Orthodoxe Perspektive-Ein Magazin zur Förderung des Glaubenswissens orthodoxer Christen

Die Adventszeit - Die vorweihnachtliche Fastenzeit

 

Wir wissen nicht, zu welchem genauen Datum die Feier des Advents in die Kirche eingeführt wurde. Die Quellen belegen, dass schon gegen Ende des 4. Jahrhunderts die Geburt Christi gefeiert wurde, von den einen am 25. Dezember, von anderen am 6. Januar. Das Konzil von Saragossa in Spanien entschied (380), dass vom 17. Dezember bis zur Epiphanie keiner den Gottesdiensten fernbleiben soll. In Gallien wurde im 5. Jahrhundert eine Art Fastenzeit vom 11. November bis Weihnachten eingehalten. Der Advent wurde in Rom unter dem heiligen Gregorios Dialogos (Gregor der Große) gegen Ende des 6. Jahrhunderts gefeiert. Er scheint erst viel später in die Kirchen des byzantinischen Ritus Eintritt gefunden zu haben. Im 9. Jahrhundert fasteten die Griechen vom 15. November bis Weihnachten, aber nichts im liturgischen Leben dieser vierzig Tage schließt in sich irgendeine Vorbereitung auf das Fest der Geburt. Der gegenwärtige byzantinische Brauch scheint sich im 17. Jahrhundert unter uns unbekannten Umständen heraus-gebildet zu haben. Die römische Kirche beginnt heute den Advent am Sonntag, der dem Fest des heiligen Apostels Andreas (30. November) am nächsten ist. Der römische Advent enthält vier Sonntag.

 

 

Am 15. November beginnt für die byzantinischen Kirchen die „Weihnachtsfastenzeit“. Sie wird auch „Philippus-Fasten“ genannt, weil ihr das Fest dieses Apostels unmittelbar vorangeht (14. November). Diese Zeit des Wartens und der Vorbereitung entspricht dem lateinischen Advent.

 

Es spricht also nichts dagegen, die Weihnachtsfastenzeit „Adventszeit“ zu nennen. Sie dauert wie die „Große Fastenzeit“, die Ostern vorangeht, vierzig Tage; aber sie enthält nicht die gleichen liturgischen Einschränkungen und die gleiche Strenge im Fasten wie die österliche Fastenzeit.

 

 

Der Hauptgedanke des Advents ist das „Kommen“ des Herrn Jesus. Man könnte sich fragen, ob dieser Begriff „Kommen“ nicht ein reines Symbol ist, denn schließlich kommt Christus zu allen Zeiten zu uns, und Er bleibt sogar in uns.

 

Doch nehmen dies ewige Nahekommen und diese ewige Gegenwart Christi in der Adventszeit eine besondere Gestalt an; sie erhalten in gewisser Weise einen „intensiven“ Charakter. Uns wird eine besondere Gnade des „Kommens“ des Herrn gegeben. Der Herr Jesus war uns bereits gegenwärtig; aber die Gnade des Advents erlaubt es uns, ein lebhafteres und ganz neues Bewusstsein dieser Gegenwart zu gewinnen. Jesus war um uns und in uns. Indessen gibt er sich in dieser Zeit als „der da kommt“ zu erkennen, d.h. er gibt sich zu erkennen als der, der mit uns sein will, uns stärker in seine Vertrautheit einbezieht.


Das christliche Gebet während der Adventszeit könnte man in einem einzigen Wort zusammenfassen: „Komm!“ Mit „Komm, Herr Jesus!“ endet das Buch der Offenbarung des Johannes (Offb. 22: 20). Wenn wir diesen Hilfeschrei mit Ernsthaftigkeit und Inbrunst ausstoßen, wird er eine wahrhafte Askese. Tatsächlich nehmen die Hoffnung und das Warten auf den Herrn nun einen wachsenden Raum in unserer Seele ein.

 

Jeden Tag des Advents erfüllt uns dieses „Komm!“ mehr, wird es mit einer stärkeren
Betonung ausgesprochen, und es drängt die Gedanken, die Bilder, die Leidenschaf-
ten, die mit dem Kommen Christi unvereinbar sind, in weite Ferne. Dies „Komm!“
reinigt uns und entflammt uns. Es sollte unserem Gebet im Verlauf des Advents eine
besondere Nuance geben. Mögen wir jeden Tag des Advents diesen Ruf auf immer
weniger unvollkommene Weise hervorbringen!

 

 

Wie schon gesagt, bezeichnet der Begriff „Kommen“ hier die Intensivierung, das Objektiv-werden einer ewigen Annäherung und einer ewigen Gegenwart. Unser
Adventsgebet „Komm!“ könnte man also auch so wiedergeben: „Möge ich dich in
mir spüren! Möge die ganze Welt deine Gegenwart spüren!“


Der da kommt oder vielmehr der, dessen Gegenwart wir uns bewusster zu werden wünschen, kann uns im Advent in verschiedener Gestalt erscheinen. Der Westen scheint bevorzugt den König, den Messias, Herrscher und Befreier zugleich, zu erwarten. Hierin liegt ein sehr fruchtbarer Gedanke, der die messianische Erwartung der Synagoge fortsetzt. In diesem Fall, um uns darauf vorzubereiten, Jesus als König und Messias zu empfangen, müssen wir uns im Advent vor allem in einen inneren Zustand des Gehorsams versetzen: ich will keinen eigenen Willen mehr haben, sondern unter dem Gebot stehen; möge der kommen, der stärker ist als ich und den ich als meinen Meister anerkenne! Der Osten hat im Advent vielmehr das Warten auf das Licht gesehen, das aufgeht. Die Geburt Jesu fällt zusammen mit dem Sieg des Lichtes über die Finsternis in der physischen Welt: von Weihnachten an werden die Tage länger. Ebenso wird unsere innere Finsternis durch das Kommen dessen zerstreut, der das Licht der Welt ist. Der byzantinische Advent zielt vor allem auf die Epiphanie, das „Fest der Lichter“, während der lateinische Advent vor allem auf Weihnachten zielt, das Fest der Ankunft des Herrn in unserem Fleisch. Um den Sieg des Lichtes vorzubereiten, müssen wir uns im Advent mehr und mehr diesem Licht öffnen: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“ (Job 1,9). Wir müssen uns selbst unter diesem inneren Licht prüfen. Wir müssen das „Licht, das tief in uns ist,“ unsere täglichen Taten leiten lassen. Wir müssen in einem Geist der Folgsamkeit, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit leben.

 

 

Der Advent hat eine wichtige eschatologische Bedeutung. Er erinnert uns an die zweite Ankunft am Ende der Zeit und den vorübergehenden Charakter der Dinge dieser Welt. Aber die Eschatologie befruchtet nur, wenn wir sie verinnerlichen und sie in unser persönliches Leben einschließen. Die Herrlichkeit der zweiten Ankunft muss zunächst erst angedeutet werden durch das Kommen Jesu in den einzelnen Menschen und den Tagesanbruch in unserer eigenen dunklen Nacht.

 

Aus: Ein Mönch der Ostkirche, Das Jahr der Gnade des Herrn.

Eine Einführung in das orthodoxe liturgische Jahr.

 

 

Der Heilige Spyridon von Trimythunt

der Wundertäter

 

Diakon Thomas Zmija

 

Der heilige Spyridon war ein Schafhirte auf Zypern, verheiratet und hatte eine Tochter mit Namen Irene. Er war bekannt für seine Nächstenliebe, Sanftmut, Großzügigkeit und Gastfreundschaft. So legte er sein Geld in ein Kästchen, das er allen verfügbar stets geöffnet ließ; er gab jedem, egal ob dieser bedürftig war oder nicht.

 

Als seine Frau starb, versuchte er noch stärker ein vertieftes geistliches Leben zu führen. So wurde er auf der Insel immer bekannter und schließlich von den Gläubigen zum Bischof von Trimythunt gewählt. Trotz seiner Bischofswürde trug Spyridon weiterhin seinen Hirtenrock und hütete neben der geistigen Herde auch weiterhin seine Schafsherde. Eines Nachts drangen Diebe in seinen Schafstall, um einige Schafe zu stehlen, doch als sie sich mit ihrer Beute davonmachen wollten, hielt sie eine unsichtbare Kraft wie festgenagelt an dem Ort fest. Als der heilige Spyridon sie am frühen Morgen entdeckte, gestanden sie beschämt ihre versuchte Missetat. Der heilige Spyridon befreite sie daraufhin von ihren unsichtbaren Fesseln und ermahnt sie, fortan auf ehrliche Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dann schenkte er ihnen zwei Schafe - als Entschädigung - wie der Heilige lächelnd sagte, für die Ängste in dieser durchwachten Nacht.

 

Durch Gottes Kraft wirkte der heilige Spyridon viele Wunder auf Zypern: So ließ er in einer Dürrezeit Regen fallen, hielt den Wasserstrom eines Flusses zurück, ließ mehrere Tote ins Leben zurückkehren, heilte den römischen Kaiser Konstantius von einer schweren Krankheit, sah und hörte die heiligen Engel Gottes als er die Göttliche Liturgie feierte, sah zukünftige Ereignisse voraus, enthüllte die Geheimnisse der Herzen der Menschen, bekehre viele Heiden und Arianer zum wahren Glauben und wirkte durch die Kraft Gottes, die in Seinen Heiligen mächtig ist, noch viele weitere Wunder.

 

Im Jahr 325 nahm der heilige Spyridon am 1. Ökumenischen Konzil in Nizäa teil und gehörte dort zu den Bekämpfern der arianischen Häresie. Er brachte durch seine einfachen und klaren Darlegungen des wahren Glaubens viele arianische Bischöfe zurück in die Kirche. Durch ein göttliches Wunder ließ er aus einem Ziegelstein Feuer, Wasser und Erde hervorkommen und machte so die Einheit in der Allheiligen Dreiheit und die Dreiheit in der Göttlichen Einheit für alle auf diesem Konzil versammelten anschaulich.

 

Nach der Rückkehr vom Konzil in die Heimat blieb der heilige Spyridon wegen seiner großen Demut weiterhin ein einfacher Schafshirte, obwohl er zugleich das Bischofsamt bekleidete. Deshalb ist er der einzige Heilige, der auf den Ikonen in einer antiken Hirtenmütze abgebildet wird. Aber auch für die ihm anvertrauten Menschen erwies er sich als guter Hirte und verständiger Lehrer und war schon zu Lebzeiten ein großer Wundertäter Gottes.

 

So hat der Heilige auch mit seiner verstorbenen Tochter Irene im Grab gesprochen, um zu erfahren, wo diese einen ihr vor ihrem Tod anvertrauten Wertgegenstand versteckt hat. Die Tochter wachte von den Toten auf und antwortete ihm. Daraufhin verabschiedete sich Spyridon von ihr bis zum Wiedersehen im himmlischen Königreich.

 

Ein anderes Mal hat der heilige Spyridon ein verstorbenes Kind von den Toten auferweckt. Als die Mutter das sah, war sie so erschüttert, dass sie selbst in den Schockzustand verfiel und dabei einen Herzstillstand erlitt. Der heilige Spyridon betete nochmal und auch die Frau wurde vom Herrn wieder lebendig gemacht.

 

Auch nach dem Heimgang zum Herrn hörte der heilige Bischof nicht auf, Wunder zu Wirken. Die Bewohner der Stadt Kerkyra auf der Insel Korfu, wohin die Reliquien des Heiligen nach dem Fall Konstantinopels im Jahre 1453 gebracht worden waren, berichteten im Laufe der kommenden Jahrhunderte über viele weitere Wundertaten: So wurden die Korfioten durch die Fürsprache des Heiligen mehrfach aus Dürreperioden gerettet und von der Pest bewahrt. Während des zweiten Weltkriegs hatte die Insel keine Luftabwehr, sodass die italienischen Bomber tief fliegen konnten. Doch die Bewohner berichten, dass viele Bomben auf unerklärliche Weise abgelenkt wurden und ins Meer fielen.

 

Auch heute gibt es mannigfaltige Zeugen, die über die Wunder des Heiligen Spyridon berichten: Kranke werden geheilt, Stumme werden sprechend, unfruchtbare Paare bekommen Kinder, Menschen in Notlagen erhalten beistand. Der heilige Spyridon ist ein deutlicher Beweis, dass Gott sich Wunderbar in Seinen Heiligen erwiesen hat und weiterhin erweist (vgl.: „Wunderbar ist Gott in Seinen Heiligen, der Gott Israels“ (Psalm 37).

