Orthodoxe Perspektive-Ein Magazin zur Förderung des Glaubenswissens orthodoxer Christen

 

 

Die Ikone der allheiligen Gottesgebärerin „Freude und Trost"

 

 

21. Januar

 

 

Die Gottesmutterikone „Freude und Trost" (отрада и утешение икона божией матери) befindet sich auf dem heiligen Berg Athos in der Verkündigungskirche des Vatopedi-Klosters. Diese wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin befindet sich in einer Wandnische beim rechten Chor in einer ihr gewidmeten Kapelle. Im Gesicht der Allheiligen können wir tiefes Mitgefühl erkennen und ihr Blick ist von Demut und Barmherzigkeit geprägt.

 

Mit dieser wundertätigen Ikone hat es folgende Bewandtnis: Am 21. Januar 807 kam eine Räuberhorde auf den Heiligen Berg mit dem Ziel, im Morgengrauen, wenn sich die Tore des Klosters Vatopedi geöffnet werden würden, das Kloster zu überfallen und anschließend auszurauben. Die Räuber, die bereits am Vorabend am Strand beim Kloster Vatopedi gelandet waren, verstecken sich bis zum Morgen in den Büschen vor dem Tor des Kloster.

 

Aber die Beschützerin des Heiligen Berges, die allheilige Gottesgebärerin, behütete mit ihrem Schutz das Kloster und seine Bruderschaft. Sie ließ nicht zu, dass dieses böse und gottlose Vorhaben ausgeführt werden konnte. Am nächsten Tag nach dem Morgengottesdienst, als alle Brüder des Klosters in ihre Zellen zu einer kurzen Ruhe gegangen waren, begann der in der Kirche verbliebene Abt seine morgendliche Gebetsregel. Plötzlich hörte er eine Stimme von der Gottesmutterikone: „Öffnet heute nicht die Tore des Klosters, sondern begebt euch auf die Klostermauern, um die Räuber auseinander zu treiben.“ Der Abt war sehr verwundert und richtete seine Augen auf die heilige Ikone und es geschah vor seinen Augen ein beeindruckendes Wunder: Er erblickte, wie sich der Ausdruck auf dem Angesicht der allheiligen Gottesgebärerin zu verändern begann, genau wie auch das des Gottessohnes auf ihren Armen. Der menschgewordene Gottessohn streckte Seine Rechte aus, um damit die Lippen seiner Göttlichen Mutter zu verschließen, richtete auf sie Seinen Blick und sprach: „Nein, Meine Mutter, sage ihnen dieses nicht: Sie sollen bestraft werden.“ Dies tat unser Herr und Erlöser Jesus Christus nicht, um die Menschen zu vernichten, sondern Er wollte sie dadurch zur Umkehr und Buße rufen (vgl.: Hesekiel 33:11) Aber die allheilige Gottesmutter, bestrebt, die Hand ihres Sohnes und Gottes zu halten, neigte ihr Gesicht nach rechts und wiederholte zweimal dieselben Worte: „Öffnet heute nicht die Tore des Klosters, sondern begebt euch auf die Klostermauern, um die Räuber auseinander zu treiben.“

 

Der vom Schrecken erfasste Abt versammelte alle Brüder, erzählte ihnen, was passiert war und teilte ihnen die Worte der Gottesmutter und unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus mit. Alle bemerkten mit größter Verwunderung, dass das Gesicht der allheiligen Gottesmutter und des Herrn Jesus Christus sowie das gesamte Aussehen der Ikone insgesamt im Vergleich zu vorher sich verändert hatte. Die Brüder priesen Gottes Barmherzigkeit und das Eintreten der Allreinen Gottesgebärerin und des durch sie sich unser erbarmenden Gottes. Sie eilten auf die Klostermauern und verhinderten den Einfall der Räuberhorde.

 

 

Seit dieser Zeit bis heute ist diese heilige Gottesmutterikone (von Vatopedi) deshalb bekannt unter der Bezeichnung „Freude“ oder „Trost“. Zum Andenken an diese wunderbare Rettung des Klosters befinden sich vor der heiligen Ikone in der Hauptkirche des Vatopedi-Klostes eine ewig brennende Lampada (Öllampe) und eine große, immer brennende Opferkerze. Seit langer Zeit wird im Vatopedi-Kloster auch die Mönchsweihe nur in dieser Kapelle vollzogen. Jeden Tag singen die Brüder eine Andacht (Moleben/Paraklis) vor der wundertätigen Ikone.

 

Myronspendende Ikone von der Insel Hawaii der allheiligen Gottesgebärerin von der Pforte

 

Das Fest zu Ehren der Iberischen Ikone (Иверская икона) der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria wird dreimal im Jahr begangen, und zwar am 12. Februar, am 13. Oktober und am Dienstag der Lichten (Oster-) Woche.

 

Die Ikone der Gottesmutter von Iweron, auch "Gottesmutter von der Pforte" genannt, befindet sich heute im Iviron-Kloster Iviron auf dem Heiligen Berg Athos. Sie zählt zu den wichtigsten Ikonen der allheiligen Gottesgebärerin und wurde vom heiligen Evangelisten und Apostel Lukas geschrieben. Die Ikone der Gottesmutter von der Pforte wird auch nach ihrer griechischen Bezeichnung Panagia Portaitissa (griechisch: Παναγία Πορταΐτισσα) genannt.

