heilige Tryphon im Traum gezeigt hatte. Daher wurde der heilige Tryphon in Russland zum Beschützer der Falkner und Jäger.

 

In Griechenland und auf dem Balkan wird er als Schutzpatron der Gärtner, Weinbauern und Gastronomen verehrt, da am 01. Februar dort traditionell der erste Rebschnitt durchgeführt wird. Hier wird wird der heilige Trifon auf den Ikonen als junger Mann dargestellt, der eine Sichel in der Hand trägt.

 

In Bulgarien zog man nach der Festliturgie in der Kirche in die Weinberge um dort ein oder zwei Weinstöcke zu beschneiden. Die Wurzeln wurden dabei mit Wein begossen und anschließend mit dem Weihwasser des Triphontagesgesegnet.

 

Nach diesem ersten Rebschnitt versammeln sich dann alle um den festlich gedeckten Tisch inmitten der Rebstöcke, auf dem alles aufgetischt war, was sie von Zuhause mitgebracht hatten. Die abgeschnittenen Weinreben stellte man in einen Weinkrug. Später wurde daraus ein Weinrebenkranz geflochten und nach Hause getragen und vor der Ikone des heiligen Trifon gelegt.

 

In der bulgarischen Volkskultur wird mit diesem Fest der Übergang vom Winter zum Frühling gefeiert und traditionsgemäß die neue Winzersaison eröffnet.

 

 

Die Heilige Kirche


Von Vater Antonios Alevizopoulos

 

Die Kirche als der Leib Christ ist ein göttlich-menschlicher (theanthropischer) Organismus, d.h. eine zugleich unsichtbare und sichtbare Wirklichkeit. Die unsichtbare Dimension der Kirche bezieht sich auf die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und hat als Vorbild die Gemeinschaft der drei Personen der Heiligsten Dreiheit. Mit der Erschaffung der Engel wurde die himmlische Kirche konstituiert; dieser Kirche wurde der Mensch hinzugefügt: „Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten“ (Hebräer 12: 22-23).

 

Durch den Fall des Menschen zerbrach seine Gemeinschaft mit der himmlischen Kirche. Gott aber hat sein Geschöpf nicht verlassen, sondern er hatte das Heil des Menschen schon von Ewigkeit her geplant. Um die Rückkehr des Menschen in die Gemeinschaft mit Ihm vorzubereiten, wählte Gott „das auserwählte Volk Israel“, das das Urbild des neuen Israel, d.h. der Kirche war (Römer 9: 7-8 und Galater 3: 29).


Der Apostel Paulus spricht vom Geheimnis Gottes von Ewigkeit her, das den Menschen und den Engeln durch die Menschwerdung des Sohnes und Wortes Gottes offenbart wurde. Es war die Ökonomie des Geheimnisses, das Jahrhunderte lang von Gott verborgen war… um der vielfältigen Weisheit Gottes willen, gemäß seinem ewigen Plan, der durch Jesus Christus offenbart wurde um nun durch die Kirche erkannt zu werden (Epheser 3: 9-11. vgl. Kolosser 1: 26).

 

In Jesus Christus wurde die Kirche wieder hergestellt, Engel und Menschen um gemeinsam die Kirche zu bilden:

 

"Durch Dein Kreuz, o Christus, ist eine Herde entstanden, von Engeln und Menschen, und Eine Kirche. Himmel und Erde freuen sich. Herr, Ehre Dir!"

 

Die Einheit des Leibes der Kirche wird vom einen Haupt, von Christus aus, verwirklicht; „der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.“ (Epheser 5: 23). Diese Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen hat einen absoluten Charakter, aus diesem Grund wird Gott im Alten Testament auch als eifersüchtiger Gott bezeichnet (Exodus 1: 20 und Deuteronomium 5: 9). Jeder Abfall des Volkes Gottes wird als Unzucht und Ehebruch bezeichnet (Richter 2: 17 und Ezechiel 6: 9).

 

In der Kirche wurde die „Vereinigung“, d.h. die Sammlung der zerstreuten Kinder Gottes (vgl. Johannes 11: 52) vollendet – die Aufbau des einen Leibes unter dem Haupt: Christus; Er ist der Retter des Leibes. „Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos" (Epheser 5: 23-27).

 

„Mit der Reinigung im Wasser durch das Wort“ „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28: 19) sind wir geheiligt und eingegliedert in den Leib unter dem einen Haupt, Christus; wir werden „eins“ in Christus“ (Galater 3: 26-28).

 

Wenn wir also über die Kirche sprechen, meinen wir nicht einfach das Volk Gottes, ohne Christus, noch den Herrn, das Haupt, ohne den Leib. Wir meinen beide zusammen, das Haupt der Kirche, zusammen mit all seinen anderen Mitgliedern, den Christen. Der Heilige Geist, der am Pfingsttag
auf die Kirche herabkommt, bleibt in ihr, er erneuert die Gläubigen und gliedert sie ein in den einen Leib Christi. Christus ist „der Erstgeborene von vielen Brüdern“ (Römer 8: 29); in sich selbst versöhnte er alle mit Gott (2. Korinther 5: 18 und Kolosser 1: 18-20).

 

Auf diese Weise verstehen wir, daß die Kirche als der Leib Christi mit dem Heil gleichgesetzt wird. In ihr geht die Beziehung zwischen Christus und dem Vater auf einen jeden von uns über: „Ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit. (Johannes 17: 23). Die Kirche ist nicht die Werkstatt für das Heil des Menschen, sondern das Heil selbst. Die „Sammlung“ (griechisch: Synaxis) der versprengten Kinder Gottes und ihre Eingliederung in die „Einheit“ der Kirche Christi ist nicht eine Sache von untergeordneter Bedeutung, sondern das Heilsgeschehen selbst (Johannes 11: 52). Man kann kein Christ sein noch sich selbst als Christen bezeichnen, ohne in den Leib Christi eingegliedert zu sein, was gleichzeitig die Kommunion (die Vereinigung) mit den Brüdern bedeutet (1. Korinther 12: 12-28). Das Heil eines jeden Menschen kann nicht die separate Sorge eines jeden Einzelnen sein, unabhängig von seiner Eingliederung in die Kirche und sein Leben in ihr. Wer sich in „Eigenliebe“ zurückzieht und in sich selbst eintaucht, in der Hoffung dadurch Erlösung in sich selbst zu finden, ohne Bezug auf die Person Jesu Christi und ohne die Eingliederung in Seinen Leib zu finden, der kann nicht als Christ betrachtet werden.