 

Der heilige Spyridon von Trimythunt ist bis heute der große und an Wundern Gottes starke Schutzpatron von Stadt und Insel Korfu. Sein Gedenktag ist der 12. Dezember. Viermal im Jahr wird der Reliquienschrein des Heiligen Spyridon in einer großen Prozession durch die Straßen Korfus getragen. Am Palmsonntag, um daran zu erinnern, dass der Heilige die Korfioten vor der Pest im Jahr 1629 bewahrte. Seit 1550 am Karsamstag, als der Heilige die Korfioten vor der Hungersnot bewahrte. Am 11. August, um daran zu erinnern, dass der Heilige die monatelange Belagerung der Türken im Jahr 1716 abwendete und am ersten Sonntag im November, um daran zu erinnern, dass der Heilige die Korfioten auch vor der Pest im Jahr 1673 bewahrte.

 

Tropar im 1. Ton: Als  Streiter des ersten Konzils und als Wundertäter hast du dich, Gotttragender Vater Spyridon, erwiesen: Deshalb hast du mit einer Toten im Grabe gesprochen und eine Schlange in Gold verwandelt. Und als du deine heiligen Gebete sangest, hattest du Engel, die zusammen mit dir dienten, Hochgeweihter. Ehre Dem, Der dich verherrlicht hat; Ehre Dem, Der dich krönte; Ehre Dem, Der durch dich allen Heiligungen wirkt.

 

 

Unser Vater unter den Heiligen Nikolaus der Wundertäter, Erzbischof von Myra in Lykien

 

06. Dezember

 

Der heilige Nikolaus wurde in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts in Patara in Lykien geboren. Als Jugendlicher wollte er in ein Kloster in Palästina eintreten. Dann kehrte er jedoch in seine Heimat zurück und wurde um 300 zum Bischof von Myra (heut. Kocademre bei Kale) geweiht. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (285-300) wurde er ins Gefängnis geworfen.

 

Im Jahre 325 nahm er am Ersten Ökumenischen Konzil  in Nizäa teil. Seine Lebensgeschichte erzählt von seiner großen Barmherzigkeit. Einst half er einer verarmten Familie durch gezielte Geldgeschenke, die er heimlich durchs Fenster warf; das ersparte es dem Vater, seine drei Töchter ins Lusthaus zu verkaufen. Ein anderes Mal rettete er drei zu Unrecht zum Tod Verurteilte, indem er das Schwert des Henkers ergriff. Danach erschien der Hl. Nikolaus dem Kaiser im Traum und bat um ihre Befreiung. Um ein in Seenot geratenes Schiff mit Seeleuten, die von Ephesus nach Lykien fuhren, zu retten, erschien er an Bord, beendete den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. Es verbreitete sich auch die Geschichte von den Getreidehändlern, die der Hl. Nikolaus im Traum bat, bei der Hungersnot in Myra zu helfen. Dem Schiffsherrn gab er ebenfalls im Traum drei Goldmünzen als Kaution, welche dieser auch noch nach dem Erwachen in seiner Hand hielt. Damit konnte der Hl. Nikolaus durch seine Tat seine Stadt ernähren. Der heilige Nikolaus entschlief am 06. Dezember 342 in Myra im Herrn.

 

Tropar im  4. Ton: Als Richtschnur des Glaubens und Vorbild der Sanftmut, Lehrer der Enthaltsamkeit bist Du Deiner Herde wahrhaft gewesen. Deshalb wurde Deiner Demut Erhöhung zuteil und Deiner Armut Reichtum. Heiliger Vater und Bischof Nikolaus, bitte Christus, unseren Gott, zu erretten unsere Seelen.
Kondak im 3. Ton: Heiliger von Myra, als Priester hast Du Dich erwiesen, nachdem Du, Ehrwürdiger, das Evangelium Christi erfüllt hast, gäbest Du Deine Seele für Dein Volk und hast errettet Unschuldige vom Tode. So bist Du heilig geworden, großer Mystagoge der Gottesgnade.

 

 

Weihnachten feiern in Ost und West

 

Diakon Thomas Zmija

 

Während für viele evangelische und katholische Christen die weihnachtliche Festzeit bereits mit dem Advent beginnt und meist schon mit den ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag endet, feiern orthodoxe Christen das Weihachsfest zwischen dem 25. Dezember (Hochfest der Geburt Christi) und dem 07. Januar (Taufe Christi). Diese Zeit wird in der russischen Tradition die „heiligen Tage“ genannt. Der heilige Abend (24. Dezember) und der Vorabend von Theophanie (06. Dezember) sind in der orthodoxen Tradition strenge Fasttage

 

Landläufig ist man oft der Meinung, dass in Russland und der Ukraine das orthodoxe Weihnachtsfest am 07. Januar gefeiert würde. Dabei stammt die Differenz von 13 Tagen zwischen dem westlichen und östlichen Weihnachtstermin aus dem einfachen wie erklärungsbedürftigen Grund, da es unterschiedliche Kalendertraditionen gibt. Die katholischen und evangelischen Christen folgen dem „gregorianischen Kalender“, während die Mehrheit der orthodoxen Christen dem älteren, julianischen Kalender folgen. Nach dem bürgerlichen (gregorianischen) Kalender fällt deshalb der 25. Dezember des kirchlichen (julianischen) Kalenders eben auf den 7. Januar.

 

Die Russische Orthodoxe Kirche behielt auch nach der Oktoberrevolution den julianischen Kalender bei, während die sowjetischen Machthaber den Übergang zum im Westeuropa gültigen gregorianischen Kalender vollzogen. Dieser „alte Kalender“ für den kirchlichen Jahreslauf wurde dann zu einem stillen Zeichen der geistlichen Opposition zur kommunistisch-atheistischen Staatsmacht. Die Kommunisten verfolgten über 70 Jahre lang das Ziel den Glauben und die Kirche zu zerstören. Heute leben die Russische, Serbische, Georgische Orthodoxe Kirche sowie das Patriarchat von Jerusalem nach dem julianischen Kalender, die griechisch geprägten Orthodoxen Kirchen (Konstantinopel, Alexandrien, Jerusalem, Zypern und Griechenland) sowie die Rumänische Orthodoxe Kirche, aber auch viele Gemeinden in der orthodoxen Diaspora, nutzen heute den bürgerlichen Kalender auch im kirchlichen Jahreslauf. Die Kalenderfrage wird oftmals von kirchlichen Zeloten und Fundamentalisten gern zur „Streitfrage des Glaubens“ und zum „Lackmustest der wahren Orthodoxie“ hochgespielt. Aber ob wir dem „alten Kalender“ oder dem „neuen Kalender“ folgen, ist eine Frage der lokalkirchlichen Disziplin, in die wir durch unsere Zugehörigkeit zu einer bestimmten orthodoxen Landeskirche eingebunden sind. Dies ist gewiss kein Grund zu Zwist oder Streit unter den Gläubigen!

 

Der 24. Dezember (alten Stils) / 06. Januar (neuen Stils) ist der letzte Tag der Weihnachtsfastenzeit. Am Heiligen Abend (russisch: Sotschelnik) wird bis zum Aufgang des ersten Sterns am Abendhimmel streng gefastet. Hintergrund dafür ist ein eucharistisches Fasten, denn die Christvesper ist in der orthodoxen Tradition mit der ersten Weihnachtsliturgie verbunden. Diese wird nach der langen und feierlichen Ordnung der Basilius-Liturgie gefeiert. Am Vormittag werden in den Kirchen die Großen (Königlichen) Stunden gebetet. Am Nachmittag wird dann die Christvesper mit der ersten Festliturgie gefeiert. Um kommunizieren zu dürfen essen und trinken die Gläubigen seit Mitternacht nichts mehr. Dies ist der kirchliche Hintergrund für den volkstümlichen Brauch bis zum Erscheinen des ersten Sterns streng zu fasten.

 

 

Vor allem in der Ukraine versammeln sich am Heiligen Abend (Sviatij Vechir) die Familien zu einem feierlichen, traditionell 12 Speisen (12 wegen der zwölf Apostel) umfassenden Festessen, das sich aber den kirchlichen Fastenregeln entsprechend noch vollkommen vegan oder zumindest fleischlos gestaltet sein sollte.

 

Unverzichtbar für die russisch-orthodoxe weihnachtliche Festtafel ist auf jeden Fall Kutja, eine mit Honig gesüßte, sowie mit Mohn und/oder Trockenfrüchten versetzte Weizenspeise. Sie eröffnet das festliche Essen am Heiligen Abend.

 

 

 

In einigen Gegenden der Ukraine kennt man ebenfalls noch ein Weihnachtsbrot, den Kolach, ein süßes, mit einem hellen Stern verziertes Hefebrot. In anderen ukrainischen Gebieten tritt an die Stelle des einen Kolach drei ringförmige, geflochtene Kolachi, in deren Mitte dann eine Kerze gestellt wird. Auch eine Weizengarbe der Diduch darf am Weihnachtsabend auf der Tafel in der Ukraine oftmals nicht fehlen.

 

Der Weihnachtstisch ist mit zwei leinenen Tischtüchern bedeckt. Das unter Tischtuch der weihnachtlichen Festtafel symbolisiert die Grablinnen der im Herrn entschlafenen Vorfahren, das obere Tischtuch steht für die weißen Taufgewänder der noch auf Erden lebenden Angehörigen. Unter den Tischtüchern ist Stroh auf die Tischplatte gestreut. So symbolisiert der Tisch zugleich auch die hölzerne Krippe zu Bethlehem und das Stroh steht symbolisch für das Heu in der Krippe. Ebenfalls werden Münzen auf die Tischplatte gelegt, als frommer Wunsch um Gesundheit und Wohlergehen im kommenden Jahr.

 

Am Weihnachtsabend versammeln sie sich alle an der familiären Festtafel. Anderes als heute im westlichen Kulturkreis gehören Weihnachtsgeschenke nicht traditionell zum orthodoxen Heiligen Abend. Heute werden in Russland aber Geschenke zum Neuen Jahr überreicht, während traditionell die Bescherung der Kinder am Fest der heiligen Nikolaus (06. Dezember) oder am Fest des heiligen Vasilij (Basilius der Große am 01. Januar) stattfand, denn die Vita beider großer Heiliger ist mit großer Freigiebigkeit und Mildtätigkeit verbunden.

 

Aber inzwischen ist nach westlichem Vorbild das Beschenken der Kinder auch am Heiligen Abend durchaus üblich geworden, so dass russischen Kinder oft sowohl am Heiligen Abend als auch an Silvester Geschenke erhalten.

 

Im Anschluss an das traditionelle Weihnachtsessen gehen fromme orthodoxen Familien in Russland zum wichtigsten der weihnachtlichen Gottesdienste. Die feierliche Nachtwache (Christmette) wird in der Nacht vom 24. Dezember /06. Januar auf den 25. Dezember/ 07. Januar gefeiert. Dieser Nachtwache folgt ab Mitternacht dann die zweite Festliturgie, die der Ordnung der Chrysostomus-Liturgie gefeiert wird. Während die Christvesper und die erste Weihnachtsliturgie noch in den roten liturgischen Gewändern der Fastenzeit gefeiert wurden, werden die Nachtwache und die zweite Weihnachtliturgie bereits im festlichen Weiß gefeiert. Weiß ist dann auch die bleibende liturgische Farbe für den dritten Weihnachtsfeiertag und die übrigen Tage bis zum Festabschluss des Weihnachtsfestes. Auch das Fest der Taufe Christi (Theophanie) wird in weißen Gewändern gefeiert.

 

Mit dem Heiligen Abend (russisch: Sotschelnik, ukrainisch: Sviatij Vechir), beginnen traditionell die „Swjatki“, die „Heiligen Tage“, die mit dem Fest der Theophanie, der Taufe des Herrn mit der Großen Wasserweihe enden. Nach dem in der Russischen Orthodoxen Kirche geltenden alten Kalender wir das Hochfest der Theophanie am 19. (06.) Januar gefeiert. Bevor der atheistische Kommunismus den auch im alten Russland durch vielfältige Bräuche ausgeprägten Jahreslauf, die mit dem kirchlichen Leben in enger Verbindung standen, ausgelöscht hat, waren die Swjatki die längste und beliebteste Fest des ganzen Jahres, eine fröhliche unbeschwerte Zeit für Jung und Alt. Die traditionellen Swjatki-Bräuche, die in vielem an die westeuropäischen Karnevalsbräuche erinnerten, sind heute nach 70 Jahren Atheismus weitgehend verschwunden.