 

Die Ikone der Gottesmutter von der Pforte gehört nach der Art ihrer Darstellung zum byzantinischen Typus der "Himmlischen Wegführerin" (griechisch: ὁδηγήτρια = Hodegetria). Ihre Darstellung entspricht im Ikonentypus der Hodegetris der Ikone der allheiligen Gottesmutter von Smolensk und der Ikone der  Ikone der allheiligen Gottesmutter von Tschenstochau.

 

Auf der Iwerskaja-Ikone trägt die allheilige Gottesgebärerin das Kind auf dem linken Arm; die rechte Hand weist im Gebet auf den Erlöser. Der Kopf des Erlösers ist erhoben, und sein Gesicht ist ein wenig der Gottesmutter zugewandt, die Ihm ihr Haupt zuneigt. Auf der rechten Wange der Gottesmutter ist eine Wunde dargestellt, aus der Blut fließt. Sie ist das besondere Merkmal, an dem man die Iwerskaja erkennen kann.

 

Diese dargestellte Wunde hat mit der Geschichte dieser Gottesmutterikone zu tun: Eine fromme Witwe, die nahe der Stadt Nikäa wohnte, die unweit von Konstantinopel liegt, hatte eine wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin. Zur Zeit der ikonoklastischen Häresie und der Verfolgung der Ikonenverehrer drangen Soldaten in das Haus der Witwe ein, die auf Befehl  des ikonoklastischen Kaisers Theophilos die heilige Ikone holen und dann zerstören sollten. Die Witwe flehte sie an, bis zum nächsten Tag zu warten. Aber einer der Soldaten, von dämonischer Bosheit getrieben, schlug mit seinem Speer in das Gesicht der Gottesmutter. Aus der verletzten Stelle auf der Ikone floss wie aus einem lebendigen Körper Blut.

 

Da die Witwe die wundertätige Ikone vor weiterer Lästerung schützen wollte, warf sie das heilige Bildnis in dieser Nacht ins Meer. Die Ikone begann aufrecht stehend auf den Wellen zu schwimmen, als ob jemand sie halten würde. Der Sohn der frommen Frau, der Zeuge dieser Ereignisse geworden war und später Mönch auf dem Berg Athos wurde, erzählte den Athosmönchen davon, wie seine Mutter die heilige Ikone dem Meer übergeben hatte.

 

Viele Jahre vergingen bis eines Tages die Mönche des Iweron-Klosters über dem Meer eine Feuersäule bemerkten, die bis zum Himmel reichte und über einer Muttergottesikone stand. Nach inständigem Gebet der Mönche erschien die Mutter Gottes dem greisen Mönch Gabriel im Traum und trug ihm auf, über das Meer zu gehen, um die heilige Ikone ins Kloster zu holen. Der alte Mönch erfüllte im festen Glauben den Auftrag der himmlischen Gebieterin, und nachdem er ohne Angst über das Wasser wie über festes Land geschritten war, nahm er das wundertätige Ikone in seine Hände.

 

Die Mönche des Iweron-Klosters empfingen die heilige Ikone mit großer Freude und tiefer Ehrerbietung und brachten sie in die Hauptkirche (Katholikon) des Klosters. Aber am nächsten Tag sahen sie, dass sich die Ikone nicht in der Kirche, sondern über dem Klostertor befand. Die Mönche brachten die heilige Ikone daraufhin in die Kirche zurück, aber am nächsten Morgen befand sie sich wieder am gleichen Platz über dem Klostertor. Das wiederholte sich einige Male, bis die allheilige Gottesmutter dem ehrwürdigen Gabriel ihren Willen kundtat. Sie sagte, dass sie nicht von den Mönchen beschützt werden wolle, sondern selbst deren Beschützerin sein werde, nicht nur im irdischen, sondern auch im ewigen Leben.

 

Über dem Klostertor wurde eine Kirche zu Ehren der Gottesgebärerin erbaut, und die wundertätige Ikone wurde dort aufgestellt, wo sie sich bis heute befindet. Seit jener Zeit heißt die Ikone Portaissa, also Türhüterin .

 

Die Geschichte des Iweron-Klosters berichtet uns von vielen Begebenheiten der wunderbaren Hilfe der Mutter Gottes: Befreiung von Barbaren, Vermehrung von Weizen-, Wein- und Ölvorräten und Heilung von Kranken. Die Kunde von dieser wundertätigen Ikone drang bisin den Norden und erreichte schließlich auch Russland. Der Abt des Novospasskij-Klosters, Nikon (der spätere Patriarch), wandte sich an den Archimandriten des Iveron-Klosters, der damals in Moskau weilte, mit der Bitte, eine Kopie des wundertätigen Bildes nach Russland zu schicken. Ein russischer Athosmönch schrieb daraufhin eine genaue Kopie, die am 14. Oktober 1648 nach Moskau gebracht wurde. Auch diese Moskauer Ikone der Iverskaja wurde, wie auch andere Kopien der Iwerskaja, durch zahlreiche Wunder bekannt.