 

Die Kirche als der Leib Christi ist eine (Eph 4,4) und Christus ist nicht „geteilt“ (1. Korinther 1: 13). Man kann nicht mit Christus sein, wenn man nicht gleichzeitig mit den Brüdern in Christus ist. Deshalb ist Spaltung oder Schisma ein Verbrechen.

 

 

Die christliche Synaxis oder Zusammenkunft ist nicht einfach eine Versammlung von Christen, sondern eine Zusammenkunft, in der die Einheit des einen Leibes Christi zum Ausdruck kommt: die Einheit des Leibes mit dem Haupt. Deshalb ist immer dort, wo zwei oder drei versammelt sind, Christus, die ganze, Katholische Kirche. Sie müssen jedoch im Namen Christi versammelt sein (Matthäus 18: 20).

 

Das bedeutet, daß diese Versammlung auch im Geiste Christi abgehalten werden muß, damit das Werk Christi ausgeführt werde, und nicht um im Namen Christi menschlichen Zielen zu dienen. Das Werk Christi war die Sammlung der zerstreuten Kinder Gottes „in einem“; es ist immer dort vollbracht, wo die Heilige Eucharistie als ein Akt der Einheit und nicht der Teilung gefeiert wird. Der Apostel Paulus, der sich auf diese Versammlungen „im Namen Christi“ bezieht, erklärt: „Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot…und sagte, „nehmt und esst…“ (1. Korinther 11: 23). „Denn wir, die vielen, sind ein Brot, ein Leib“, sagt der Heilige Paulus an einer anderen Stelle und setzt damit die Heilige Eucharistie mit der Rückkehr des Menschen in die Einheit der „einen Natur“, zum „Einssein in Christus“ gleich.

 

Die Synaxis oder Zusammenkunft „im Namen Christi“, selbst wenn es sich nur um eine Versammlung von „zwei oder drei“ handelt, muß dann die Einheit der katholischen Kirche verwiklichen und ausdrücken und nicht ihre Teilung in kleine Gruppen und Fragmente, die keine Gemeinschaft untereinander haben. Diese Einheit in der Apostolischen Kirche reichte sogar so weit, alles gemeinsam zu besitzen: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam…und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen“ (Apostelgeschichte 4: 32-33. 2: 42). In einem solchen Treffen „im Namen Christi“ hatten Spaltungen und Trennungen keinen Platz. Aus diesem Grund rügt der Apostel die Korinther, weil es in ihren kirchlichen Versammlungen Spaltungen gab, ...ich höre, dass es Spaltungen unter euch gibt, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt…(1. Korinther 11: 18). Eine Versammlung von „zwei oder drei“ kann nicht „im Namen Christi“ stattfinden, wenn sie eine Spaltung oder eine Splittergruppe darstellt – selbst wenn diejenigen, die versammelt sind, behaupten, daß ihre Versammlung im Namen Christi stattfindet.

 

Darüberhinaus hat die Kirche ihre sichtbare Dimension. Jesus Christus selbst wählte seine zwölf Jünger und nannte sie Apostel. Vor seiner glorreichen Himmelfahrt versprach Er ihnen „Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24: 49. Apostelgeschichte 1: 8) und er sandte sie aus, um das Reich Gottes zu verkündigen und diejenigen, die glauben würden, zu Jüngern zu machen, indem sie sie durch die Heilige Taufe in die Kirche aufnehmen würden (Matthäus 28: 19). Dieses Versprechen wurde am Pfingsttag erfüllt, als der Kirche dreitausend Seelen hinzugefügt wurden (Apostelgeschichte 2: 41).

 

Diese erste Kirche war eine konkrete Gemeinschaft und Gesellschaft; sie schloß die Ausübung der heiligen Tugenden Christi ein (1. Korinther 11: 1) und die Feier der Heiligen Eucharistie am Tag des Herrn war ihr Mittelpunkt. Sie enthielt ein gemeinsames Bekenntnis, das die Apostolische Lehre (Didache) war, das gemeinsame Gebet und die Gemeinschaft der Liebe, die, wie bereits erwähnt, so weit reichte, daß sie alles gemeinsam besaßen (Apostelgeschichte 2: 42. 4: 42). Wer auch immer an diesen Versammlungen teilnahm, war unter den Christen aufgenommen. Wer auch immer nicht teilnahm, wurde nicht als Christ betrachtet. In der Apostolischen Kirche gab es
spezifische Strukturen: die Apostel, die Priester, die Diakone und andere Helfer, wie z.B. Timotheus, Titus und andere.

 

Wenn schwerwiegendere Probleme in Bezug auf den Glauben entstanden, wurden sie in größeren Konzilen unter der Führung des Heiligen Geistes gelöst, wie es beim Apostolischen Konzil der Fall war, das in gewisser Weise „der Mund“ oder die Stimme der Kirche war (Apostelgeschichte 15: 22-29, vgl. 1. Timotheus 3: 15). Die Kirche, von der die Heilige Schrift erzählt, war sichtbar und konkret. Zu ihren Mitgliedern zählten Personen, die sehr schwach und sogar geistig krank waren, die zur Buße gerufen wurden, um nicht ausgestoßen zu werden (Matthäus 13:30. 1. Korinther 5:11. Judas 12: 23).

 

Die Orthodoxe Kirche hat immer jede Vorstellung bezüglich einer vermeintlichen „Kirche der Reinen“ (Katharoi) verurteilt und erklärt, daß die „Trennung zwischen Reinen und Unreinen“ „zur Zeit der Ernte“ vollzogen wird, bei der zweiten Ankunft Christi, und sicherlich nicht durch den Menschen; niemand darf solch eine Trennung vor dem Kommen des Herrn versuchen, denn in solch einem Fall wären die Kriterien und der Maßstab der Beurteilung menschlich und die Bewertung würde Fehlern unterliegen (Matthäus 13: 29-30).

 

Die Tatsache, daß es in der Kirche schwache Mitglieder gibt, bedeutet nicht, daß die ganze Kirche in die Apostasie gefallen ist. Als Moses auf dem Berg war und zu Gott sprach, fiel fast das ganze „auserwählte Volk“ vom Glauben ab; und doch blieb es für Gott Sein Volk, Er verwarf es nicht (Exodus 32: 1-8).