 

Ab dem Heiligen Abend, in einigen Gegenden aber erst ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag, zogen Sternsinger mit einer sternförmigen großen Papierlaterne oder mit einem hölzernen Stern singend von Haus zu Haus und erhielten dafür Geschenke (Süßes Gebäck, Piroggen, Dörrobst oder auch Geld). Die Sänger, meist kleine Gruppen junger Leute, trugen die „Koljadki“, die russischen Weihnachtslieder vor, machten dabei Späße und Schabernack und wünschten den Menschen Segen und Wohlergehen anlässlich der Festtage und sammelten dabei manchmal auch Geld und andere Gaben für einen guten Zweck. Denn nicht umsonst sagt der alpenländische Volksmund, dass das kirchliche Leben durch die jahrhundertealten Volksbräuche in jedem Haus erwacht.

 

 

Auch das volkskirchliche Leben der abendländischen Christen ist durch viele, religiös begründete Bräuche geprägt. Zu ihnen zählen Tannen- und Lichterschmuck, Adventskränze und -kalender, Krippenspiele, Weihnachtslieder und -geschichten, Basteleien, Weihnachtsmärkte und die Weihnachtsbäckerei.

 

Weil die Liebe Jesu Christi zu den Menschen für die gläubigen Christen alle Dunkelheit überstrahlt, spiel das Licht schon in der Adventszeit eine besondere Rolle. Je näher Weihnachten rückt, desto heller strahlen Kerzen und Lichter und legen der Zauber der Weihnachtszeit selbst in die Herzen nicht kirchlich orientierter Menschen.

 

In keiner Kirche, keiner Behörde und fast keinem christlichen Haushalt fehlt ein Adventskranz aus Tannenzweigen. An jedem Adventssonntag leuchtet darauf eine weitere Kerze auf. Nach der evangelischen Tradition sind die Kerzen des Adventskranzes in hell leuchtendem Rot gehalten. In der katholischen Tradition sind es drei violette Kerzen und eine rosafarbene Kerze. Violett, die Farbe der Buße, ist in der katholischen Kirche die liturgische Farbe des Advents, denn die Vorbereitungszeit auf Weihnachten soll von einer Gesinnung der Umkehr und Buße bestimmt sein. Mit dem Bibelvers "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! " - lateinisch "Gaudete in Domino semper" - wird der katholische Gottesdienst am dritten Adventssonntag eröffnet. Es herrscht Freude darüber, dass der Herr mit der Erlösungsgnade nahe ist und das Hochfest der Geburt Christi bevorsteht. Am Sonntag "Gaudete" wird die rosafarbene Kerze angezündet. Damit wird die Freude zum Ausdruck gebracht, denn Rosa ist das aufgehellte Violett.  Auch die Messgewänder im Gottesdienst sind dann rosafarben.

 

Erst im 16. Jahrhundert auf dem Konzil von Trient (1545 – 1563) wurde in der katholischen Kirche die Adventszeit auf vier Wochen festgelegt. Der erste Advent ist üblicherweise am Sonntag zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Die Adventszeit endet am Heiligen Abend. Aber in einigen Gegenden in Italien dauert die Adventszeit, genau wie die orthodoxe Fastenzeit, noch heute sechs Wochen. Ursprünglich begann die Adventszeit nach dem Fest des hl. Martin von Tours am 12. November.

 

In der Adventszeit üben in Kirchengemeinden und Schulen die Kindern und Jugendlichen Krippenspiele ein. Sie erzählen dabei die Geschichte der Geburt des Erlösers im Stall von Bethlehem. Kirchen und Musikschulen verschicken Einladungen zu Weihnachtskonzerten. Manche sammeln Geld für Menschen in Not. Sie wollen die Liebe, die sie von Gott empfangen, an andere weitergeben.

 

In fast jeder christlichen Familie hängt ein Adventskalender und vertreibt Kindern die Wartezeit. Sie dürfen an jedem Tag ein neues Türchen öffnen. Dahinter finden sie ein kleines Bild oder Schokolade.

 

Viele Christen basteln in der Adventszeit auch Weihnachtsschmuck und Geschenke für Freunde und Verwandte, backen Plätzchen oder lesen, singen und spielen Weihnachtsgeschichten und -lieder. Sie erklingen sogar draußen vor der Tür, denn in fast jedem größeren Ort stimmen Weihnachtsmärkte mit Musik und Duft von Zimt und gebrannten Mandeln auf das Weihnachtsfest ein.

 

Das reiche Brauchtum macht die Advents- und Weihnachtszeit - gerade in Deutschland - zum Fest der Feste. So ist „Weihnachten“ hierzulande bei unseren evangelischen und katholischen Mitchristen eindeutig das beliebteste Kirchenfest, das alljährlich bei vielen gläubigen Christen, aber auch bei vielen kirchenfernen und sogar nicht-christlichen Mitmenschen eine sentimentale Gemütsverfassung hervorruft. Durch das mit menschlichen Sehnsüchten und Erwartungen arbeitende Weihnachtsgeschäft entsteht eine fast romantische Weihnachtsstimmung. Gerade die Adventszeit ist davon geprägt.

 

Das Wort „Weihnachten“ stammt von der mittelhochdeutschen Wendung „ze wihen naht“, was etwas mit „geweihte, heilige Nacht“ übersetzt werden kann.

 

 

Wird die weihnachtliche Festzeit im Westen vor allen durch die Adventszeit geprägt, so sind es in Russland und der Ukraine die Festtage zwischen dem Fest der Geburt Christi und dem Fest der Taufe des Herrn. Die Atmosphäre dieser russischen Feiertage zwischen den Jahren lässt sich besonders schön beim exilrussischen Schriftsteller Iwan Schmeljow nachlesen. Schmeljow wurde als viertes von fünf Kindern in einer den russischen Traditionen eng verbundenen Moskauer Kaufmannsfamilie geboren. In seinem Buch „Wanja im heiligen Moskau“ in dem er die kirchlich geprägte Lebensordnung im alten Russland so treffend beschrieben hat, erzählt er auch von den vom vergangenen Zauber der Swjatki: „Drei Tage vor Weihnachten ragte auf den Märkten und Plätzen – ein Wald von Tannen. (…) Das Volk bummelt und sucht sich seine Christbäumchen aus. (…) Allenthalben lodern Holzfeuer, an denen sich die Leute aufwärmen. Der Qualm steigt säulenförmig gen Himmel. In Samowaren brodelt der Sbitjen. Das ist ein heißes Getränk, besser noch als Tee. Mit Honig und Ingwer – duftet wunderbar und schmeckt süß. (…)“. Neben Sbitjen wurden ebenfalls heiße Fruchtsäfte aus Dörrobst gereicht. Der Sbitjen-Trunk, der urkundlich übrigens bereits im frühen 12. Jahrhundert erwähnt wird, war das beliebteste russische Heißgetränk vor der Einführung des Tees aus China.

 

Nicht Glühwein, sondern Sbitjen und der Absud aus Dörrobst prägten die russischen Weihnachtsmärkte, auf denen ebenfalls der Christbaumschmuck erstanden werden konnte. Der Weihnachtsbaum kam erst im 19. Jahrhundert aus Westeuropa nach Russland. „Jolka“ ist das russische Wort für Tannenbaum, der in Russland überaus prächtig mit goldenen Schleifen, schillernden Kugeln und vielen Leckereien für die Jüngsten geschmückt wird. Mit dem Schmuck des Baumes wurden aber auch in Russland viele christliche und symbolische Inhalte verbunden: Die Kerzen verkörpern das das Dunkel durchdringende Licht des neugeborenen Christus, die goldenen Kugeln und Schleifen stehen für Wohlergehen, das man sich und anderen wünscht, das Zuckerwerk und Lebkuchen symbolisieren Zufriedenheit, Liebe und Eintracht in der Familie.

 

Die „Krippe“ ist in Russland unbekannt geblieben. Seine Ursprung hat der Brauch, die Weihnachtsgeschichte mit Hilfe von Figuren darzustellen, im Leben eines der beliebtesten katholischen Heiligen, dem Franziskus aus Assisi. Im Jahre 1223 hat er am Weihnachtsabend mitten im Wald eine Krippe mit Menschen und Tieren als Darstellern aufgebaut und den dort anwesenden Gläubigen dann das Weihnachtsevangelium vorgetragen. Von Italien aus breitete sich die Tradition der Weihnachtskrippe dann im 16. Jahrhundert in die katholischen Gegenden Deutschlands aus. Zunächst war die Krippe ein Die Weihnachtskrippe ein katholisches Element. Die Bedeutung, die der Weihnachtsbaum bei den evangelischen Christen hatte, nahm bei den Katholiken die Krippe ein. Später übernahmen auch die Katholiken Adventskranz und Weihnachtsbaum, während auch im evangelischen Kontext Krippen aufgestellt wurden.

 

 

In vielen orthodoxen Familien unter dem Weihnachtsbaum oft ein kleiner Hocker oder Tisch mit der Christi-Geburts-Ikone, vor der Kerzen oder auch bunte Votivlichter brennen. Auch Engelfigürchen und Sterne mit kleinen Ikonen am Weihnachtsbaum verweisen auf den christlichen Charakter des Festes hin.

 

In Russland ist Weihnachten bis heute eher ein kirchliches Fest, geprägt von langen und feierlichen Gottesdiensten, als eine ausgeprägte Familienfeier wie gerade in der deutschen Tradition.

 

Unverzichtbarer des Weihnachtsfestes ist bis heute in den orthodoxen Familien die Kutja. Diese Speise aus gekochten und mit Honig gesüßten Weizenkörnern, die oft zusätzlich noch mit Dörrobst gemischt ist, stellt man auf Heu in den Herrgottswinkel („Krasnyj Ugol“) unter die Haus-Ikonen der gläubigen Familie. Sie gilt traditionell als eine symbolische Gabe für Christus. Ein Löffel von der Kutja eröffnet das russische Weihnachtsessen in den kirchlichen Familien. Die Bauern brachten vor der Revolution etwas von der Kutja auch den Tieren im Stall.

 

Eine Adventszeit wie im Westen kennt man in den orthodox geprägten Ländern nicht. Die vierzigtägige Zeit des Weihnachtsfastens am 15. November. Diese Fastenzeit verbindet Verzicht, Buße und Erneuerung mit einer Reihe von Festen, die schon einen ausgesprochen vorweihnachtlichen Charakter tragen, indem sie in ihren Hymnen die Geburt des Gottessohnes deuten und verkünden. Hier ist an erster Stelle das Fest der Einführung der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel (21. November) zu nennen, welches im Westen auch als „Gedenktag Unserer Lieben Frau (wie die Gottesmutter auch genannt wird) in Jerusalem“ bekannt ist. Es stellt in seinen Hymnen und gesängen den Tempel des Alten Bundes dem neuen Tempel des Fleisch gewordenen Wortes Gottes gegenüber; denn alles Wohnen Gottes in Israel zielt auf seine Ankunft im Fleisch:

 

„Heute ist die Vorfeier des Wohlgefallens Gottes, kündet sich an die Erlösung der Menschen. Untrüglich erscheint im Tempel Gottes die Jungfrau und kündigt allen Christus an. Ihr laßt auch uns mit lauter Stimme rufen: Sei gegrüßt, Du Erfüllung der Heilsordnung des Schöpfers.“

 

Tropar des Festes

 

Durch das Fest der Empfängnis der allheiligen Gottesgebärerin (09. Dezember) wird die Kontinuität im Heilsplan Gottes deutlich. Schrittweise befreit der Herr durch die Gerechten des Alten Bundes, die mit seiner Gnade zusammenwirken, Sein Volk vom Fluch der Sünden und der geistlichen Unfruchtbarkeit, bis in der Empfängnis der heiligen Gottesgebärerin Sein Heilswerk einen ersten Höhepunkt erreicht.