 

Eine weitere neuere Kopie der Portaitissa ist die Myronströhmende Ikone aus Montreal in Kanada.Auch diese Kopie wurde auf dem Heiligen Berg Athos geschrieben. Dort wurde sie einem orthodoxen Christen aus Amerika, José Muñoz-Cortes übergeben. Fünfzehn Jahre lang, zwischen 1982 und 1997, floss ununterbrochen Myrrhe aus dieser heiligen Ikone. Dann wurde José unter bis heute ungeklärten umständen überfallen und ermordet. Seitdem ist diese Heilige Ikone verschollen. Vorher war sie eines der wichtigsten Heiligtümer der Russischen Auslandskirche gewesen und hatte auf zahlreichen Reisen zu Pfarreien die orthodoxen Gläubigen in den Vereinigten Staaten und Kanada, in Südamerika, Australien und Europa  besucht.

 

Eine einfache photographische Druckkopie der Ikone von Montreal ist die hawaiische Ikone der Portaissa. So zeigt die Allheilige seit dem Jahr 2007 den orthodoxen Christen in Amerika erneut ihre Gnade. Diesmal begann eine Ikone in einer orthodoxen Familie Myron auszuströmen. Die Ikone wurde dann die örtliche orthodoxe Kirche übertragen und dort zur Verehrung aufgestellt. Im Jahre wurde die hawaiianische Myrrhonfließende Ikone der Portaissa von der Russischen Auslandskirche offiziell als wundertätig und verehrungswürdig anerkannt.

 

Über den geistlichen Sinn des orthodoxen Pilgerns

  • Während der abendländische Christheutzutage selbst auf dem Weg zu den noch verbliebenden Pilgerzielen, z.b. Nach Santiago de Compostella, eher am Reisen denn am Pilgern orientiert ist und sich in den Klöstern und an den Wallfahrtszielen sich an kunsthistorischen, geistesgeschichtlichen und kulturellen Fragen orientiert, ist das Ziel des christlich-orthodoxen Pilgern ganz anderer Art. Die orthodoxen Gläubigen interessieren sich hingegen für die Reliquien der Heiligen, die im Kloster ruhen und seine wundertätigen heiligen Ikonen. Sie fragen nach den Starzen des Klosters, also den dort lebenden geistlichen Vätern und Müttern und bitten diese dann um Rat.

  • Während also der westliche Pilger einen stark touristischen  Zugang zu den religiösen Reisen hat, überwiegt beim orthodoxen Gläubigen ein zutiefst kirchlich-religiöser Zugang. Der orthodoxe Pilger sucht nach Orten der Gottesbegegnung, als nach Orten, an denen die unerschaffenen Energien Gottes besonders wirksam erfahren werden können.

  • Pilgerziele für orthodoxe Christen sind nicht nur die Klöster. Wichtige Pilgerziele stellen insbesondere die wichtigen Orte der Heilgeschichte, insbesondere die Orte des Wirkens unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus im Heiligen Land dar.

  • Weitere wichtige Pilgerziele sind die Ruheorte der Heiligen und Märtyrer und deren Reliquien.

 

Christus ist auferstanden von den Toten,

im Tode  zertrat Er Tod zertreten

und schenkte denen in den Gräbern das Leben!

 

Χριστός ανέστη εκ νεκρών,

θανάτω θάνατον πατήσας,

και τοις εν τοις μνήμασι,

ζων χαρισάμενος!

 

Христос воскресе из мертвых,

смертию смерть поправ, 

и сущим во гробех живот даровав!

 

Osterbotschaft des Jahres 2022 seiner Eminenz des Metropoliten JOHANNES von Dubna

 

 

An die Exzellenzen, den Klerus, die Mönche, die Monialen und die Gläubigen des
Erzbistums der orthodoxen Kirchen russischer Tradition in Westeuropa

 

Liebe Vikarbischöfe, liebe Väter, geliebte Brüder und Schwestern in Christus!

 

Die Auferstehung Christi, der Sieg des Lebens über den Tod, ist das Herzstück unseres
Glaubens, sie ist wesenhaft der Kern des Gottesdienstes, unseres Seins und der Kultur des orthodoxen Volkes, das den Namen Christi trägt. Das Leben der orthodoxen Gläubigen ist ganz durchdrungen vom Glauben an die Auferstehung und zieht all seine Kraft aus ihm. Diese österliche Erfahrung ist nicht nur die Erinnerung an die Auferstehung des Herrn, sondern auch die Umsetzung im Leben unserer eigenen Erneuerung und der unerschütterlichen Sicherheit, dass unser Glaubensbekenntnis seine eschatologische Erfüllung findet.

 

Eine jede eucharistische Liturgie ist zuinnerst verbunden mit dem « ganz heiligen
Tag» des Sonntags, dem Tag der Auferstehung. Der österliche und freudige Charakter der Göttlichen Eucharistie sticht besonders hervor: Sie wird immer in einer Atmosphäre der Freude und der Fröhlichkeit gefeiert, da sie ein Vorabbild der Erneuerung der gesamten Schöpfung ist.