 

Die Kirche des Neuen Testaments, das neue Volk Gottes, ist nicht einfach eine Episode in der Geschichte, die sich zur Zeit der Apostel ereignete, sondern ein fortwährendes Ereignis, das sich bis zur Wiederkunft Christi erstreckt. Der Heilige Geist bleibt ewig in der Kirche und führt zur Wahrheit (Johannes 14: 16). Christus ist das Haupt der Kirche, und als das Haupt ist und bleibt Er ewig vereint mit dem Leib. Er führt den Leib und wird nicht von ihm geführt. Auch deshalb kann die Kirche, der Leib Christi, niemals in die Apostasie fallen – nur einzelne Mitglieder können unabhängig werden und sich vom Leib trennen, in die Apostasie fallen und in den geistlichen Tod geleitet werden. Selbst Hirten der Kirche und „Sterne vom Himmel“ können in die Apostasie fallen, aber niemals die Kirche (Apostelgeschichte 20: 30. 2. Thessalonicher 2: 3. Apokalypse 9:1. 1. Timotheus 3: 15). Es wird immer einen kleinen „Rest“ geben, einen Rest der Gläubigen, die mit dem Haupt vereinigt sind und die die Kirche sein werden; denn gemäß der Verheißung Christi werden selbst „die Pforten der Hölle“ sie nicht überwinden (Matthäus 16: 18).

Die Kirche ist also einzigartig und unsichtbar (Mt 16,18). Sie besteht zu allen Zeiten und ist die „Säule und das Fundament der Wahrheit“. Die Wahrheit ist auf die Kirche gegründet und nicht die Kirche auf die Wahrheit. Die Kirche ist die Wahrheit, weil ihr Haupt Christus, d.h. die Wahrheit ist (1. Timotheus 3: 15. Johannes 6). Ohne Christus gibt es keine Kirche (Matthäus 16: 18) und ohne die Kirche gibt es keine Wahrheit (1. Timotheus 3: 15).

 

Da die Kirche auch eine sichtbare Realität ist, existiert sie durch die Jahrhunderte und ist durch sichtbare Zeichen und Kennzeichen zu erkennen. Diese äußeren Zeichen bestimmen die Identität der Kirche Christi und unterscheiden sie von selbsternannten „Kirchen“ und Häresien.

 

Diese Kennzeichen sind die beständige und ununterbrochene Kontinuität der Kirche im Glauben, der Organisation und Leben im Einklang mit dem Willen Christi und der Praxis der Apostel. Der sichtbarste Fokus der Kontinuität der Kirche ist die Apostolische Sukzession. Hier haben wir nicht eine willkürliche Handlung, die beschlossen und später durchgesetzt wurde. Die Apostolische Sukzession hat ihren Ursprung im göttlichen Willen, wie es in der Heiligen Schrift zum Ausdruck gebracht wird. Schon vor dem Pfingsttag wird das Amt des Apostels von der betreffenden Person unterschieden. Die Apostel sind dabei Matthias zu wählen, um das Bischofsamt des Judas zu übernehmen, in Übereinstimmung mit der Prophezeiung des Alten Testaments (Apostelgeschichte 1: 26. Psalm 108: 8). Das beweist, daß es in der Kirche den Dienst des Bischofs gibt, für das die Apostel geeignete Gläubige wählten und ihnen durch die Weihe das Geschenk des Priestertums übermittelten (1. Timotheus 4: 14. 2. Timotheus 1: 6). Und sie gaben ihnen das Gebot, Hirten der Ortskirche zu sein und in jeder Stadt Priester und Diakone zu weihen, in der Weise, wie es ihnen gezeigt worden war (Apostelgeschichte 14: 23. 2. Timotheus 2: 2. 1. Timotheus 3: 8-12).

 

All diese Hirten standen in einer ununterbrochenen Apostolischen Sukzession, die die Garantie und die Zusicherung der Bewahrung der Reinheit der Apostolischen Lehre und des einen Sinnes war „dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig“ (Philemon 2: 2).

 

Die Orthodoxe Kirche hat all diese Kennzeichen und Merkmale der Apostolischen Kirche:

 

- die Apostolische Lehre

- die gesamte hierarchische Struktur der ersten Kirche

- die Apostolische Lehre und den Apostolischen Geist

 

Die Orthodoxe Kirche kennt zwei verschiedene Ausdrücke der katholischen Kirche an einem bestimmten Ort: das klösterliche Gemeinschaftsleben und die Pfarrgemeinde. Im orthodoxen Kloster ist die erste Form der Kirche unverändert erhalten geblieben, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben wird, einschließlich des gemeinsamen Besitzes (Apostelgeschichte  2: 42-47).

 

Die Heilige Eucharistie in der Pfarrgemeinde verwandelt die Gemeindeversammlung in die katholische Kirche (1. Korinther 10: 16-17) und gibt dem Begriff „Pfarrgemeinde“ eine tiefere Bedeutung, die über die rein geographische Bedeutung hinausgeht. Denn die Versammlung „in der Kirche“ (1. Korinther 10: 16-17) ist Christus und deshalb findet man dort die katholische, d.h. die umfassende Kirche. Dies bedeutet die innere, nicht äußere oder geographische Katholizität. Der Apostel Paulus weist darauf, wie wir bereits erwähnt haben, in 1. Korinther 11: 18-23 hin, wenn er schreibt: „Zunächst höre ich, dass es Spaltungen unter euch gibt, wenn ihr als Gemeinde
zusammenkommt … oder daß ihr die Kirche Gottes verachtet…denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch.“

 

 

Der Begriff Kirche wird hier in einem dynamischen Sinn verwendet und wird mit den Zusammenkünften der Christen von Korinth gleichgesetzt, die zusammenkommen um die Heilige Eucharistie zu feiern. Jedes Mal, wenn sich die Christen eines Bezirkes (Gemeinde) in dieser Absicht versammeln, wird diese Versammlung zur Kirche; hier ist die ganze Kirche, und nicht nur ein Teil von ihr (vgl. Römer 16: 23).

 

Die Katholizität einer Pfarrgemeinde zeigt sich auch in der Tatsache, daß sich das ganze Leben der Gläubigen innerhalb ihrer Grenzen ereignet. Es gibt Priester, die zum kanonischen orthodoxen Bischof der Gegend gehören, die die Gegenwart Christi im liturgischen Leben und die Einheit der Gläubigen untereinander und mit dem Haupt der Kirche garantieren. In der Gemeinde werden die Heilige Taufe, die Heilige Salbung und alle Heiligen Sakramente feierlich gespendet. Hier versammeln sich die Gemeindemitglieder „in der Kirche“ (…); durch die Gemeinde gehört jedes Mitglied zur katholischen (umfassenden) Kirche. Die Gemeinde, ebenso wie ein Kloster, ist nicht ein Teil der Kirche, sondern die ganze Kirche, denn ihre Katholizität ist innerlich bestimmt.