 

Auch die Feste anderer Heiliger bilden gleichsam eine mystische Leiter des Aufstiegs zum Weihnachtsfest. So werden die Hymnen der Feste dieser Heiligen – z.B. die Feste des heiligen Andreas (30. November), der heiligen Barbara (04. Dezember) und des heiligen Nikolaus (o6. Dezember), die auch in der katholischen Kirche begangen werden – zu Quellen vorweihnachtlicher Freude, da sie die Propheten, Joseph, die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland, aber auch Bethlehem, die Höhle, die Krippe und den Stern auffordern, sich auf das unbegreifliche Geheimnis der Menschwerdung Gottes einzustellen, um so auch die Gläubigen in diese Haltung einzustimmen:

 

„Bereite dich, Höhle; denn das Mutterlamm kommt Christus tragend in ihrem Schoß. Krippe, nimm den auf, der durch das Wort uns Erdgeborene von widersinnigem Wandel befreit. Ihr Hirten des Feldes, bezeugt das furchterregende Wunder! Ihr Weisen aus Persien, bringt dar dem König Gold, Weihrauch und Myrrhe. Denn erschienen ist der Herr aus der Jungfrau-Mutter.“

 

Theotokion der Vesper am 06. und 24. Dezember und am Sonntag vor Weihnachten

 

Außerdem gehen dem Hochfest der Geburt Christi zwei besondere Sonntage voraus. Der erste, der „Herrentag der Gottesahnen“, würdigt vor allem das geistige und moralische Zeugnis der Väter und Vorväter Christi. Zu ihnen zählen z.B. Adam, Abraham, Mose und Aaron, David und die Propheten, die bereits in der Zeit des Alten Bundes durch ihren Glauben die Hoffnung auf die Erlösung wachhielten und die endgültige Erlösung durch Christus ankündigten. Der „Herrentag der Genealogie“, der Sonntag vor Weihnachten, ruft uns nochmals die großen heiligen Gestalten des Alten Bundes, dieses Mal unter dem Gesichtspunkt der Blutsverwandtschaft zu Jesus, vor Augen. Dadurch werden die Glieder jener Ahnenkette, die von Abraham - oder gar von Adam - bis Jesus reicht (Mt 1:1-17; Lk 3: 23-38), in das Heilgeschehen mit einbezogen, obwohl sie sich teilweise großer Verfehlungen schuldig gemacht haben. So wird deutlich, dass sich Gott in der Geburt Seines Sohnes aus der Jungfrau vorbehaltlos in diese Verwandtschaft eingegliedert und sich so mit Israel und der gesamten Menschheitsfamilie verbunden hat. Das göttliche Kind ist folglich nicht nur Frucht einer fortschreitenden, in Maria gipfelnden Heiligung, sondern auch Erbe einer Genealogie des Unheils. Gerade deshalb ist Gott aber in Jesus Christus Mensch geworden, um die Menschen auf den Weg des Lebens zurückzuführen.

 

Die letzten fünf Tage vor Weihnachten (20. bis 24. Dezember) bilden die eigentliche Vorfeier der Geburt des Herrn, deren Hymnen das Festgeheimnis in seiner ganzen theologischen Breite bereits entfalten. Dabei umkreisen sie nicht zuletzt die Erfüllung der alttestamentlichen Heilserwartung in der Menschwerdung des Gottessohnes, die kosmische Dimension dieses Ereignisses, die Wesensgleichheit des Neugeborenen mit dem Vater und mit uns, aber auch seine unerklärliche Entäußerung. Schließlich kommt in ihnen zur Sprache, dass Gott schon in der Höhle von Betlehem das Ziel seiner Menschwerdung offenbart. Er wird Mensch, um uns allen das Paradies wieder zu öffnen, ja mehr noch: um sich uns als Speise des ewigen Lebens zu schenken und um uns als gefallene Menschen wieder aufzurichten. In diesem Sinne lädt der Mensch gewordene Gottessohn die Gläubigen gerade in der Vorfeier seiner Geburt ein, sich mit ihm in der Göttlichen Eucharistie auf unbegreifliche Weise – durch eine Teilhabe an den geheiligten Gaben – zu vereinigen und so das geistige Paradies zu erlangen:

 

„Bereite Dich Betlehem, offen steht allen Eden. Rüste Dich Ephrata; denn der Jungfrau entsprosst in der Höhle des Lebens Baum. Ihr Schoß ward offenbar als geistiges Paradies. In ihm wurzelt der göttliche Spross. Wenn wir von Ihm essen, werden wir leben, wir werden aber nicht sterben wie Adam. Christus wird geboren, um das einst gefallene Bild Gottes wieder aufzurichten.“

 

Tropar der Vorfeier

 

An Weihnachten beginnt also ein Opfer, das im Tod am Kreuz seinen Höhepunkt erreicht. Darauf verweisen schon auf der Weihnachtsikone das Dunkel der Höhle, die Einsamkeit des Kindes, die oft altarförmige Gestalt der Krippe, die Gestalt des Kindes in der Form eines Brotes, die den Grablinnen ähnelnden Windeln.

 

 

Die Feier des Vortags der Geburt Christi folgt dem liturgischen Vorbild des Großen Freitag und Samstag (Karfreitag und Karsamstag). Sie umfasst die Königlichen Stunden, die mit der Feier der Göttlichen Liturgie verbundene Vesper und die, um eine Segnung von Brot, Öl, Wein und Weizen erweiterte Große Komplet, an die sich dann der Morgengottesdienst (Utrenja) des Weihnachtsfestes anschließt.

 

Als Höhepunkt der vierzigtägigen Vorbereitung auf das Weihnachtsfest leitet dieser Tag mit seinem strengen Fasten und seiner liturgisch dichten Vergegenwärtigung des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes dann unmittelbar zum Fest über, so dass die gottesdienstlichen Grenzen zwischen Vorbereitung und Fest uns wie aufgehoben erscheinen.

 

Gleich der Christvesper im Westen bildet die mit der Basiliusliturgie verbundene Vesper den Auftakt der orthodoxen Weihnachtsgottesdienste. In acht alttestamentliche Lesungen (Prophetien) kündigt sich die in der Menschwerdung Christi verwirklichte Neuschöpfung der Welt und Seine kommende messianischen Friedensherrschaft eines neuen Zeitalters an. Es folgen eine Lesung aus dem Hebräerbrief (Hebr 1:1- 12) und das Weihnachtsevangelium nach Lukas, in dem von der Herbergssuche, von der Geburt im Stall, von der Verkündigung der Engel an die Hirten und von der Auffindung des göttlichen Kindes durch Letztere die Rede ist (Lk 2,1- 20). Am Ende der Göttlichen Liturgie begibt sich der Priester feierlich in die Mitte der Kirche zu einer großen brennenden Kerze, die das neugeborene göttliche Kind symbolisiert, das der Priester hier zusammen mit der Gemeinde im Troparion von Christi Geburt besingt:

 

„Deine Geburt, Christus, unser Gott, ließ erstrahlen der Welt das Licht der Erkenntnis. Denn in ihr hat ein Stern die Verehrer der Sterne belehrt, Dich anzubeten als die Sonne der Gerechtigkeit, und Dich zu erkennen als den Aufgang aus der Höhe. Herr, Ehre sei Dir!“

 

Anschließend kommt im gemeinsam gesungenen Kontakion von Christi Geburt nicht zuletzt die im kleinen Kind offenbarte göttliche Entäußerung zum Ausdruck:

 

„Die Jungfrau gebiert heute Den, der über allem Sein ist, und die Erde bietet die Höhle dem Unzugänglichen. Die Engel lobpreisen mit den Hirten. Die Weisen wandern dem Sterne nach. Denn für uns ward geboren als kleines Kind der Gott vor den Zeiten.“

 

Der dritte große Gottesdienst am Vortag der Geburt Christi ist die Vigil des Weihnachtsfestes. Er wird am Abend oder in der Nacht zelebriert und besteht aus der Großen Komplet, der Segnung von Brot, Wein, Öl und Weizen und dem Morgengottesdienst (Utrenja) Besonders freudig stimmt dabei der heilige Hymnograph Kosmas von Majuma († nach 750) die feiernde Gemeinde im ersten Kanon des Festes in die Feier der Geburt Christi ein:

 

„Christus wird geboren, verherrlicht Ihn. Christus vom Himmel, zieht Ihm entgegen. Christus auf Erden, erhebet euch. Singet dem Herrn, alle Lande, in Jubel preist ihn, ihr Völker; denn Er ist verherrlicht!“

 

Am Weihnachtstag selbst feiern wir dann die Chrysostomusliturgie – oft nach dem Vorbild der Osternacht am frühen Morgen. Wie an Ostern, Pfingsten oder am Fest der Theophanie des Herrn wird dabei das Trisagion durch den Ruf „Die ihr auf Christus seid getauft, habt Christus angezogen! Alleluja.“ (Gal 3:27) ersetzt. Das erinnert uns daran, dass das Fest der Geburt des Herrn in der alten Kirche ein bevorzugter Tauftermin war.

 

Die Feier des Weihnachtsfestes dauert sechs Tage und umfasst insbesondere das Fest („Synaxis“) der Gottesgebärerin am 26. Dezember, das Fest des heiligen ersten Märtyrers Stephanus am 27. Dezember, den Herrentag (Sonntag) nach Weihnachten und den Festabschluss von Weihnachten am 31. Dezember.

 

Am 01. Januar feiern wir dann das Fest der Beschneidung des Herrn, das uns die Unwiderruflichkeit der Menschwerdung Gottes und den ewigen Bund Gottes mit der Menschheit vor Augen führt. Dieses Fest wird zwar vom Fest des heiligen Basilius des Großen fast überstrahlt, da sein Gedächtnis ebenfalls auf diesen Tag fällt und die Festtagshymnen dominiert. Dennoch ist es in erster Linie die Beschneidung Jesu am achten Tag, die den 1. Januar zu einem bedeutenden Fest des weihnachtlichen Zyklus macht. Seine Bedeutung besteht darin, dass der aus der Jungfrau geborene Sohn Gottes als wahrer Mensch in Seiner Beschneidung das jüdische Gesetz vollendet und so unser Herz und unseren Geist von der „Hülle unserer Leidenschaften“ (Troparion des Festes) befreit und für den Heiligen Geist öffnet. In ihm haben die Getauften „eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt“ (Kol 2:11): die Öffnung ihrer geistigen Sinne, mit denen sie Gottes Wort empfangen und Christus erkennen können.

 

 

Das Fest der Taufe unseres Herrn Jesus Christus besitzt im Bewusstsein der orthodoxen Christen eine ganz besonders wichtige Bedeutung. So heißt es bezeichnenderweise im Gebet des Heiligen Sophronios von Jerusalem († 638) zur Großen Wasserweihe dieses Festtages:

 

„Wir preisen Dich, Gottes Eingeborener Sohn, der Du vaterlos aus der Mutter und mutterlos aus dem Vater hervorgegangen bist. Am vorangegangenen Fest sahen wir Dich als Kind. Am gegenwärtigen Fest sehen wir Dich als vollkommenen Menschen, der uns erscheint als unser Gott, als vollkommener Gott vom vollkommenen Gott.“

 

Die Vorfeier von Theophanie umfasst den Herrentag vor Theophanie und die vier Tage vom 2. bis zum 5. Januar. Am Herrentag (Sonntag) vor Theophanie steht in der Göttlichen Liturgie die eindrucksvolle Prophetengestalt Johannes des Täufers im Zentrum des Tagesevangeliums. Er bereitet die Gläubigen gewissermassen auf die Taufe Christi vor, indem er auf jenen verweist, der stärker ist als er und der die Menschen nicht nur mit Wasser, sondern mit dem Heiligen Geist taufen wird (Mk 1:1-8).

 

Innerhalb der zwölftägigen Festperiode, die Weihnachten und Theophanie verbindet, ist der Vorabend von Theophanie (5. Januar) der einzige Fasttag. Seine Gottesdienste gleichen denen des Vortags der Geburt Christi und umfassen am Vormittag die vier, zu einem einzigen Gottesdienst vereinigten, Königlichen Stunden und die mit der Basiliusliturgie verbundene Vesper. Im Unterschied zum Vortag von Weihnachten wird im Anschluss daran dann die Große Wasserweihe gefeiert.

 

Am Abend oder in der Nacht versammelt sich die Gemeinde zur Vigil, die aus der Großen Komplet, der Segnung von Öl, Brot, Wein und Weizen Die beiden Kanones der Heiligen Kosmas von Majuma († nach 750) und Johannes von Damaskus († 744/54), die dann im Morgengottesdienst gelesen werden, feiern mit der Taufe Christi schon Sein gesamtes Heilswerk, das die Erleuchtung der ganzen Schöpfung, die Reinigung Adams und seiner Nachfahren von der Sünde, den Sieg über den Teufel sowie die Heiligung der Gläubigen und ihre Erkenntnis Gottes durch den Sohn im Heiligen Geist herbeiführt. Am Morgen des Festes wird die Göttliche Liturgie nach der Ordnung des heiligen Johannes Chrysostomos gefeiert. Angesichts des unzerstörbaren Bandes, das demnach zwischen Christus und den Getauften besteht, ist es üblich, am Festtag selbst nach der Göttlichen Liturgie die Große Wasserweihe ein zweites Mal zu vollziehen. Diesesmal wird die Große Wasserweihe wenn möglich an einem nahe gelegenen Gewässer vollzogen. So soll liturgisch zum Ausdruck kommen, dass durch die Taufe Christi im Jordan nicht nur die Getauften, sondern die ganze Schöpfung erlöst und erleuchtet wird. Schließlich besitzt auch das orthodoxe Theophaniefest eine Nachfeier, die durch die Synaxis des Täufers am 07. Januar, den Herrentag (Sonntag) nach Theophanie und den Festabschluss am 14. Januar besonders akzentuiert wird.