 

Der orthodoxe Gläubige hat ein ganz eigenes Bedürfnis und einen mächtigen Antrieb,
gegen jede Art des Bösen zu kämpfen, denn er lebt zutiefst den Kontrast zwischen den
Letzten Dingen und den historischen Gegebenheiten, in denen er sein Leben führt, gemäß dem Wort des Herrn: « Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! » (Mt 25:40); nach dem Vorbild der Liebesdienste des guten Samariters (vgl. Lk10:30-37) sieht er im Verletzten, im Flüchtenden, im Armen einen ihm Nahestehenden und er hilft ihm, ohne zu überlegen. Diese liebevolle Dienstbereitschaft und die Hilfe für den Bruder in einer Notsituation weiten den Sinn des eucharistischen Mahles der Kirche aus und unterstreichen ihn. Sie legen offen, dass die Liebe die tiefgreifende Umsetzung im Leben des Lebens in Christus ist, und zwar im Hier und Jetzt und im Himmelreich.

 

Die Verkündigung der Auferstehung, «des Festes der Feste», der allmächtigen Liebe,
die die Macht des Todes vernichtet hat, erklingt heute in einer geschändeten Welt, in der ein brudermörderischer Krieg und andere vergessene Kriege wüten, in der es soziale Ungerechtigkeit gibt und die Würde der menschlichen Person in Frage gestellt wird. Unserer heutigen Welt, die für Tausende von Flüchtenden, für unschuldige Männer, Frauen und Kinder, die kaltblütig einer sogenannten Integrität des Staates geopfert wurden, einem Golgotha gleichkommt, verkündet die Auferstehung, dass vor Gott das menschliche Leben einen absoluten Wert hat. Sie bekräftigt, dass die Prüfungen und die Leiden, das Kreuz und Golgotha nicht das letzte Wort haben. Diejenigen, die ans Kreuz schlagen, werden nicht den Triumph ihrer tragischen Siege davontragen. Für die orthodoxe Kirche ist das Kreuz das Zentrum der Frömmigkeit, doch es ist nicht das endgültige Ziel, das auch den Schlusspunkt der Orientierung des kirchlichen Lebens definiert. Der wirkliche Sinn des Kreuzes besteht darin, dass es der Weg ist, der zur Auferstehung führt. Auf dieser Grundlage können wir ausrufen: « Durch das Kreuz kam Freude in die ganze Welt ». Der Gottesdienst vom Leiden
des Herrn ist nicht traurig, sondern eine Vermengung von Kreuz und Auferstehung, dass das Leiden durch die Auferstehung hindurch angenommen und gelebt wurde. Diese Auferstehung ist eine « Erlösung unseres Leids ».

 

Liebe Brüder und Schwestern, wir als orthodoxe Gläubige, die wir erfüllt sind von der
Erfahrung der Auferstehung, die wir erleuchtet sind durch den Auferstandenen, der das Licht ohne Untergang ist, die wir Dank sagen für alles und den Willen des Herrn zu ergründen suchen, wir singen mit der ganzen Kirche: « Christus ist auferstanden! ». Beten wir zum Herrn, der verurteilt und begraben wurde und der auferstanden ist, dass er die Verstehenskraft und das Herz eines jeden Menschen guten Willens erleuchte; dass er uns heranführe an jedesgute Werk und dass er seine Kirche stark mache, damit sie Zeugnis gebe für das Evangelium der Liebe « bis an die Enden der Erde » (Apg 1:8) und die Herrlichkeit Seines Namens verkünde, der « größer ist als alle Namen ».

 

Euch allen ein heiliges Osterfest des Jahres 2022

 

 

† Metropolit JOHANNES von Dubna,

 

Erzbischof der orthodoxen Kirchen russischer

 

Tradition in Westeuropa

 

The Paschal Epistle of the primate of the Ukrainian Orthodox Church His Beatitude Metropolitan Onuphry of Kiev and All Ukraine To the archpastors, pastors, monastics, and all faithful children of the Ukrainian Orthodox Church

 

Christ is Risen!

 

With these eternally living words, I heartily greet you all, God-loving archpastors and pastors, pious monks and nuns, dear brothers and sisters, with our greatest Christian feast of the Resurrection of our Lord, God, and Savior Jesus Christ.

 

The Lord has visited us with a special trial and sorrow this year. The forces of evil have gathered over us. But we neither murmur nor despair, because Christ the Savior has overcome evil by His Resurrection.

 

The Most Glorious Resurrection of Christ is a celebration of the triumph of good over evil, truth over falsehood, light over darkness. The Resurrection of Christ is the eternal Pascha, in which Christ our Savior and Lord translated us from death to life, from hell to Paradise.

 

God, our Almighty Creator, created man from the ground, breathed the breath of life into his face and adorned him with His Divine image. Unfortunately, man deprived himself of this high honor when he turned away from Divine Love. Man willingly became a victim of death. The death that the Lord allowed for fallen man was not the revenge of God, but a manifestation of a new Divine love for fallen man: By death, the Lord cut off human sin, not allowing evil to become immortal. But when the Lord destroyed human sin on the Cross, He also took away the power of death. After the Resurrection of Christ, death turned from ever-reigning into a temporary sleep, the quality of which depends upon the moral quality of our earthly life.