 

Die Gemeindemitglieder sind dazu aufgerufen, in ihrem täglichen Leben die Erfahrung des einen Leibes durch die Teilnahme an der Heiligen Eucharistie zu verwirklichen; das wird auch in der Ermahnung am Ende der Göttlichen Liturgie angedeutet: „Lasst uns gegen in Frieden.“ Die tiefe Einheit und der Frieden des einen Leibes und des einen Geistes, der einen Hoffnung, des einen Herrn, des einen Glaubens, der einen Taufe und des einen Gottes und Vaters aller (Epheser 4: 4-6) muß im Alltag der Gläubigen in die Praxis umgesetzt werden. Jedem von ihnen wurden verschiedene Charismen gegeben. So hat jeder seine eigene Aufgabe im Leib der Kirche und nutzt sein Charisma für die Erbauung der anderen Mitglieder und des ganzen Leibes. Sie wurden nicht gegeben, um egoistisch verwendet zu werden (1. Korinther 23: 7-27. 14,12,26). Sie dürfen nicht von den Brüdern isoliert werden, sie müssen ihre Gaben zum Wohle und zur Erbauung des Leibes nutzen (Matthäus 24:45-51, 25: 14-30. 1. Petrus 4: 10-11). Diese Möglichkeit zum Geben wird zur Wirklichkeit, wenn das ganze geistliche Leben eines jeden Gläubigen mit der besonderen liturgischen Zusammenkunft als ihrem Zentrum ausgeübt wird, in die es harmonisch eingegliedert ist.

 

Leider funktionieren in den größeren Städten die großen Gemeinden mit vielen Gemeindemitgliedern nicht mehr im Rahmen des „Einsseins in Christus“ und „Einssein unter einander“. Das ist eine Angelegenheit, mit der die Kirche sich auseinandersetzen und andere Strukturen suchen muß. Aber unabhängig davon welche Strukturen auch immer gesucht werden müssen, sie müssen die grundlegenden Elemente der Apostolischen Oranisation der Kirche wahren und dürfen nicht Schöpfungen menschlicher Vorstellung, noch menschlicher Methoden sein, und vor allem dürfen sie nicht Kriterien und Modelle „dieser Welt“ bedeuten – etwas, das die Säkularisation der Kirche bedeuten würde.

 

Die gesamte organisatorische Struktur der Apostolischen Kirche hat die Göttliche Eucharistie zum Mittelpunkt und gewährleistet die Kontinuität der Authentizität der Kirche, die kontinuierliche Gemeinschaft und Einheit mit dem Haupt, Christus, denn Er ist es der „allzeit gegessen doch nie aufgezehrt wird“, wie es in einem der Gebete der Göttlichen Liturgie heißt. Das bedeutet, daß die neuen Strukturen nicht aus der Gemeinschaft mit dem Bischof getrennt werden dürfen und Priester, die in Einheit mit dem Bischof sein müssen, als Hirten haben müssen. Denn der Bischof ist das Bild Christi und steht an dessen Stelle und die Priester, die vom
Bischof geweiht werden, stehen für die Versammlung der Apostel.

 

 

Ignatius von Antiochien, ein Bischof der urchristlichen Kirche, der die obengenannten Aussagen macht, unterstreicht die Einheit der Kirche mit den Worten, daß überall dort, wo der Bischof ist, die Menge der Gläubigen sein muss; man kann die Heilige Eucharistie doch nicht außerhalb der Einheit mit dem Bischof feiern.

 

In der Gemeinschaft mit dem Bischof bleibt die Einheit mit der ganzen Kirche gewahrt. Jeder Bischof muss zur lokalen Bischofssynode gehören, die von allen anderen Bischofssynoden der Orthodoxen Kirche auf der ganzen Welt anerkannt wird.

 

Gemäß der frühchristlichen Tradition wurden die lokalen Synoden unter dem Vorsitz der Bischöfe der Hauptstadt einer Gegend gehalten und auf diese Weise wurden die selbstverwalteten Orthodoxen Kirchen geschaffen (Patriarchate, Erzdiözesen, Metropolien)....

 

Alle Orthodoxen Kirchen sind eins im Glauben und Gottesdienst und bewahren die urchristlichen
hierarchischen Strukturen. Wenn äußerst schwerwiegende Fälle eintreten sollten, die eine Bedrohung für den Glauben und das Leben der Kirche darstellen, werden sie von den lokalen oder allgemeinen Synoden oder Konzilien behandelt.

 

 

Hochfest der Begegnung

mit unserem Herrn Jesus Christus

 

02. Februar

 

Diakon Thomas Zmija

 

Die orthodoxe Kirche feiert am 2. Februar eines ihrer zwölf Hochfeste – das Fest „Begegnung des Herrn“ (Сретение Господне). Dieses Fest erinnert uns an die Begegnung (griechisch: ὑπαπαντή τοΰ Κυρίου = Hypapante tou Kyriou) des Christuskindes und der Allheiligen Gottesmutter mit dem gerechten Simeon und der heiligen Prophetin Hanna im Tempel in Jerusalem.


Bereits im 4. Jahrhundert feierte die Kirche von Jerusalem dieses Fest – zunächst am 14. Februar, dem 40. Tag nach dem Fest der Theophanie, dem Festtag der Taufe des Herrn im Jordan durch den heiligen Johannes den Täufer. Später dann, als die Feier der Geburt des Erlösers im Fleische vom Fest der Erscheinung (Theophanie) des Herrn abgelöst wurde und das heutige Weihnachtsfest entstand, wurde das Fest der Begnung des Herrn auf den 02. Februar verlegt, genau 40 Tage nach dem Weihnachtsfest.

 

Das Lukasevangelium (Lukas 2: 22-40) berichtet uns, wie der heilige Joseph und die Allheilige Gottesgebärerin zum Tempel nach Jerusalem kamen, um dort das Christuskind als den Erstgeborenen im Tempel darzubringen. Die geschah nach dem alttestamentlichen Gebot: „Du musst alles, was den Mutterschoß durchbricht, vor den Herrn bringen“ (Exodus 13:12). Das Evangelium überliefert uns auch den Lobgesang des heiligen Simeon des Gottesträgers: „Nun entlässt Du, o Herr, Deinen Diener, wie Du gesagt hast, in Frieden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, welches Du bereitet hast vor aller Völker Angesicht; ein Licht zur Erleuchtung der Heiden (= Völker) und zur Verherrlichung Deines Volkes Israel (Lukas 2: 29-32).