 

 

Die symbolische Bedeutung der Gaben der drei heiligen Weisen aus dem Morgenland

 

Die Gaben der heiligen Drei könige stehen navch der Schrift "Gesta Romanorum" für:

 

1.: Das Gold des hl. Melchior steht für die Weisheit eines Königs

2.: Der Weihrauch des hl. Balthasar steht für das Gebet

3.: Die Myrrhe des hl. Caspar symbolisiert die  Reinheit und das Selbstopfer Christi am Kreuz.

 

 

Speech by Archimandrite Job Upon His Nomination as Bishop of Stuttgart, Vicar of the German Diocese.

 

Слово Архимандрита Иова при Наречении во Епископа Штутгартского, Викария Германской Епархии.

 

On Thursday, December 9, 2021, the feast day of Holy Hierarch Innokenty of Irkutsk the Miracle-worker, the rite of nomination of Archimandrite Job (Bandmann) as Bishop of Stuttgart, Vicar of the German Diocese — our neighbouring ROCOR diocese in Europe — took place at the Synodal Cathedral of Our Lady “of the Sign” in New York. The rite of nomination was led by His Eminence Metropolitan Hilarion of Eastern America and New York, First Hierarch of the Russian Orthodox Church Outside of Russia, along with His Eminence Metropolitan Mark of Berlin and Germany, His Eminence Archbishop Kyrill of San Francisco and Western America, His Eminence Archbishop Gabriel of Montreal and Canada, His Grace Bishop Irenei of London and Western Europe and His Grace Bishop Nicholas of Manhattan. During the rite of nomination, Archimandrite Job addressed the archpastors with his nomination speech.

 

10. Dezember 2021 - Offener Brief von S.E. Erzbischof Tichon an Dr. Felix Schwenke, Oberbürgermeister von Offenbach, im Zusammenhang mit einer dortigen gotteslästerlichen Ausstellung

 

Sehr geehrter Herr Dr. Schwenke,

 

mit großer Empörung und Besorgnis haben wir von der Eröffnung einer Ausstellung in Offenbach mit dem provokanten Titel „Pornografische Serie“ erfahren. Die Ausstellung zeigt orthodoxe Ikonen, auf die in sakrilegischer Weise Darstellungen sexuellen und pornografischen Charakters aufgebracht worden sind. Die Ausstellung hat bereits negative Reaktionen hervorgerufen, nicht nur von Gläubigen orthodoxen Bekenntnisses vor Ort, sondern auch von Christen anderer Konfessionen – sowohl in Deutschland wie im Ausland.

 

Die Proteste der orthodoxen Gläubigen Offenbachs, deren Interessen Sie als Leiter der Stadtverwaltung auch zu vertreten haben, stießen von Ihrer Seite auf Unverständnis. Im Gegensatz zu deren Beunruhigung beriefen Sie sich auf die Freiheit der Kunst, die nach Ihren Worten auch Kritik an kirchlichen Einrichtungen und Religionen einschließe.

 

Die Russische Orthodoxe Kirche begrüßt die Freiheit des kreativen Ausdrucks des Einzelnen. Ohne sie wäre es der Welt unmöglich, sowohl weltliche als auch kirchliche Kunst zu entwickeln. Kreativitätsfreiheit bedeutet jedoch nicht Freizügigkeit und bedeutet nicht, andere Menschen und ihre religiösen Gefühle zu beleidigen. Kritik, insbesondere konstruktive Kritik, ist sicher zulässig. Es ist aber inakzeptabel, etwas zu verspotten, das Millionen von Gläubigen heilig und teuer ist.

 

Für orthodoxe Christen ist eine Ikone nicht einfach nur ein Gemälde. Es ist ein heiliges Bild, ein Gegenstand der Verehrung und Ehrfurcht. Auf Ikonen sind Menschen mit einem heiligen Leben dargestellt. Sie lebten in verschiedenen Epochen und Kulturen, taten Gutes und setzten sich für das Gemeinwohl ein. Unanständige Darstellungen auf Ikonen sind eine Beleidigung ihres Andenken, stellen eine direkte Verhöhnung derer dar, deren Namen im Gedächtnis der Kirche hochgehalten werden.

 

Es muss auch gesagt werden, dass die Initiatorin der Ausstellung ausgerechnet die am wenigsten einflussreiche christliche Konfession in Deutschland gewählt hat, um ihre „künstlerische Freiheit“ auszudrücken.

Die Diözese von Berlin und Deutschland der Russisch-Orthodoxen Kirche drückt den orthodoxen Gläubigen in Offenbach ihre Sympathie und Unterstützung aus. Wir sind empört über diese Ausstellung und fordern, dass bei der Organisation solcher „kreativen“ Experimente in Zukunft die Interessen und die Stellung der orthodoxen Bürger Deutschlands berücksichtigt werden.

 

+ Tichon, Erzbischof Tichon von Rusa
Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin "Freude aller Trauernden"

 

 

24. Oktober

 

“Freue Dich, Du Mutter des Christengeschlechtes, die Du uns unter dem Kreuz Deines Sohnes zu Deinen Kindern gemacht hast!”, so preist die heilige Kirche die Gottesgebärerin. Sie ist die Fürsprecherin bei ihrem Sohn für alle, die um ihre Fürsprache bitten, für alle, die sie um Hilfe bitten.

 

Die Mutter Gottes ist die größte Fürsprecherin und Helferin aller sich um Gottes Wohlwollen mühenden Menschen, aller, welche ihr irdisches Leben dem Dienst für Gott geweiht haben. Sie ist die rasche Trösterin der Trauernden und Weinenden. Sie ist die Fürsprecherin der Büßer. Sie ist die hoffnungsfrohe Zufluchtsstätte der Sünder, die sich wieder Gott zuwenden wollen. Sie ist die barmherzige Fürsprecherin für sie vor Gott.”

 

Es gibt eine große Zahl von Ikonen der Allheiligen Gottesmutter, durch die sie früher und bis heute große Wunder und Gnadenzeichen gewirkt hat und noch immer wirkt.

 

Eine davon ist die Ikone "Freude aller Trauernden" oder "Aller Betrübten Freude" (икона "Всех скорбящих Радосте").

 

Die allheilige Gottesmutter ist auf dieser Ikone in voller Gestalt dargestellt, in königlichem Gewand, mit einer Krone auf dem Haupt. Vor ihr sind betrübte Menschen zu sehen, die von verschiedenen Krankheiten und Kummer geplagt werden. Von ihren Leiden zeugt die Aufschrift – Worte aus dem Gebet zur Gottesmutter: “Du bist die Hilfe der Gekränkten, die Hoffnung der Verzweifelten, die Fürsprecherin der Armen, die Trösterin der Trauernden, die Fürsorgerin der Hungernden, Du bekleidest die Nackten, heilst die Kranken, rettest die Sünder, Du bist die Helferin und Fürsprecherin aller Christen.” Neben den Menschen sind Engel dargestellt, die auf die Gottesmutter weisen.

 

Die Ikone der Gottesmutter “Aller Betrübten Freude” wurde am Ende des XVII. Jahrhunderts bekannt. Die in Moskau lebende Schwester des Patriarchen Ioakim (= 1660), litt lange Zeit an einer schweren Krankheit. Eines Tages hörte sie während des Gebetes eine Stimme: “Evfimija! Warum nimmst du in deinem Leiden nicht Zuflucht zu der, die alle heilt? In der Kirche der Verklärung meines Sohnes gibt es mein Bild, das “Aller Betrübten Freude” genannt wird. Bitte einen Priester, dieses Bild zu bringen, und wenn er einen Bittgottesdienst mit einer Wasserweihe gefeiert hat, wirst du Heilung erlangen.” Evfimija beherzigte die Aufforderung der Allheiligen Gottesmutter und wurde gesund.

 

Die wundertätige Ikone steht bis zum heutigen Tag in der Moskauer Verklärungskirche in der Bol’šaja-Ordynka-Straße. Bis heute beten die Menschen in Kummer und Not inständig zur Allheiligen Gottesmutter: “Aller Betrübten Freude, und Gekränkten Schutz, der Hungernden Fürsorgerin, der Irrenden Trost, der in Not Geratenen sicherer Hafen, der Kranken Weggefährtin, der Schwachen Hort und Fürsprecherin, des Alters Stütze, Du Mutter des Höchsten Gottes, Allheilige, wir bitten Dich: Eile, Deine Diener zu retten!” Viele Kopien der Ikone “Aller Betrübten Freude” sind ebenfalls durch Wunder bekannt geworden. In St. Petersburg und Tobolsk, in Tver und Kiev, in Voronež und Nižnij Novgorod wenden sich die Gläubigen, die an Kummer und Krankheit leiden, in ihrem Gebet die allheilige Gottesmutter vor Ihrem wundertätigen Bild.

 

Tropar im 4. Ton: Freude aller Trauernden und Beschützerin der Unterdrückten, Ernährerin der Hungernden und Tröstung der Fremden, Hafen der in Stürmen Befindlichen, Besucherin der Kranken, Schützerin und Bewahrerin der Schwachen, Stab des Alters, O allreine Mutter des Allerhöchsten Gottes: Eile, wir bitten Dich, Deine Knechte zu erlösen.

 

 

Gott ist gegenwärtig -

Gedanken über die Feier der Göttlichen Liturgie

 

Diakon Thomas Zmija

 

Mit welchen Worten beginnt die Feier der Göttlichen Liturgie? „Gesegnet ist das Reich des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." Was ist dieses Königreich, das hier gesegnet, verherrlicht, verehrt wird? Es ist das Reich der Himmel, das Reich Gottes. Es ist das Paradies, in das Christus uns gestellt hat; es ist unsere heilige Kirche. Sein König ist der Allheilige Gott in drei Personen: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

 

 

Die Diener des ewigen Allherrschers, des Königs des gesamten sichtbaren und unsichtbaren Kosmos, sind die heiligen Engel und Erzengel. Sie sind geordnet in neun himmlische Chöre; zusammen mit den Thronen, Fürstentümern, Autoritäten, Herrschaften, Mächten, den vieläugigen Cherubim und den sechsflügeligen Seraphim.

 

Mit ihnen umgeben ebenfalls die Schaaren der Heiligen den himmlischen Thron Gottes. Zu Seiner Rechten steht zuerst die himmlische Königin, unsere Liebe Frau, die allheilige Gottesgebärerin. Die Chöre der Engel und Heiligen bilden gleichsam die himmlischen Fürsprecher und Heerführer der kämpfenden Kirche, die hier auf Erden kämpfend mit den Mächten und Gewalten des Bösen in der Nachfolge Christi stehen.

 

So sind die treuen Soldaten dieses Königreiches Christi all jene Christen, die ihr Kreuz im Glauben auf sich nehmen.Christus nachfolgen bedeutet, dass wir mit dem Einsatz unseres gesamten Lebens bereit sind, Christus nachzufolgen. Nur dann tragen wir Seinen ehrenvollen Namen "Christ" zu Recht.

 

 

Bereits in der Proskomedie wird die Synaxis der Kirche im Himmel und auf Erden symbolisch abgebildet. In der Proskomedie, der Vorbereitung der eucharistischen Opfergaben vor Beginn der eigentlichen Liturgiefeier,werden im Kelch und auf dem Diskos, die himmlische Kirche und die irdische Kirche um das „Lamm“ (Christus) versammelt und bilden so die himmlischen Ordnungen des Hofstaates Gottes ab: Engel und Heilige, die allheilige Gottesgebärerin, der heilige Johannes der Täufer, die übrige Schaar der heiligen Propheten, die heiligen Apostel, die heiligen Hierarchen, die heiligen Märtyrer, Asketen und Uneigennützigen (Heiler) und die ganze Ordnung der Kirche, die Synaxis der rechtgläubigen Hierarchen, unser Patriarch und unser Metropolit und die auf Erden lebenden Christgläubigen sowie die bereits zu Christus vollendeten Gläubigen umgeben Christus, den Allherrscher, während der Feier der Göttlichen Liturgie.