 

By His Incarnation, voluntary suffering, and death upon the Cross, the Son of God, our Savior, returned Paradise lost to us, and by His Most Glorious Resurrection, the Savior made Paradise accessible to all. The doors of Paradise now open not from the inside, but from the outside, and every man has received a key he can and should use to open Paradise. The key that opens the gates of holy Paradise is repentance. By repentance, the Wise Thief opened the doors of Paradise for himself and heard the joyous words of Christ the Savior: Today shalt thou be with Me in Paradise (Lk. 23:43).

 

How blessed were those who were vouchsafed the great honor of seeing the incarnate God, of hearing His holy words and seeing His wondrous miracles. Yet more blessed were the holy Myrrh-Bearing Women when they saw the angel sitting on the stone by the Savior’s empty tomb, who told them: Fear not ye: for I know that ye seek Jesus, Which was crucified. He is not here: for He is risen (Mt. 28:5-6). Yet even more blessed are those who haven’t seen the Savior with bodily eyes, but who believe in Him as the Son of God, as the Savior of the world.

The news of the Resurrection of Christ comforted not only the holy Myrrh-Bearing Women and the Apostles, but it became the joy of the whole world. Human hearts, which received the truth of Christ’s Resurrection by faith, were filled with a new grace-filled power, which instilled in people a bright hope of returning to Paradise and strengthened people in the fight against the evil that existed in the world.

 

Many people have so sincerely believed in the Resurrected Christ that they have completely given themselves to the service of God. They cleansed themselves of sin by repentance and united with their Creator, they humbled themselves under the will of the powerful God, and themselves became strong, becoming spiritual heroes. The holy Church calls such people earth angels.

 

And there are earthly angels in the world today, strong spiritual warriors who, by faith in the Risen Christ, overcome evil, and for whose sake the Lord has mercy upon all of us sinners. Such holy ascetics are often around us, but we’re not interested in them because we don’t see them. We believe the world lives for the sake of our economic, political, scientific, and other achievements, but in reality, the world lives for the sake of those righteous ones who have made room for the Resurrected Christ in their hearts—the Strong and Mighty God Who made them strong and mighty. Such people sacrificially love the entire world, they pray for us, and for their sake the Lord sends us, the unworthy ones, His mercy and generosity.

 

Today we humbly thank our Holy Creator that the word of the crucified and Resurrected Christ has reached our land. This saving Gospel was brought to our land by the holy Apostle Andrew the First-Called. The holy Apostle Andrew taught us to believe in the Resurrected Christ, the Son of God, the Savior of the world; he taught us to live according to the holy Divine covenants and by such a life to testify to our love for God, Who so loved the world, that He gave His only begotten Son, that whosoever believeth in Him should not perish, but have everlasting life (Jn. 3:16).

 

May every one of us, dear brothers and sisters, reasonably compel ourselves to build our lives on the sacred covenants of the Resurrected Christ, our God and Savior. Whoever lives according to the precepts of God protects not only himself from destruction, but also the surrounding world. Therefore, let us try to live in such a way that we might be the keepers of the world, not its destroyers.

 

Metropolitan Onuphry of Kiev and All Ukraine

 

Herr und Gott, Vater und Allherrscher, Herr des Himmels und der Erde, der Du zu unserem Heil von der Jungfrau geboren wurdest und die Menschen gelehrt hast, Liebe und Frieden untereinander zu haben, sende Deine göttliche Gnade auf uns herab, erbarme Dich unser nach Deiner großen Barmherzigkeit und befreie uns von jeder Not. Amen.

 

Kommuniqué des Metropoliten Johannes und des Rates des Erzbistums

 

Noch vor kurzem schien ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine, einem Nachbarland mit einer gemeinsamen Geschichte, von dem ein großer Teil der Bevölkerung den gleichen orthodoxen Glauben bekennt, unmöglich.

 

Der Metropolit Jean und der Rat des Erzbistums bringen ihre Bestürzung über die dramatische Situation zum Ausdruck, die durch die Invasion und die damit einhergehenden Militäroperationen entstanden ist. Sie bedauern die Todesopfer und das daraus resultierende Leid.

 

Sie sprechen ihre Solidarität und ihre Gemeinschaft im Gebet mit ihren orthodoxen Brüdern und Schwestern aus Russland und der Ukraine, die in diesen Konflikt hineingezogen wurden aus.

 

Sie fordern alle Kirchengemeinden und Gläubigen der Erzbistums auf, zusammenzuhalten und ihr Gebet für alle Opfer dieses Konflikts und für die Rückkehr zum Frieden in der Ukraine zu erheben.

 

+ JEAN Metropolit von Doubna

+ Bischof Syméon von Domodedovo

+ Bischof Elisée von Reutov

Und alle Mitglieder des Rates des Erzbistums

 

 

Offener Brief an Seine Heiligkeit Patriarch Kyrill von Moskau

 

 

Der Erzbischof

 

Protokoll-Nr.: 2022.010 

 

 

Paris, 09. März 2022

 

Eure Heiligkeit,

 

 

erlauben Sie mir, Ihnen in diesen bedrückenden Tagen, wo der Krieg infolge der Militärintervention der Russischen Föderation in der Ukraine mitten in Europa wütet, von der Konsternation der Gesamtheit des Erzbistums zu berichten und von unserer vollumfänglichen Solidarität mit den Opfern dieses Konfliktes.