 

Das Lukas-Evangelium berichtet uns aus Anlass der Begnung des Herrn auch von zwei jüdischen Riten, die die Allheilige Gottesgebärerin und der heilige Joseph, der Bräutigam, an diesem Tage vollziehen: Zum einen sollte im Tempel sollte die "männliche Erstgeburt (…) dem Herrn geweiht" werden und die Mutter sollte zur "Reinigung" ein Schaf und eine Taube - wenn sie aber arm war nur ein Paar Turteltauben - an die Priester zum Opfer übergeben (vgl. Leviticus 12). Denn die Frauen im Volk Israel galten nach dem mosaischen Gesetz 40 Tage nach der Geburt eines Jungen - aber 80 Tage nach der Geburt eines Mädchens - als unrein. Schon aus dem Bericht des Lukas-Evangeliums eröffnen sich also die beiden Deutungsmöglichkeiten für den Charakter des Festes: Mit Blick auf den Herrn Jesus Christus als ein Herrenfest und mit Blick auf die Allheilige Gottesgebärerin als ein Marienfest.

 

Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, kommt also in den Tempel als Sein Eigentum. Dort sollte Er laut dem Gesetz Gott übergeben, also "dargebracht" werden, um danach durch ein Geldopfer wieder ausgelöst werden. Interessanterweise steht beim heiligen apostel und Evangelisten Lukas nicht ausdrücklich, dass die Allheilige Gottesgebärerin und der heilige Joseph, der Bräutigam, Ihn tatsächlich mit der vorgeschriebenen Geldspende auslösten.

 

Christus, der Eingeborene Sohn des Vaters, ist Mensch geworden, damit wir Menschen erlöst und vergöttlicht werden können. Sein Opfer begann bereits mit Seiner heiligen Inkarnation. Er brachte sich selbst dann aus freiem Willen am Kreuz auf Golgotha dar, um unsere gefallene menschliche Natur aus der Verstickung in Sünden und Tod zu erlösen. Er erstand nach drei Tagen von den Toten und bahnte damit dem Menschengeschlecht ebenfalls den Weg zum ewigen Leben. Er erhöhte in Seiner glorreichen Himmelfahrt unsere menschliche Natur zur Rechten Gottes, des Vaters. Durch Sein freiwilliges und lebenssspendendes Opfer bahnte Er damit allen Menschen den Weg zur Erlösung und zum Heil.

 

Am Fest der Begegnung des Herrn werden in der Kirche deshalb auch die Opferkerzen geweiht. Der Hintergrund dafür ist die Lichtsymbolik des Festes, die in Zusammenhang mit dem Lobgesang des heiligen Simeon deutlich wird, der Christus als das „Licht zur Erleuchtung der Völker“ bezeichnet. Die Opferkerze ist wiederum ein Symbol für unser Gebet. Aber die Opferkerze steht auch für unsere tagtägliche geistliche Selbstaufopferung als gläubige orthodoxe Christen. Wie Christus das Kreuz freiwillig um unseres Heiles Willen auf sich genommen hat, so sollen auch wir unser Kreuz geduldig auf uns nehmen und dem Herrn dadurch nachfolgen. Wie Er sich zum Opfer für das Heil der Menschen gemacht hat, so sollen auch wir uns selbst und unser ganzes Leben Gott darbringen und überliefern.

 

Die Lichtsymbolik des Hymnus des heiligen Simeon des Gottesträgers aufnehmend, singt die orthodoxe Kirche an diesem Fest:

 

Schmücke dein Brautgemach, Zion, und nimm Christus, den König, auf! Begrüße Maria, die himmlische Pforte! Denn sie hat sich als cherubinischer Thron erwiesen, da sie den König der Herrlichkeit in Händen hält. Eine Lichtwolke ist die Jungfrau, im Fleische trägt sie den vor dem Morgenstern gezeugten Sohn. Simeon nahm Ihn in seine Arme und verkündete den Völkern, dass Er der Herr über Leben und Tod ist und der Erlöser der Welt.

                                                                                                    (aus den Aposticha der Vesper)

 

In der orthodoxen Kirche trägt der heilige Simeon den Beinamen der Gottes-Träger“ oder auch der „Gott-Empfangende“. Die kirchlichen Hymnen preisen ihn als den letzten all jener Heiligen und Gerechten des Alten Bundes, die über Jahrhunderte das Kommen des Herrn ankündigten. Deshalb verstanden die Heiligen Väter das Fest der Begegnung des Herrn schon immer als Ereignis, an dem der Messias in Seinen Tempel kommt und symbolisch in Simeon und Hanna dem Gottesvolk des Alten Bundes begegnet. Daher wird in den Gesängen und Hymnen des Festes immer wieder Bezug genommen auf die alttestamentliche Zeit der Vorbereitung auf das Kommen des Herrn Jesus Christus.

 

 

Das Jesuskind, das der heilige Gottesträger Simeon nun auf seinen Armen hält, ist der Mensch gewordene Gott Selbst. Er ist der „Ewig-Seiende“ (vgl. Exodus 3:14 nach der Septuaginta). Er ist eines Wesens mit dem Vater, wie wir es im orthodoxen Glaubensbekenntnis bekennen und verkünden.

 

Das Fest der Begegnung des Herrn stellt im orthodoxen Jahreslauf den Abschluss des Weihnachtsfestkreises dar. Ab jetzt schreiten wir liturgisch auf die Vorfastensonntage und damit auf die Große Fastenzeit und das heilige Osterfest zu.

 

Das Fest der Begegnung des Herrn ist eigentlich ein Christusfest und wird deshalb in der Regel auch in goldenen liturgischen Gewändern gefeiert. In einigen Gegenden aber gilt es mehr als Marienfest, an dem der besondere Charakter der Immerjungfrau Maria als der Allreinen Gottesgebärerin besonders hervortritt. Deshalb kann der Gottesdienst auch in blauen liturgischen Gewändern gefeiert werden.

 

Troparion im 1. Ton: Freue Dich, gnadenerfüllte, jungfräuliche Gottesgebärerin! Denn aus Dir erstrahlte die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott, und erleuchtete die von Finsternis Umgebenen. Frohlocke auch du, gerechter Greis, der du den Befreier unserer Seelen auf die Arme nahmst, der uns die Auferstehung schenkt!

 

Kontakion im 1. Ton: Der Du den jungfräulichen Schoß durch Deine Geburt geheiligt und die Hände des Simeon, wie es sich gebührte, gesegnet hast, Du hast zuvorkommend auch uns jetzt errettet, Christus, Gott. Aber schenke Frieden in Kämpfen dem Staate, und stärke die, welche Du liebst, o einzig Menschenliebender!

 

 

Der heilige Simeon der Gottesträger

 

 

03. Februar

 

 

Diakon Thomas Zmija

 

 

 

Der heilige Simeon der Gottesträger war ein frommer Israelit. Er wartete auf den "Trost Israels", das Kommen des Missias. Obwohl er schon alt war, hatte  er vom Heiligen Geist die Zusage empfangen, dass er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn, den Christus, gesehen habe.