 

Während der Feier der Göttlichen Liturgie ist Christus dann bei uns durch Sein allheiliges, lebensspendendes und errettendes Wort (Evangelium) und durch Seine wahrhafte und erlösende Gegenwart in der Göttlichen Eucharistie (Евхаристия/ (Причастие).

 

 

Es ist wichtig für uns zu begreifen, dass die Göttliche Liturgie weit mehr als eine bloße Erinnerung an die vergangenen Heilstaten Christi ist. Christus ist vielmehr wahrhaft in unserer Mitte, genauso, wie Er es für Seine heiligen Apostel und Jünger gewesen ist, wie Er es für das gläubige Volk war, als Er das Wort der Wahrheit lehrte, als Er den Gelähmten heilte, so dass er wieder gehen konnte, als der Blinde sah und Tote wieder lebendig wurde. "Annamnese" (griechisch wörtlich: Erinnerung, Gedächtnis) der Heilstaten Christi - beginnend mit den erlösenden Worten des heiligen Evangeliums und vollendet im Empfang der Göttlichen und Lebensspendenden Gaben der Heiligen Kommunion bedeutet also vielmehr eine lebensspendende und erlössende Vergegenwärtigung unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus Selbst. Christlich-orthodoxer Glaube ist eben gerade nicht nur eine Zustimmung zu einer Morallehre oder eligiösen Philosophie, sondern vielmehr Begegnung mit der lebendigen auferstandenen Herrn Jesus Christus Selbst. Als orthodoxer Christ die Göttliche Liturgie in rechter und heilbringender Weise mitzufeiern, bedeutet also nicht nur einfach, die Erinnerung an Christus in unseren Gedanken wach zu halten, sondern Christus Selbst wahrhaft zu begegnen. „ … so viele Ihn aber aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an Seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind…“ (Johannes 1: 12 & 13). Im Kanon zur Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Kommunion srechen Wir: "Christus ist da, o schmecket und seht...". Die Feier der Göttlichen Liturgie ist als Ganze "Eucharistia" - Danksagung für das gesamte Göttliche Heilswerk von Schöpfung der Welt an. Der Herr ist dort wahrhaft anwesend – Er ist der Lehrer, der Prophet, der Wundertäter. Christus, Der gekreuzigt wurde, Der von den Toten auferstanden ist, Der in die Himmel aufgefahren ist, Er ist in unserer Mitte!

 

 

Der heilige Gregor Palamas sagt deshalb, dass die Kirche "ein engelhafter und transzendenter Ort ist", der "den Menschen in die Himmel erhebt und ihn dort vor Gott vorstellt". Wenn wir also die Kirche betreten und dort mit demütigen und gläubigen Herzen die Göttliche Liturgie mitfeiern, so legen wir bereits hier auf Erden in der Feier des eucharistischen Mysterion die Strecke von der Erde zum Himmel zurücklegen. Es ist also ein geistliches Missverständnis zu denken, dass wenn wir eine Kirche betreten, würden wir nur ein gewöhnliches Gebäude betreten. Vielmehr betreten wir- recht verstanden - den Himmel selbst und nähern uns dem Throne Gottes. Wir gehen wir hinauf zum Allerheiligsten, in den Himmel selbst und treten dort ein. Wir treten ein in das Mysterion unserer Erlösung. Dies müssen wir aber mit demütigen und vergebungsbereiten Herzen tun. Denn obwohl wir Sünder sind, öffnen wir die Türen des Himmels und treten dort ein. Das Gewand das wir tragen ist aber kein hochzeitliches. Wie also können wir es wagen, so vor Gott hinzutreten? Nur mit der Bitte um Vergebung und Erlösung. Denn dann wird uns Christus mit dem leuchtenden Gewand des Heiles überkleiden. Er wartet auf unsere Umkehr und kommt uns mit Seiner Retterliebe entgegen. So gehen wir, obwohl wir alle Sünder sind, wenn wir in die Feier der Göttlichen Liturgie eintreten, hinauf zum himmlischen Jerusalem. Öffnen wir nur die Augen unseres Herzens! Gott ist gegenwärtig! Wohin wir auch schauen mögen, Gott ist vor uns! Lasset uns anbeten!

 

 

Das Glockenläuten in der orthodoxen

russisch-slawischen Tradition

 

Diakon Thomas Zmija

 

Das Glockenläuten in der orthodoxen russisch-slawischen Tradition hat eine lange Geschichte, die bereits mit der Christianisierung der Rus im Jahr 988 beginnt. Dabei ist das Läuten der Glocken in Russland nicht beliebig, sondern folgt klar festgelegten Abläufen und Klangregeln.

 

Das Glockenläuten ist in der orthodox-slawischen Tradition ein Glockenanschlagen: Die feststehend verankerten Glocken werden mit beweglichen Klöppeln angeschlagen und so zum Klingen gebracht. Deshalb erfolgt das orthodoxe Glockenläuten eher wie das Spielen eines westlichen Carillon, also in der Art eines harmonisch aufeinander abgestimmten Glockenspiels. Beim Glockenläuten in den Kirchen des Westens schwingen jedoch die einzelnen Glocken und ihre Klöppel wie ein Pendel und bilden dabei einen, durch die Tonstimmung der Einzelglocke abgestimmten Gesamtakkord.

 

Im Osten wie im Westen sind die Stimmen der Glocken eine musikalische Verkündigung des christlichen Glaubens. So erinnet sich der russische Schriftsteller Iwan Schmeljow in seinem autobiographischen Roman "Wanja im heiligen Moskau. Roman einer Jugend", der die kirchliche Leben im vorrevolutionären Moskau beschreibt, an die besondere Festtags - oder Abendstimmung, die die Stimmen der unzähligen Moskauer Geläute in seinem Herzen erzeugt haben.

 

Nach orthodoxem Verständnis ist das kirchliche Glockengeläut ein unverzichtbarer Bestandteil des christlich-orthodoxen Gottesdienstes. Die Glocken sind Stimmen einer himmlischen Welt, ja ein Gebet ohne Worte. Deshalb beginnt derjenige, der die Glocken läutet, die auch mit einem Kreuzzeichen. Die Kunst des Läutens wurde traditionell mündlich überliefert,. Erst im 19. und 20. Jahrhundert wurde es erstmals verschriftlicht.

 

Es gibt in der russisch-slawischen Tradition mehrere Arten für die Abfolge eines Glockenläutens:


Beim BLAGOWEST (
Благовест) zu deutsch: Verkündigung werden mehrere Glocken abwechselnd geläutet. Dieses Geläut ertönt, um die Gemeinde in die Kirche zum Gebet und Gottesdienst zu rufen und auch um damit anzukündigen, dass der Gottesdienst begonnen hat. Dem Verkündigungsgeläut gehen drei langsame, bis zum Verklingen des Tons reichende Schläge auf der größten Glocke voraus, gefolgt von verschiedenen ruhigen, gemessenen Schlägen.

Beim TRESWON (
Трезвон) werden mehrere Glocken gleichzeitig angeschlagen. Die Gläubigen werden dadurch über den Beginn der Göttlichen Liturgie oder der Nachwache informiert.

Beim PERESWON (
Перезвон) werden die Glocken beginnend mit der größten und endend mit der kleinsten Glocke geläutet. Dieses Geläut ist dem Freitag und Samstag in der Karwoche vorbehalten. Aber eine verkürzte Version des Pereswon wird an anderen kirchlichen Feiertagen verwendet.

Beim PEREBOR (
Перебор) handelt es sich um ein sehr gedehntes und langsames Läuten der Glocken. Die Glocken werden eine nach der anderen zum Erklingen gebracht, beginnend mit der kleinsten und endend mit der größten Glocke. Dieses Geläut verkündet den Heimgang eine christlichen Seele zu Gott und fordert die Gläubigen zur Fürbitte für den Entschlafenen auf. Das Peresbor ertönt beim Heraustragen des Sarges aus der Kirche und dem Gang zum Friedhof im

im Ritus der Beerdigung. Nach dem Anschlagen der großen Glocke werden dann alle Glocken auf einmal angeschlagen werden – und die Tonfolge beginnt erneut. Der Perebor endet oft mit einem Glockenspiel als Klangsymbol für die Auferstehung und den Übergang des Verstorbenen in die himmlische Welt.

 

 

Unser Vater unter den Heiligen,

der Heilige Gerechte Kukscha von Odessa

 

 

 

Der hl. gerechte Kukscha von Odessa wurde am 12. (24) Januar 1875 im Dorf Arbuzinka, im Bezirk Elisavetograd in der Provinz Cherson geboren. Erwurde in der dortigen Pfarrkirche auf den Namen Kosma getauft. Im Jahr 1895 machte er als junger Mann eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Nachdem Kosma sich sechs Monate in Jerusalem aufgehalten hatte, besuchte er auf der Rückreise den Heiligen Berg Athos. Hier ins Mönchtum eintreten. Aber zunächst kehre er in seine Heimat zurück, um den Segen seiner Eltern Kyrill und Katherina zu erhalten. Im Jahre 1896 kam Kosma dass auf dem Athos an und trat als Novize in das russische Kloster Panteleimon ein.

 

 

Später hielt sich Cosmas erneut für anderthalb Jahre in Jerusalem auf. Auf den Heiligen Berg Athos zurückgekehrt, erfüllte der junge Novize und spätere Rasophor-Mönch in den kommenden 11 Jahren im Pilgerhospiz des Panteleimon-Klosters seinen Gehorsamsdienst. Am 23. März 1904 wurde er dann mit dem Namen Xenophon zum Mönch geschoren.

 

 

Während der Zeit des Ersten Weltkriegs diente er als Krankenpfleger in einem Lazarettzug auf der Strecke zwischen Kiew und Lemberg. Von 1913 bis 1932 gehörte der Mönch Xenophon dann zur Bruderschaft des Kiewer Höhlenklosters. Im Jahr 1931 wurde er, da er ernsthaft erkrankt war, in das Große S´chima mit dem Namen Kukscha eingekeidet. Zwei Jahre später wurde er zum Priestermönch geweiht. In der folgenden Zeit diente Vater Kukscha als Priester an verschiedenen  noch für die Gottesdienste geöffneten Kiewer Kirchen, da damals bereits alle Klosterkirchen der Stadt von den Bolschewiki geschlossen worden waren. In den Jahren 1935-1938 tat Vater Kukscha dann seinen Dienst an der Auferstehungs-kirche im Kiewer Stadtteil Voskresenskaja Slobodka.

 

 

Im Jahr 1938 wurde Vater Kukscha dann verhaftet und zu fünf Jahren Verbannung verurteilt. Seit Mitte 1936 richteten sich stalinistische Verfolgungsmaßnahmen gegen mutmaßliche Gegner der stalinistischen Herrschaft sowie als unzuverlässig angesehene gesellschaftliche Gruppen wie die an ihrem Glauben festhaltenden orthodoxen Christen. Im Rahmen dieses sogenannten „Großen Terror“ wurden die Christen- und Religionsverfolgungen in der Sowjetunion maßgeblich ausgeweitet. Seit dem Sommer 1937 verstärken sich die Repressionen im Rahmen des Befehls des NKWD Nr. 00447 „Über Operationen zwecks Unterdrückung ehemaliger Kulaken, Krimineller und anderer antisowjetischer Elemente”. Ab Juli 1937 ergriff eine systematische Verfolgungswelle vor allem die orthodoxen Priester und ihre Familien, aber auch Kirchenälteste, Kirchensänger und andere Laienchristen. Vor allem die noch amtierenden Gemeindepriester wurden systematisch verhaftet und überwiegend zum Tode oder zu langjährigen Strafen in den sowjetischen Straf- und Arbeitslagern des GULAG verurteilt. In den Jahren 1937 bis 1938 gerieten so bis zu 200.000 orthodoxe Geistliche und ihren Glauben praktizierende orthodoxe Laien in die Verfolgungsmaßen. Rund 100.000 orthodoxe Priester und Gläubige wurden damals hingerichtet.

 

 

Vater Kukscha und verbüßte seine Verbannung im Dorf Vilva, im Bezirk Solikamsk, (Perm-Gebiet). Im Jahre 1943 wurde er nach Kungur für drei Jahre in eine weitere Verbannung geschickt. Vater Kukscha war es damals ausdrücklich untersagt, Gottesdienst zu halten oder andere priesterliche Handlungen vorzunehmen. In Vilva wohnte er dann im Glockenturm der einzigen damals noch für Gottesdienste geöffneten Stadtkirche.