 

Die Verwirrung und die Verzweiflung, die in der ganzen Welt durch diesen gewalttätigen Angriff aufgebrochen sind, verschonen auch nicht die orthodoxe Gemeinschaft in Westeuropa, erst recht nicht das Erzbistum der orthodoxen Kirchen russischer Tradition in Westeuropa, dem Gläubige unterschiedlichster Herkunft angehören. Sogar unsere Einheit sieht sich bedroht durch die Situation, die dadurch entstanden ist. Unsere Gläubigen erwarten von ihren Hirten, dass sie Träger der Stimme der Kirche seien und der Friedensbotschaft des Evangeliums.

 

Den Aufruf, den die Mitglieder des Heiligen Synods der Ukrainischen Orthodoxen Kirche an Sie gerichtet haben, konnten wir mit großer Anteilnahme lesen: Sie werden gebeten, bei den politischen Autoritäten der Russischen Föderation dafür einzutreten, dass diesem Blutbad ein Ende gemacht wird.

 

Im Namen der Gesamtheit der Gläubigen unseres Erzbistums wende ich mich an Sie, dass Sie als Primas der Russisch-Orthodoxen Kirche gegen diesen abscheulichen und absurden Krieg Ihre Stimme erheben und bei den Machthabern der Russischen Föderation dafür eintreten, dass dieser mörderische Konflikt baldmöglichst ein Ende findet. Er schien vor nicht langer Zeit noch undenkbar zwischen zwei Völkern und zwei Nationen, die Jahrhunderte einer gemeinsamen Geschichte und ihr gemeinsamer Glaube an Christus eint.

 

Eure Heiligkeit, in Ihrer Homilie zum Versöhnungssonntag, die Sie in der patriarchalen Christi-Erlöser-Kathedrale am 6. März gehalten haben, geben Sie zu verstehen, dass Sie diesen grausamen und mörderischen Angriffskrieg billigen als « einen metaphysischen Kampf » im Namen « des Rechts, sich auf der Seite des Lichts zu positionieren, auf Seiten der Wahrheit Gottes, auf Seiten dessen, was uns das Licht Christi, sein Wort, sein Evangelium offenbaren… ».

 

Mit allem Respekt, den ich Ihnen schulde und erweise, aber auch mit einem unermesslichen Schmerz, fühle ich mich verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, dass ich eine solche Auslegung des Evangeliums nicht unterschreiben kann. Nichts kann rechtfertigen und niemals ist es zu rechtfertigen, wenn die « guten Hirten », die wir sein sollen, aufhören, « Friedensstifter » zu sein – und das bleibt gültig, welche Umstände auch immer eintreten.

 

Eure Heiligkeit, demütig und mit einem Herzen voller Trauer bitte ich Sie inständig, Ihr Möglichstes zu tun, dass dieser schreckliche Krieg ein Ende nimmt, der die Welt entzweit und nur Tod und Zerstörung sät.

 

† Metropolit JOHANNES von Dubna,

 

Erzbischof der orthodoxen Kirchen russischer Tradition in Westeuropa

 

In Deutschland leben rund drei Millionen orthodoxe Christen

 

 

In Deutschland leben rund drei Millionen orthodoxe Christen, mit weiterhin steigender Tendenz steigend. Die größte Gruppe bildet mit rund 900.000 Personen die orthodoxen Rumänen. Etwas rund eine halben Million Gläubige umfasst die russisch-orthodoxen Kirche. Rund 470.000 Griechen gehören zur griechisch-orthodoxen Metropolie in Deutschland. Rund 424.000 Gläubige werden von der bulgarisch-orthodoxen Diözese betreut und rund 410.000 Gläubige der serbisch-orthodoxen Kirche leben derzeit in Deutschland. Etwa 106.000 Gläubige betreut die rum-orthodoxe Kirche von Antiochien und rund 30.000 orthodoxe Georgier leben hierzulande. In diesem Zahlen sind die orthodoxen Flüchtlinge aus der Ukraine noch nicht erfasst worden. Jedenfalls wurden bisher über 610.000 Ukrainer als Flüchtlinge in Deutschland registriert. Etwa 73 Prozent der Ukrainer sind orthodox.

 

Damit ist die Orthodoxe Kirche in Deutschland inzwischen die drittgrößte christliche Konfession. Die Zahl der orthodoxen Christen hierzulande ist sogar größer als die in etliche der autokephalen Kirchen in Mittel- und Osteuropa oder im Nahen Osten.

 

Die überwiegende Mehrheit der heute in Deutschland lebenden orthodoxen Christen betrachten dieses Land inzwischen nicht mehr nur als einen vorübergehenden Aufenthaltsort, sondern als ihren festen Wohnort und Lebensmittelpunkt. Oft ist Deutschland für sie, ihre Kinder und Enkel zu einer neuen Heimat (zweiten Heimat) geworden, ohne dass sie ihre sprachlichen und kulturellen Bindungen an die Ursprungsländer ihrer Familien ganz aufzugeben wünschen.

 

Im Brief der Bischöfe der orthodoxen Kirche in Deutschland an die Jugend vom Dezember 2017 heißt es dem entsprechend: „Wir leben in einem Land, in dem der Einzelne die Möglichkeit hat, sich in Freiheit und Menschenwürde zu entfalten. … Die Tatsache, dass wir in Deutschland leben, wo Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zum Allgemeingut gehören, können wir als Segen Gottes betrachten“.