 

 

Als der Christusknabe von der Allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria und dem hl. Joseph, dem Bräutigam, in den Tempelgebracht wurde, um ihr Opfer darzubringen, erkannte er, gemeinsam mit der heiligen Prophetin Hanna, dieses kleine Kind als den Heiland und verheißenen Messias. Er nahm ihn auf die Arme und pries ihn mit dem im Lukasevangelium (2: 25 - 35) überlieferten Lobgesang:

 

 

"Nun lässt du, o Herr, Deinen Diener, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für Dein Volk Israel."

 

 

Nach der Überlieferung der orthodoxen Kirche war der heilige Simeon des Gottesträger ein Priester und Nachfolger vom heiligen Zacharias, dem Vater des heiligen Johannes des Täufers als Hohepriester in Jerusalem.Der heilige Simeon ist wenige Tage nach der Begegnung mit dem Herrn verstorben. Er wurde in Jerusalem begraben. Nach dem Zeugnus des heiligen Gregor von Tours wurden die Reliquien des heiligen Simeon im 6. Jahrhundert nach Konstantinopel übertragen. Im Jahre 1243 kamen sie nach Zadar in Dalmatien, wo für seine Gebeine und die seiner Söhne ein kostbarer Schrein gefertigt wurde.

 

 

11th anniversary of the enthronement

of His Holiness Patriarch Kirill and all Rus

 

On Saturday, February 1, 2020, the Russian Orthodox Church celebrates the 11th anniversary of the enthronement of His Holiness Patriarch Kirill.

 

On February 1, 2009, in the Cathedral Church of Christ the Savior, the enthronement of His Holiness Patriarch Kirill of Moscow and All Russia was performed. He was elected to the Moscow Patriarchal Throne by the Local Council of the Russian Orthodox Church on January 27 of the same year.

 

“The Patriarchal Cross is difficult, and the symbol of this work is the great Patriarchal Paraman. But at the same time the Lord sends great joys during this ministry. And the main joy for me is the opportunity to perform a Divine service at any church of the Russian Orthodox Church, at any monastery, near the great shrines, to visit the wonderful holy places of our Church, getting in contact with the Divine grace flowing from those shrines, and to fill my mind and my soul with everything that comes from real church life, to absorb these signals that are very important for the Patriarch, which come from the people, from the flock, from archpastors, and from monastics. It is this spiritual flow that is the most important influence that is exerted on the Patriarch”, His Holiness Patriarch Kirill said earlier.

 

Metropolitan Niphon of Philippopolis, representative of the Patriarch of Antioch and All the East to the Patriarch of Moscow and All Russia, greeted His Holiness on behalf of representatives of the Local Orthodox Churches.

 

“Sharing with your Church the moments of hardship and joy, we, representatives of the Local Orthodox Churches to your Throne, living under your Primatial omophorion, congratulate Your Holiness on this glorious day – the day of your enthronement – and wish you spiritual and bodily strength in your lofty ministry for the good of the Russian Church and Russia”, Vladyka Niphon said, in particular.

 

 

Die Feiern anläßlich des 11. Jahrestages der Inthonisation Seiner Heiligkeit

Patriarch Kyrill von Moskau und der ganzen Rus

 

Am 1. Februar 2020 war Seine Eminenz Metropolit Johannes in Begleitung von Erzpriester Jean Gueit, Protodiakon Jean Drobot und Hypodiakon Matthieu Jurconi nach Moskau gereist, um an den Feierlichkeiten anlässlich des elften Jahrestages der Inthronisierung Seiner Heiligkeit, Patriarch Kyrill von Moskau und der ganzen Rus teilzunehmen. Aus diesem Anlass hatten sich in der Patriarchen-Kathedrale zu Ehren Christi des Erlösers fast 300 Bischöfe aus der ganzen Russischen Orthodoxen Kirche versammelt, um mit Seiner Heiligkeit in der Festliturgie zu konzelebrieren. Unter den Hierarchen waren Seine Eminzenz Onuphrij, Metropolit von Kiew und der ganzen Ukraine, Seine Eminenz Ilarion, Metropolit von Wolokolamsk sowie Seine Eminenz Antonij, Metropolit von Chersones und Westeuropa.

 

 

 

Nach der Feier der Göttlichen Liturgie hatte Vladika Johannes die Gelegenheit, Seiner Heiligkeit Patriarch Kyrill persönlich auf das herzlichste zu gratulieren und ihm im Namen der gesamten Erzdiözese lange und glückliche Jahre zu wünschen („Auf viele Jahre! много лета!“).

 

 

Vladika Johannes gratuliert Seiner Heiligkeit und überbringt die Glückwünsche der Erzdiözese
Vladika Johannes gratuliert Seiner Heiligkeit und überbringt die Glückwünsche der Erzdiözese
Protodiakon Jean trägt die Zwite Ektenija in französischer Sprache vor
Protodiakon Jean trägt die Zwite Ektenija in französischer Sprache vor

 

Am darauffolgenden Tag wurden Seine Eminenz Metropolit Johannes, Erzpriester Jean Gueit und Protodiakon Jean Drobot in der Kirche des Heiligen Propheten Elias in Moskau, dessen Rektor der Patriarchalvikar Savva von Selenograd ist, auf das Herzlichste willkommen geheißen. Der Feier der Göttlichen Liturgie folgten in der brüderlichen Begleitung durch Erzbischof Savva ein Besuch in den Räumlichkeiten der Pfarrei und dort dann auch ein mit Treffen mit den Gläubigen dieser Moskauer Pfarrei. Immer wieder machen die Angehörigen des Erzbistums bei solchen Gelegenheiten die Erfahrung, der tiefen Freude und Verbundenheit der orthodoxen Gläubigen in Russland über die Wiedervereinigung der Erzdiözese mit der russischen Mutterkirche.

 

 

 

What the Holy Bible is not – An orthodox Perspective

 

Michael Bressem

Deacon at Holy Theotokos of Iveron Russian Orthodox Church

 

Some Non-Orthodox Christians tend to read more into the Holy Bible than is really there; they want the Bible to be the perfect solution to all of life’s problems. On the other extreme are non-Christians who advocate the Bible is less than what the Church teaches; they continually look for faults in the Bible and disregard its precepts. To arrive at a more balanced view, what follows is an apophatic explanation of what the Bible is not according to the Traditional teachings of the Orthodox Church. Orthodoxy has a long apophatic theological tradition of describing what God is not so that we don’t foolishly limit God’s being and behavior into mere human conceptions. Likewise, the Holy Bible is not. . .