 

 

 Nach langen Jahren der Prüfungen kehrte er schließlich nach Kiew zurück. Er wurde dann Mitglied der Bruderschaft in der Mariae-Entschlafen-Lawra in Potschajew. Von dort aus wurde er in das Kloster im Dorf Chreschtschatyk in der Bukowina und nach dessen Schließung im Jahre 1960 schließlich in das Kloster Mariae Entschlafen in Odessa versetzt.

 

 

Wo auch immer Vater Kukscha unter den schwierigen Bedingungen der antikirchlichen Verfolgungen und Repressionen seinen priesterlichen Dienst versah, fühlten sich die Gemeindemitglieder und Pilger in besonderer Weise zu Ihm hingezogen. Deshalb versuchten die sowjetischen Behörden andauern, den Kontakt von Vater Kukscha zu den Gläubigen wo immer möglich zu behindern. Denn bereits zu Lebzeiten wurde von fünf Wundern berichtet, die sich auf das Gebet des hl. Kukscha hin ereigneten. Auch nach seinem Heimgang zum Herrn am 24. Dezember 1964 rissen die Wundertaten und Heilungen auf die Fürsprache des Heiligen nicht ab.

 

Bis heute ist er den Bewohner von Odessa und allen Pilgern, die das Mariae-Entschlafen-Kloster in der Stadt besuchen, ein unermütlicher Fürsprecher bei Gott geblieben. Auch heute tritt er fürbittend und helfend für die bedrängten orthodoxen Christen und ihre Kirche in der Ukraine ein.

 

 

Tropar im 4. Ton: Von Jugend an gewannst Du Christus lieb, Ehrwürdiger, und, erleuchtet durch die Gnade warst Du bestrebt, allein Ihm zu dienen; so hast Du in diesem zeitlichen Leben viele Mühen auf Dich genommen, deshalb strahlst du jetzt auch die Wunder der Gnade für alle aus, die mit Glauben zu deinen heiligen Reliquien kommen, Kukscha, unser von Gott gesegneter Vater.

 

 

 

 

GEDÄCHTNIS DER HEILIGEN PRPKOPIUS VON LÜBECK; NARREN IN CHRISTO

UND WUNDERTÄTERS IN USTJUG

 

Der hl. Prokopius war ein deutscher Kaufmann, der zu Nowgorod  in russischen Norden Handel trieb. Er kam aus der Hansestadt Lükeck. Durch russischen Kaufleuten aus Novgorod erfuhr er vom orthodoxen Glauben. Er veränderte sein Leben von Grund auf. Er verließ seine Heimat in Nordddeutschland, zog nach Nowgorod, nahm dort den orthodoxen Glauben an, verteilte sein Vermögen und trat als Mönch in das Kloster des ehrwürdigen Warlaam von Chutin ein. Später begab er sich in die Stadt Ustjug. Dort begann er durch die Gnade Gottes seinen wahren geistlichen Weg zu finden.

 

Viele Jahre lang lebte der hl. Prokopius dort als Narr in Christo. Er ging in Ketten herum, trug auch bei Frost alte und zerschlissene Kleidung, plagte sich mit Fasten und nahm alle Spöttereien und Beleidigungen sanftmütig hin, um mit seiner grenzenlosen Demut den übermäßigen Stolz der im Dunkeln umherwandelnden Menschen wenigstens ein bisschen abzubüßen. Von Mitleidigen Almosen empfangend, verteilte er das Empfangene unter den Armen und nahm dabei nichts von solchen, die ihren Reichtum auf unrechte Weise erworben hatten, da er die Gabe der Hellsichtigkeit besaß und so um das Verborgene  in den Herzen der Menschen wusste.

 

Mit einem Mal aber begann der sonst ruhige und schweigsame Prokopius Predigten zu halten und die Menschen von Ustjug zur Buße aufzurufen. Die Ustjuger wollten jedoch nicht auf den aufdringlichen Narren in Christo hören. Es bliebe ja keine Zeit für Buße und lange Gebete im kurzen nordischen Sommer.

 

 

Das Unheil kam dann plötzlich und unerwartet: An einem heißen und windstillen Julitag zog über Ustjug eine riesige schwarze Wolke auf. Die Ustjuger rechneten mit einem Gewitter oder mit einem Regenschauer, aber es kam kein Regen. Im Gegenteil, obwohl die Sonne nicht zu sehen war, wurde es immer heißer, und die Menschen fingen an zu ersticken. Aber die glühende Wolke sank immer tiefer, und plötzlich donnerte es in der Stille, als ob Tausende von Steinen in einen Abgrund stürzten. Die Ustjuger hoben ihre Augen und begriffen: Die Wolke war aus Stein. In Panik rannten die Menschen in die Kirchen, und bald waren die Straßen menschenleer. Nur der hl. Prokopius suchte keine Zuflucht. Er streckte die Hände zum Himmel aus und begann zu beten. Niemand weiß, wie der Heilige betete; aber innerhalb weniger Stunden wehte schon ein ruhiger kühler Wind, und die Wolke fing langsam an, von der Stadt wegzuziehen.

Später erzählten Wanderer, sie hätten nicht weit von Ustjug eine riesige tote Waldfläche gesehen, die von einem glühenden Steinhagel vernichtet worden sei. Dieses Schicksal war eigentlich für die Stadt bestimmt; aber die innigen Gebete des frommen Mannes hatten sie gerettet.

 

 

Nach diesem Vorfall begannen die Ustjuger, Prokopius als  Heiligen zu verehren; dieser aber änderte weder seine Lebensweise noch sein Verhalten. Nach wie vor fastete er und setzte sich der Kälte aus, war fromm und sanftmütig und half den Menschen, so gut er konnte, mit Gebeten und Ratschlägen. Am häufigsten war Prokopius am Ufer des Flusses Suchona zu finden, wo er die vorbeifahrenden Schiffe segnete und für unbekannter Reisende und Pilger betete.

 

 

Kurz vor seinem Ableben wurde dem hl. Prokopius durch einen Engel Gottes sein baldiges Hinscheiden aus diesem irdischen Leben offenbart. Eines Nachts verließ er die Kathedralkirche und begab sich zum Kloster der Allheiligen Gottesgebärerin und des hl. Erzengels Michael, wo sein Beichtvater Priester Kyprian zelebrierte. Der hl. Prokopius warf sich dort vor dem Altar nieder und dankte Gott mit einem flammenden Gebet für alle Wohltaten, mit denen Er ihn von Jugend an bis zu seinem Hinscheiden bedachte, indem Er ihn aus einem fremden Lande zum Lichte der orthodoxen Wahrheit geführt hatte. Während dieses kurzen Gebetes ließ er sein ganzes Leben im Geiste an sich vorbeiziehen. Danach schritt dann die Kirchenstufen wieder hinab und legte sich vor der Kirche des hl. Erzengels Michael mit gekreuzten Armen nieder und verschied. Es war der 8. Juli des Jahres 1303.

 

In dieser Nacht fiel Schnee vom Himmel, zwei Spannen hoch, und bedeckte die Erde und alle Früchte der Erde, und es gab Kälte, Frost und Sturm.Und trotzdem nahm kein fruchtbringendes Gewächs der Erde Schaden. In Kürze taute der Schnee vor der Hitze der Sonne, und ein segensreicher Wind erhob sich. Beim Morgenamt in der Kathedralkirche wunderten sich die Priester und Kirchendiener, als sie den Prokopius nicht wie üblich beim Gottesdiemnst erblickten. Als sie ihn in der Umgebung der Kirche suchten, fanden sie ihn nicht. Drei Tage lang suchten sie, bis sie ihn unter einer Schneewehe vor der Kirche des hl. Erzengels Michael fanden. Er lag mit dem Antlitz himmelwärts, die Finger der Hände zu Kreuzeszeichen gekrümmt und mit geschlossenen Augen. Daraufhin hoben sie ihn auf und trugen ihn auf ihren Häuptern in die Kathedralkirche, wo er viele Jahre in der Vorhalle gelebt hatte, und sangen die Aussegnungsgebete für ihn. Danach bestatteten sie den Heiligen an dem Ort, der ihm am liebsten gewesen war, und jenen Stein, auf dem er oft zu sitzen pflegte, legten ihn in sein Grab und schrieben das Jahr und den Monat und den Tag seines Endes darauf.

 

A Secret Priest, a True Christian. Part 1

In memory of Archpriest Gleb Kaleda (1921–1994)

 

The spiritual son of Metropolitan John (Wendland)

 

December 2 marked the 100th birth anniversary of Archpriest Gleb Alexandrovich Kaleda. A Professor of Geology and Mineralogy, he was secretly ordained a priest in 1972 by Metropolitan John (Wendland; 1909–1989) of Yaroslavl and Rostov. For many years he secretly celebrated the Liturgy at home. In the early 1990s, Fr. Gleb embarked on his ministry openly. He was the first director of the catechetical courses that were later transformed into the Orthodox St. Tikhon’s Theological Institute.1 He became the first priest to engage in prison ministry. Fr. Gleb is the author of wonderful books on Orthodoxy. His children still serve God and the Church.

 

We offer our readers the reminiscences of journalist Elvira Mezhennaya from Yaroslavl.

 

My husband and I first met Gleb Alexandrovich Kaleda in 1988 at Metropolitan John (Wendland)’s home in Yaroslavl. We and Vladyka were neighbors....

 

 

 

Der heilige Hiero-Neomärtyrer Stephan von Charbin

 

Diakon Thomas Zmija

 

Der hl. Neo-Märtyrer Priester Stephan Wu Zhiquan, ein chinesischer orthodoxer Priester, erlitt im Jahre 1970 während der "Kulturrevolution" das Martyrium in Charbin. Die Kulturrevolution fand zwischen den Jahren 1966 und 1976 statt. Es war staatlich gelenkter und verordneter Terror, der China ein Jahrzehnt lang ins Chaos stürzte und am Ende Millionen Todesopfer forderte.

 

Damals zogen sich gerade die Christen aller Bekenntnisse den besonderen Hass der Kommunisten zu, da sie sich mehrheitlich trotz intensiver kommunistisch-atheistischer Propaganda nicht zur Apostasie bereit fanden. So wurde Vater Stephan in seiner orthodoxen Pfarrkirche zu Ehren des Alexej zunächst in ein Narrengewand gekleidet. Dann setzten ihm seine Peiniger eine Schandkappe auf, auf dem die Anklage eines angeblichen ausländischen Spions und Konterrevolutionärs (wegen seiner Weigerung, den orthodoxen Glaubens zu verleugnen) in chinesischen Schriftzeichen aufgemalt war. Danach beschmierten sie sein Gesicht mit Ruß und begannen dann mit einem Holzhammer und Eisenstangen auf seinen Kopf einzuschlagen. Dabei wurden ihn sämtliche Zähne ausgeschlagen und fast alle Knochen im Oberkörper gebrochen. Als er sterbend dalag spuckten seine Peiniger verächlich auf sein Priesterkreuz und schossen ihm danach kaltblütig in den Kopf. So gab dieser heilige Märtyrer sein Leben um Christi willen hin und empfing vom HERRN die Krone des ewigen Lebens.

 

 Bei Progromen während des Boxeraufstandes erlitten 222 orthodoxe chinesischen Christen das Martyrium
Bei Progromen während des Boxeraufstandes erlitten 222 orthodoxe chinesischen Christen das Martyrium

 

Die orthodoxe Kirche in China

 

Diakon Thomas Zmija

 

Über das Leben und Wirken der orthodoxen Kirche in der VR China, zu der sich vor allem die in China lebenden Nachkommen aus russisch-chinesischen Familien bekennen, waren lange Jahre keine Informationen zu bekommen. Sowohl in der Sowjetunion, wie auch in VR China hatte die der atheistischen Staatsdoktrin verhafteten Behörden, Institutionen kein Interesse daran, etwas vom Weiterleben dieser Christen nach außen gelangen zu lassen.

 

Die orthodoxe Kirche in China hat ihre Wurzeln bereits in apostolischer Zeit. Der hl. Apostel Thomas bereiste von Indien aus auch China und verkündete dort das Evangelium. Später waren es vor allem Kaufleute und Handwerker aus Indien und Persien, die sich in China niederließen und dort Gemeinden gründeten. Seit dem 7. Jahrhundert lebten nachweislich Gläubige der "Apostolischen Kirche des Ostens" in China. Sie hatten dort blühende Gemeinden und Bistümer während der Tang-Periode. Auch der venezianische Reisende Marco Polo berichtet uns von diesen nestorianischen Christen.