 

 

Der heilige Brendan der Reisende oder auch der Seefahrer wurde um das Jahr 484 im Südwesten Irlands geboren, im heutigen Fenit, einem kleinen Hafen an der Tralee Bay, mit Blick auf die Dingle-Halbinsel mit dem nach ihm benannten Mount Brandon. Er wurde vom hl. Ardfert "Erth of Cornwall" (auch Erc genannt), einem Gefährten des heiligen Patrick, der erleuchters der Iren, getauft. Dieser hat ihn später auch zum Priester geweiht. der heilige Brendan wurde später selbst Missionar. Er gründete Klöster und reiste nach Schottland, Wales und in die Bretagne. In Irland gründete er um das Jahr 563 das Kloster Clonfert, dessen Abt er wurde und mehrere andere Klöster. Im Alter von mehr als 90 Jahren entschlief er und wurde in Clonfert begraben.

 

Tropar im 5. Ton: Dein engelgleiches Leben des Fastens verbreitete deinen Ruhm in der ganzen Kirche Christi, o ehrwürdiger Vater Brendan. Denn du segeltest auf den Wassern der donnernden See wie ein Kaufmann auf der Suche nach einer kostbaren Perle, doch diese empfingst du im Himmel aus der Hand deines Herrn. Darum, o gotttragender Vater, verleihe diesen Schatz denen, die nun mit Glauben zu dir rufen und dein ehrendes Andenken bewahren.

 

Kondak im 4. Ton: Durch asketisches Streben segeltest du sicher auf dem Ozean des Lebens, und jubelnd erreichtest du die Gefilde der Seligen, welche in der Höhe sind, o ehrwürdiger Vater Brendan, göttlich weise und hochheilig. Flehe zu Christus Gott, dass unsere Seelen mögen errettet werden.

 

 

 

Der heilige Jakob Putneanul, Metropolit von der Moldau

 

 

15. Mai

 

 

 

Der hl. Jakob wurde am 20. Januar des Jahres 1719 in der Bukowina geboren. Im Geiste wahrer Frömmigkeit aufgewachsen, trat er bereits im Alter von 12 Jahren ins Kloster ein. Seine spirituelle Ausbildung ist mit den Gemeinschaften des Klosters Putna und der Einsiedelei Putna verbunden, aber auch mit dem Metropoliten Antonius von Moldawien, dessen Schüler er war. Da sie diesen jungen Menschen mit der Weisheit eines Starez und einem bemerkenswerten Leben sahen, empfing er bereits im Alter von 17 Uhren die Priesterweihe. Die Väter des Klosters wählten ihn dann im Alter von 25 Jahren zu ihrem Abt des Klosters. Im Jahr 1745 wurde er zum Bischof von Rădăuţi gewählt, wo er eine rumänisch-slawische Hieratikon druckte und eine Schule zum Erlernen der slawischen, griechischen und rumänischen Sprachen einrichtete. Nach nur fünf weiteren Jahren waren seine Würdigkeit und sein Eifer ausschlaggebend dafür, dass er in den Sitz des Metropoliten von Moldawien, in Iaşi, versetzt wurde. Zwischen 1750 und 1760 übte er eine intensive pastorale und soziale Tätigkeit aus, förderte den rumänischen Buchdruck und wachte über die Übersetzung von Büchern, die für die Seele nützlich waren. Die Fürsorge für die Rumänen in Siebenbürgen, die ihren angestammten Glauben zu verlieren drohten, fand ihren Ausdruck sowohl im Druck von Büchern zur Verteidigung des wahren Glaubens als auch in der Priesterweihe und in der Versendung von Antimensien an Pfarreien ohne geistliche Hirten, in Maramureş und im Kreis Cluj. Er trauerte über die Unwissenheit seiner Herde über das Wissen, denn, wie er sagte, "alles Leben fließt aus der Erziehung der Kinder wie aus einer guten oder schlechten Wurzel". Deshalb richtete er Schulen ein, unter anderem die erste ländliche Grundschule für die Kinder des Dorfes Putna. Neben seiner Sorge für das Kloster Putna half Metropolit Jacob auch anderen Klöstern und Kirchen, wie dem Kloster Doljeşti, der Kirche des Heiligen Demetrius in Suceava, der Kathedrale von Suceava und der Kathedrale in Iaşi, dem Kloster und Krankenhaus des Heiligen Spyridon in Iaşi und anderen. Als Friedensstifter und Beschützer des Volkes forderte er 1758 den Khan der Tataren auf, die Plünderung Moldawiens zu stoppen, und im folgenden Jahr brachte er einen Aufstand des Volkes zum Schweigen, indem er dem regierenden Fürsten auferlegte, einige Bedingungen zur Befriedung des Landes zu erfüllen. In diesen Jahren tadelte er mehrmals einige führenden Persönlichkeiten am Fürstenhof, weshalb er schließlich 1760 gezwungen war, den Metropolitenthron zu verlassen. Der Rückzug ins Kloster war für ihn die Gelegenheit, sich im Gebet um eine reinigende und erleuchtende Seele zu vertiefen. Er sagte dieses Wort über das Gebet: "Indem das göttliche Gebet das Licht Christi in unsere Seelen bringt und den Nebel, der ihnen schadet, von ihnen vertreibt, macht es sie dann viel heller als die Sonne, denn es ist in der Tat bekannt, dass derjenige, der mit Gott spricht, über Tod und Verderbnis steht". Mit dem Gefühl, dass sein Ende nahe ist, begab er sich nach Ostern 1778 in die Einsiedelei von Putna und nahm das große Schima durch die Hand seines Beichtvaters, des ehrwürdigen Heiligen Nathan, entgegen. Vier Tage später, am 15. Mai 1778, entschlief er friedlich in Christus dem Herrn. Er wurde im Kloster Putna als dessen neuer Gründer begraben. Seine Heiligsprechung wurde von der rumänischen Kirche im Jahr 2016 gemeinsam mit jener der heiligen Väter Silas, Paisios und Natan vollzogen.