  1. A History Book. Though the Bible covers thousands of years of history, the Bible is not meant to merely be a record of ancient Israel and the early Church. Those who wrote the Bible’s contents were not historians but apostles, prophets, and religious leaders more concerned about teaching spiritual truths than presenting historical facts. The Bible’s history provides a context that helps illustrate spiritual truths and the gradual unfolding of God’s plan of salvation.
  2. A Fictional Novel. On the other side of the coin, the Bible is not a fictional account either. The writers were not intentionally making up facts to mislead people into becoming Jewish or Christian. There is a lot of archeological evidence supporting much of what is recorded in the Bible. However, there is no claim within the Orthodox Church that every single account within the Bible is 100% historically accurate. Again, the stories were primarily told to illustrate spiritual truths.
  3. A Science Textbook. The Bible is not primarily meant to teach geography, anthropology, psychology, medicine, or other scientific information. When the Bible touches on those subjects, it does so based on the limited human knowledge the writers of those time periods had. Though the Bible advocates for certain practices, it does so as befits what people needed in order to thrive within a particular social context or what is needed at anytime to morally please God.
  4. An Inerrant Composition. The Bible is remarkably consistent in its teaching of spiritual doctrines and moral principles. The Bible is a reliable testimony of who God is and what God wants, but that is not to claim everything within its pages are “inerrant” (completely without error). Though inspired by God, fallible human beings scribed and translated the text. The Orthodox Church teaches the Bible expresses more than what is merely human but less than what is fully divine.
  5. A Personal Oracle. The Bible is not a magic book where one can ask a question, randomly flip the Bible open, drop a finger, and get God’s answer. Such practice is known as “Bibliomancy” and is not an endorsed practice by the Orthodox Church. The Bible offers God commanded solutions to social-moral dilemmas, and it offers knowledge toward how to walk righteously and find salvation, but the Bible doesn’t have an answer to every possible life problem.
  6. A Philosophical Treatise. The Bible is not meant to be read as if it is merely a humanistic, philosophical discourse on how to understand life and better one’s self. Rather, the Bible reveals its blessings spiritually rather than intellectually, if the reader approaches the Bible spiritually. In other words, the Bible imparts the fullness of its truth, goodness, and beauty only within the Church and having a relationship with the Triune God—Father, Son, and Holy Spirit.
  7. A Civil Constitution. The Bible is not meant to dictate how societies should rule themselves. Though it contains moral principles that would be beneficial for anyone to follow, including the leaders of government, the Bible should not be used to determine political allegiance nor be used to back politically motivated agendas. The Orthodox Tradition teaches that positive societal change occurs within the Church as believers mature in the kingdom of God.
  8. A Self-Help Guide. The Bible is not intended to be studied apart from the guidance and authority of the Church. God does not intend we be “Lone Ranger Christians” gleaning insights from the Bible without the checks and balances found from the Orthodox Church’s oversight and Traditional doctrinal teachings. It is fairly easy, and all too common, to individually misinterpret the Bible and fall into heresy or divide the Church by starting one’s own denomination.
  9. An Exhaustive Resource. Though the Bible is an essential book, though it’s chief among all Christian books, it’s not all you need; it’s not the only book beneficial to being a Christian and growing in Christ. The Orthodox Church encourages Her members to not only study the Bible but to also read the writings of the Holy Fathers and Mothers of our Tradition—whether through their books, collected sayings, liturgical hymns, or their Ecumenical Council decisions.
  10. A Divine Biography. The Bible is not God, does not describe the totality of God, and is not the only place one encounters God. To think these ways is “Biblio-idolatry.” Unfortunately, some Christians spend more time studying their Bible and learning about God than directly communing with God via worship and prayer. Yet also wrong, there are those who worship and pray without sufficiently knowing Whom they are worshiping and praying to nor why.

The above ten things are not all that can be said, or not said, about the Bible. For two millennia, the Bible has defied attempts to categorize it. The Bible is truly a book unique among the billions of tomes published around the world. The best way to grasp what the Bible is, or is not, is by reading it, contemplating it, asking questions of your priest or other Orthodox spiritual leader about it, and then read it some more. The Bible will continually astound you with its spiritual and moral insights about God and humanity for a lifetime.

 

There is no such thing as “knowing everything you need to know” when it comes to the Bible. Those who believe they learned everything about the Bible from children’s Sunday school, or from a catechism class, are fooling themselves. Even professors and scholars of the Bible, who are frequently drinking from the Bible’s well, never completely have their thirst quenched and so must return to it again and again. So please regularly study the Scriptures yourself, as did King Solomon, so you may become wise. “God loves nothing as much as the one who lives with wisdom” (Wisdom of Solomon 7:28, Orthodox Study Bible).

 

 

 

Wir Christen treiben die Leibesfrucht nicht ab

 

Diakon Thomas Zmija

 