 

Aber außer Nestorianern gab es im chinesischen Reich auch orthodoxe Kaufleute aus dem oströmischen Reich. Während der Mongolenherrschaft in Russland (13.–14.  Jahrhundert) wurden dann aiuch viele Russen in die Mongolei und nach China verschleppt. So bestanden an verschienenen Orten in China bereits orthodoxe Gemeinden weit vor dem 17. Jahrhundert.

 

Im Jahre 1685 wurde die russische Grenzfestung Albazin von der chinesischen Armee überfallen, und 45 Kosaken der dortigen Garnison wurden zusammen mit ihrem Priester nach Peking verschleppt. Diese kriegsgefangenen Russen wurden später freigelassen. Im Jahr 1686 stellte der chinesische Kaiser diese Kosakeneinheit als Leibgarde in seinen Dienst. Sie heirateten im Laufe der Jahre chinesische Frauen. Ihre Nachkommen übernahmen zwar die chinesische Sprache, blieben aber orthodox. So entstand die sogenannte „Russische Minderheit“, auch "Albasinern" bezeichnet. Sie lebten in Peking ein eigenen Stadtviertel mit einer orthodoxen Kirche.

 

Alles in allem umfasst die sogenannte "Russiche Minderheit in der VR China zwischen etwa 30.000 und 13.000 Menschen. Dabei verweist die Bezeichnung "russische Minderheit" eher auf ihren Ursprung. Denn heute unterscheide sie sich weder im Ausssehen noch in der Sprache von den überigen Chinesen. Ein gemeinsames Erkennungsmerkmal aber blieb, dass sich die Angehörigen dieser Minderheit traditionell zum orthodoxen Glauben bekennen. Die Angehörigen dser "russischen Minderheit" leben zerstreut vor allem in den nördlichen Gebieten  Chinas,  so  z.B. ca. 400 in Peking, andere in Labdarin (Ergun You-qi)  in  der  Inneren  Mongolei,  in  Xin-Jiang  (Tacheng,  Yi-Ning,  Yili,  Urumuqi),  in  Charbin  sowie  in  Shanghai.  Die zwölf noch erhaltenen orthodoxen Kirchen (davon drei in Xinjiang und in der Inneren Mongolei, weitere in Harbin, Shanghai, Chugulak und Ergun) sind inzwischen zwar restauriert worden, dürfen aber bisher in der Regel nicht für Gebete oder Gottesdienste genutzt werden. Denn die Orthodoxe Kirche besitzt augenblicklich (seit der Kulturrrevolution) in der VR China, im Gegensatz zu Katholiken oder den verschiedenen protestantischen Gruppen, nicht den Status einer offiziell anerkannten Religionsgemeinschaft.

 

Nach der Oktoberrevolution flohen Hunderttausende von Russen nach China. So entstanden damals im ganzen Land russische Kirchengemeinden. Traditionell ist die nordchinesische Stadt Charbin das Zentrum der Orthodoxie in China. Im Jahre 1901 wurde dort Innokentij (Figurovskij) zum ersten orthodoxen Bischof für China geweiht. Charbin hatte im Jahr 1949 dreiundzwanzig orthodoxe Kirchen und Kapellen mit 140.000 Gläubigen (in der Mehrheit russische Emigranten). Weitere 60.000 Orthodoxe lebten in den übrigen Städten Chinas (u.a. in Peking, Tianjin und Shang-hai). Unter den orthodoxen Christen im damaligen China befanden sich wiederum ca. 13.000 chinesische Gläubige. Sie lebten in Peking, Tianjin, Shanghai sowie in den heutigen Provinzen Heilongjiang, Hebei, Henan, Hubei, Jiangsu, Zhe-Jiang und Xin-Jiang und wurden von eigenen Priester aus ihrer Volksgruppe betreut. Die orthodoxe Kirche in China umfasste damals  fünf  Diözesen  (Beijing,  Harbin,  Shanghai, Tianjin und Xinjiang), an die 100 Kirchen und acht orthodoxe Klöster.  Als dann die Kommunisten die Herrschaft in China übernahmen, verließen die meisten russischen Emigranten China in Richtung Amerika und Australien.

 

Als in dieser Zeit klar wurde, dass nichtchinesische Geistliche auf Dauer nicht weiter im Lande würden wirken dürfen, wurden zwei Chinesen zu orthodoxen Bischöfen geweiht (im Jahre 1950 Simon Du als Bischof von Shanghai und im Jahre 1957 Vasilij Shuang als Bischof von Peking. Er war dann auch der Ersthierarch der neugebildeten Chinesischen Orthodoxen Kirche).  Im Jahr 1956 wurde der Chinesischen Orthodoxen Kirche vom Moskauer Patriarchat die Autonomie verliehen.  Bald danach, in den Jahren 1962 und 1965, verstarben jedoch beide Bischöfe unter bis heute ungeklärten Umständen. Seit der  Kulturrevolution  (1966–1976)  wurde dann auch das kirchliche Leben der Gemeinden unterdrückt, so dass bis heute in China kein geregeltes kirchliches orthodoxes Leben stattfinden kann.

 

Inzwischen bemüht sich die Russische Orthodoxe Kirche um die Erlaubnis der chinesischen Behörden, das orthodoxe kirchliche Leben in China wiederherstellen zu dürfen. Nach dem Tod der letzten chinesischen Priester bat bereits Seine Heiligkeit Patriarch Alexej, die verwaisten Priesterstellen zumindest teilweise wieder besetzen zu dürfen. Inzwischen bereiten sich insgesamt 18 orthodoxe Chinesen an Priesterseminaren in Russland auf ihre Priesterweihe vor. Beim Besuch Seiner Heiligkeit Patriarch Kyrill sprachen offizielle chinesische Stellen sogar davon, in Schanghai zwei orthodoxe Kirchen restaurieren und die Einsetzung von zwei orthodoxen Priestern als Gemeindepriester zu gestatten zu wollen.

 

Desweiteren erwägen chinesische Behörden verschiedenen glaubhaften Berichten zufolge die Erweiterung der Liste der offiziell anerkannten Religionen um das Judentum, die orthodoxe Kirche, den Ba-ha’i-Glauben sowie die Mormonen. Einer dieser Bericht spricht davon, dass ein Ausschuss mit der Ausarbeitung staatlicher Vorgaben und Richtlinien und deren bürokratischen Umsetzung beauftragt worden ist.  Die Chancen, dass die orthodoxe Kirche Chinas in naher Zukunft vom Staat als Religionsgemeinschaft anerkannt wird, sind deshalb nicht gering.

 

Als Seiner Heiligkeit Patriarch Kyrill vor einiger Zeit China besuchte, sagte er: „Heute sind wir Zeugen der Wiedergeburt der chinesischen orthodoxen Kirche". Denn immer noch gibt es chinesischen Gläubige, die den Heiligen Orthodoxen Glauben in den harten Zeitläufen der Unterdrückung und Verfolgungen treu bewahrt haben.  In letzten Jahren zeigt sich immer wieder, dass die orthodoxe Kirche in China in den Herzen ihrer dortigen Gläubigen immer lebendig geblieben ist. Wann immer die chinesischen Behörden die Abhaltung von orthodoxen Gottesdiensten gestatten, kommen viele alte und junge orthodoxe Christen. Trotz Repressionen und drohender beruflicher und gesellschaftlicher Nachteile nehmen sie an diesen Feiern der Göttlichen Liturgie teil  Als zum Beispiel im Jahre 2005 der österliche Auferstehungsgottesdienst zum ersten Mal seit vierzig Jahren öffentlich in einer katholischen Kirche in Peking gefeiert werden durfte, kamen dazu kamen mehr als tausend Gläubige.

 

Priester Alexander Du beim Gottesdienst in der zum Museum umfunktionierten orthodoxen Kathedrale von Shanghai anlässlich ders Besuches S. H. Patriarch Kyrill in der VR China
Priester Alexander Du beim Gottesdienst in der zum Museum umfunktionierten orthodoxen Kathedrale von Shanghai anlässlich ders Besuches S. H. Patriarch Kyrill in der VR China

 

Wenden wir uns nun einigen Zahlen zu, die entsprechenden Berichten entnommen werden können: Konkret gibt es eine kleine Gemeinde in der Stadt Charbin, Provinz Heilong-Jiang, wo es in den 1930-er Jahren 150.000 Gläubige und 24 orthodoxe Kirchen gab. Heute hat die Gemeinde eine Kirche (die Mariae-Schutz-Kirche), die im Jahre 1984 neu eröffnet wurde.  Bis seinem Tode im Jahre 2000 diente dieser Gemeinde auch einer der wenigen verbliebenen chinesischen orthodoxen Priester (Vater Gregor Zhu). Nach dem Tode dieses Priesters sind aber Liturgiefeiern unmöglich geworden. Deshalb Aber feiert die Gemeinde bis heute jeden Sonntag Lesergottesdienste. Ebenfalls finden regelmäßig Gebetsgottesdienste in der Kapelle des orthodoxen Friedhofs in Huangshan (Vorort von Charbin) statt.

 

In den Dörfern in der Nähe der Stadt Aerguna in der Inneren Mongolei, die als Zentrum der russischen Minderheit gilt, leben ebenfalls bis heute viele orthodoxe Gläubige. Vor der Machtübernahme durch die Kommunisten gab es dort 18 orthodoxe Kirchen. Diese wurden alle während der Kulturrevolution geschlossen.  Erst im Jahre 1992 konnte in dieser Gegend eine neue Kirche gebaut, aber bisher noch nicht geweiht werden.  An Sonntagen versammeln sich die orthodoxen Gläubigen deshalb bei einer der Familien zum Gebet. Sechs Priesteramtskandidaten aus der Region und 12 weitere aus anderen Regionen studieren inzwischen an Priesterseminaren in Russland.

 

Auch in anderen Gebieten der Inneren Mongolei leben verstreut noch weitere orthodoxe Christen. Etwa zehn  orthodoxe  Familien  leben  in  Dalian  in  der  Provinz  Liaoning.  In den  1950-er  Jahren  wurden  sie  aus  Heihe  für  den  Bau  einer  Fabrik  umgesiedelt.  Sie treffen sich an größeren Feiertagen bei einer der Familien.

 

In Xin-Jiang, besonders an der Grenze zu Kasachstan, gibt es ca. 9.000 orthodoxe Gläubige. In der Provinzhauptstadt Urumqi besuchen davon rund 20–40 Menschen die Lesergottesdienste. Nur an Ostern wird die im Jahre 1985 gebaute Kirche voll. Die Gesänge werden vom Kassettenrecorder wiedergegeben.

 

In Yining  (Kuldscha),  der  Hauptstadt  des  Autonomen  Kreises der Kasachen (Yili) in Xin-Jiang, gibt es ebenfalls einige orthodoxe Gläubige. Für sie wurde im Jahr 2001 auf dem Friedhof eine orthodoxe Kirche (Hl.- Nikolaus-Kirche) gebaut. Auch hier besuchen die orthodoxen Gläubigen Lesergottesdienste. Die Gesängen werden mit Hilfe eines Kassettenrecorders wiedergegeben.

 

In Dacheng (Tarbagataj, Chuguchak), wo die meisten orthodoxen Gläubigen in Xin-Jiang leben, gibt es keine orthodoxe Kirche. Das Kirchengebäude wurde im Jahr 1990 von den Behörden abgerissen. Die orthodoxen Gläubigen denken aber inzwischen daran, sie wiederaufzubauen. Zurzeit treffen sich die orthodoxen Christen zum Gebet in einen zur Kapelle umfunktionierten Haus. Weitere orthodoxe Gläubige leben im ganzen Autonomen Gebiet Xin-Jiang verstreut. Seit dem Jahr 2002 versuchen russische Priester in Kasachstan sie inoffiziell zu betreuen. Einer ihrer Priester, Vater Vianor Ivanov, wurde deswegen im Jahre 2003 festgenommen.

 

Weitere orthodoxe Gläubige leben ebenfalls in den größeren Städten Chinas, wie Peking, Tianjin, Shanghai, Wuhan usw. In Peking gibt es inzwischen wieder eine orthodoxe Kirche in der Russischen Botschaft, aber die chinesischen Gläubigen (etwa 400 orthodoxe Chinesen in Peking) dürfen auf Anordnung der Behörden nicht an den dortigen Gottesdiensten teilnehmen. So treffen sich die 400 Gläubigen in Peking zum Gebet in den Familien. Bis zu seinem Tod im Jahre 2013 wurden sie vom chinesischen Priester Alexander Du betreut.