Das menschliche Leben, auch das des noch ungeborenen Menschen, zu schützen gehört zu den unverrückbaren und unaufgebbaren ethischen Positionen des christlich-orthodoxen Glaubens. Das Leben eines Babys im Leib seiner Mutter zu beenden ist und bleibt sündhaft und falsch, auch wenn viele Menschen das im Rahmen der Entscheidungsautonomie heute anders sehen wollen. (Weit über 100.000 Abtreibungen pro Jahr sprechen für Deutschland eine Mehr als eindeutige Sprache)
Bereits der frühchristliche Apologet Tertullian schrieb: „Wir aber dürfen, da der Mord uns ein für allemal verboten ist, auch den Fötus im Mutterleibe nicht zerstören. Die Geburt verhindern ist nur eine Beschleunigung des Mordes, und es verschlägt nichts, ob man ein schon geborenes Leben entreißt oder ein in der Geburt begriffenes zerstört.“ Die ersten Christen waren nicht nur gegen Abtreibung und Kindestötung, sondern sie halfen auch, die Not zu lindern, indem sie ausgesetzten Babys ein liebevolles Zuhause boten. Tertullian meinte: „Die Mittel der Kirche stehen zur Verfügung, um mittel- und elternlose Kinder zu versorgen.“
Im Sommer 2019 hat Seine Heiligkeit Patriarch Kyrill die Grundlagen der christlich-orthodoxen Position noch einmal unmissverständlich herausgestellt. In einem grundlegenden Positionspapier, das vom Moskauer Patriarchat veröffentlicht wurde, heißt es: „Das ungeborene Kind ist ein Mensch nach dem Bilde Gottes und hat das Recht auf Leben. Es ist inakzeptabel, eine Person nur auf der Grundlage von Merkmalen wie Selbstbewusstsein, Autonomie und Rationalität sowie Beziehungen zu anderen Menschen zu definieren.“ Wie es in dem Grundsatzdokument  weiter heißt, bekennt sich die orthodoxe Kirche zur menschliche Würde des Embryos. Deshalb betont die orthodoxe Kirche unmissverständlich dessen Recht auf menschliche Identität, Leben und Entwicklung. Die Orthodoxe Kirche eine entsprechende gesellschaftliche und staatliche Absicherung in der Gesetzgebung. Abtreibung ist immer „die willkürliche Aberkennung des Lebens eines Menschen, das heißt ein Mord, und deshalb ist es unmöglich, von einem ,Recht auf Abtreibung’, das hieße einem ,Recht auf Mord’, zu sprechen. Abtreibung kann deshalb nicht als Mittel der ,Familienplanung’ anerkannt werden“.
Bereits das alttestamentliche Gottesvolk betrachtete das menschliche Leben aufgrund der göttlichen Gesetze als heilig. Die besondere Zuwendung  Gottes zum Menschen zeigt  sich bereits  im Schöpfungsbericht, wo es heißt: "Da formte Gott,  der Herr,  den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen." (vgl. Genesis 2:7) Durch die Begabung mit dem gottgegebenen Lebensatem wird das menschliche Wesen zu einer lebendigen  Person. Gott ist also nicht nur der Schöpfer der menschlichen Natur, sondern auch der Schöpfer und Erhalter jedes einzelnen Menschen (vgl. Jesaja 17: 7). Jeder einzelne Mensch ist vom Zeitpunkt seiner Empfängnis an Gott geheiligt und Sein Eigentum.
Diese besondere Heiligkeit eines jeden menschlichen Lebens ruft uns Psalm 140:13-16 ( Nach westlicher Zählung ist es der Psalm 139) in Erinnerung: "Denn Du hast  mein Inneres geschaffen, mich  gewoben  im Schoß meiner Mutter... Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den  Tiefen der Erde, waren meine Glieder Dir nicht verborgen. Deine Augen sahen, wie ich entstand, in Deinem Buch war schon  allesverzeichnet; meine Tage waren  schon gebildet, als noch keiner von ihnen  da war. Gott, dem Herrn und Schöpfer des Himmels und der Erde, ist jedes menschliche Leben von der Zeugung an zu eigen. Selbst wenn wir als Christen dem egoistischen und unwahren Satz - den der Vater aller Lüge uns in seiner diabolischen Bosheit einflüstern möchte  - zustimmen würden: "Mein Körper gehört mir", auch dann gehört das neue Leben im Leib der schwangeren Frau eben gerade nicht ihr, sondern dem menschenliebenden Gott.
Das werdende Leben in ihrem Leib ist bereits vollkommen Mensch. Dieses werdende Leben - der Embryo - ist also nicht einfach nur ein Zellhaufen. Er ist vielmehr von Zeugungszeitpunkt an geheiligt, denn Gott gewährte ihm bereits eine unsterbliche Seele, mögen sich auch Leib und Geist erst in den folgenden Monaten noch vollkommen ausgestalten.
Gott  kennt und liebt jeden Menschen  von Anfang seiner Existenz an. Unsere menschliche Identität als Ebenbild und Ikone Gottes zu sein, liegt in der Gottesgabe unserer unsterblichen Seele begründet. Damit liegt unser vollkommenes Menschsein eben auch nicht in unserer körperlichen oder geistigen Unversehrtheit begründet. Unser Menschsein ist ein gottgeschenktes Mysterion. Es gründet damit tiefer als unsere bewußte oder körperlich unversehrte Existenz. Es gründet tiefer als unser Erwachen zum menschlichen Bewußtsein, unserer Aufnahme der zwischenmenschlichen Zwiesprache  oder gar der Anerkennung und Annahme durch die menschliche Gemeinschaft, in die wir hineingeboren werden. Gott gibt sein "Ja" jedem ungeborenen Kind; gerade auch dem behinderten Kind. Übrigens machen sich die Ärzte bei Abtreibungen nach einer Pränataldiagnostik in fast diabolischer Weise zu gottähnlichen Richtern, wenn sie in nach den Kategorien des menschlichen Ablehnens, Machens und Planens darüber zu entscheiden wagen, welches Leben "wert" und welches "unwert" sei; welches weiterleben und welches wie Abfall entsorgt werden solle.
Psalm 140 sagt es uns deutlich: Schon den Embryo sahen Gottes Augen.  Gott kennt jeden einzelnen Menschen von Mutterleibe an. Damit wird auf einzigartige und wunderbare Weise offenbar,  wie tief jedes einzelne Menschenleben in Gott gründet ist. Der Embryo ist Gott geheiligt, er ist Sein Eigentum. Die ist der Grund warum die orthodoxe, aber auch die katholische Kirche unverrückbar daran fest hält, dass bereits der Embryo eine von Gott geschenkte Würde besitzt, die unantastbar und auch für das weltlichem Recht nicht verfügbar ist.
Das fünfte Gebot (Exodus 20: 13 und Deuteronomium 5: 17) – das "Tötungsverbot" - finden wir im Alten Testament zweimal. Wörtlich übersetzt würde das Gebot lauten: "Du sollst nicht morden!" Da aber das hier verwendete hebräische Verb "rasah" ist nicht ganz einfach ins Deutsche zu übersetzen ist, müssen wir zum Vergleich weitere Textstellen befragen. Unter Hinzuziehung weiterer Stellen im Alten Testament (z.B. Deuteronomium 19:11; 22:26) geht dann aber klar hervor, dass es hier um Mord, als der Tötung eines wehrlosen Opfers geht.
Und gänzlich wehrlos und schutzbedürftig ist der Embryo im Mutterleib und  heimtückisch, da von den sündhaften Leidenschaften des Egoismus (der entlarfende Slogan der Abtreibungsbefürworter lautet sogar: ("Mein Körper gehört mir!") getragen, ist das als, im Sinne der Gottesgebote  als mörderisch zu verurteilende, Handeln der an einer Abtreibung Beteiligten, auch wenn der, momentan herrschende und die Deutungshohheit beanspruchende, Zeitgeist uns etwas anderes vorgauckeln möchte.
Von daher weiß sich die orthodoxe Kirche, zusammen mit der katholischen Kirche und auch vielen unserer evangelischen Mitchristen, dem Widerstand gegen die Abtreibung und die sogenannte Sterbehilfe (Euthanasie) verpflichtet. Ethische Sondersituationen jedoch, wie zum Beispiel die Frage nach der kirchlichen Haltung, wenn die Gesundheit oder das Leben der werdenden Mutter bedroht sind, gehören in der orthodoxen Kirche in den Verantwortungsbereich der Seelsorge.