 

 

Tropar im 3. Ton: Du hast alle weltlichen Sorgen verlassen und wie ein Einsiedler gelebt und warst wie ein guter Hirte, der seine Herde in Moldawien behütete. In der Freude mit den Engeln im Himmel, heiliger Hierarch Christi, o Jakob, lebst du und betest zum Herren für unseren Seelen.

 

 

 

Die russische Kombuskini - die Lestovka

 

 

Die aus Leder gefertigte Lestovka oder "Leiter" ist die russische Form der Kobuskini (russisch: Tschotki). Diese orthodoxe Gebetsschnur wird vor allem beim Jesusgebet verwendet. Sie wurde in der altrussischen Tradition ständig von den Gläubigen bei sich getragen und zu allen Gebeten und auch bei den kirchlichen Gottesdiensten am Arm getragen.

 

Die Lestovka war in Russland vor der Verbreitung der griechischen geknoteten Gebetsschnur (Kombuskini) im 18. Jahrhundert die allgemein verbreitete Form der orthodoxen Gebetsschnur. Auch der hl. Seraphim von Sarov hat sie noch verwendet. Bis heute wird sie von frommen altritualistischen orthodoxen Christen verwendet.

 

 

 

 

Die Lestovka besitzt am unteren Ende vier Lapostki (Blätter oder Klappen). Diese dreieckigen Blätter symbolisieren die vier Evangelisten. Sie stehen dafür, dass unser ganzes Leben als orthodoxe Christen auf den lebensspendenden Weisungen des Herrn, die wir im Heiligen Evangelium finden, beruhen. Das Leben eines wahren Christen  hat zwei Fundamente (Säulen) auf dem es beruht. Das Gebet und die guten, Gott wohlgefälligen Taten und Werke. Sie sind gleich geistlichen Flügeln oder wie die Stufen einer himmlischen Leiter, die uns zur lebendigen Gemeinschaft mit unserem Herrn und Erlöser Christus und dem Leben mit Ihm im Paradies hintragen.

 

Die Stickerei auf den Blätter symbolisiert die Lehre des hl. Evangeliums. In den Blättern wiederum sind sieben weitere bewegliche Leder - oder Stoffstücke eingearbeitet, die wiederum die sieben göttlichen Mysterien (Sakramente) der Kirche symbolisieren. Denn das Heilmittel der Unsterblichkeit und die Nahrung (das himmlische Manna) zu unserer Erlösung (Vergöttlichung) sind die heil- und erlösungsspendenden Sakramente der Kirche.

 

 

 

Wo die Lestovka oberhalb der vier Lapostki zusammengefügt ist, gibt es an jedem Ende drei Stufen und auf der Lestovka selbst drei weitere Stufen, also insgesamt neun Einteilungen, die für die neun Ordnungen (Chöre) der hl. Engel stehen. Zugleich sind sie ei n Zeichen für die neun Monate, in denen die allreine Gottesgebärerin in ihrem Schoß das göttliche Kind, den Erlöser Christus, Der vor allen Zeiten ist. Der leere Raum nach der Verbindungsstelle wiederum repräsentiert die Erde. Dann gibt es zwölf Babochki (= "Zähler") Diese Sprossen, Stufen, Perlen oder Schleifen symbolisieren die hl. zwölf Apostel, die dem Herrn während seines Erdenlebens nachgefolgt sind und zu seinen Zeugen wurden, im hl. Land, in Jerusalem und bis an die Enden der Erde. Sie sind seine Zeugen und evangelischen Boten und durch ihr apostolisches Wirken wurde die orthodoxe Kirche über den gesamten Erdkreis ausgebreitet und alle Völker in die Arche des Heiles (orthodoxe Kirche) gerufen und durch die hl. Taufe und Myronsalbung ziu Jüngern des Herrn gemacht.

 

Danach folgen weitere neununddreißig Zähler für die neununddreißig Wochen und zwei Tage, in denen die allheilige Mutter Christus in ihrem Schoß trugen. Die nächsten dreiunddreißig Zähler stehen für die dreiunddreißig Jahre, in denen der Herr auf der Erde gelebt hat. Und die folgenden siebzehn Zähler symbolisieren die siebzehn hl. Propheten der altttestamentlichen Kirche , die über Christus prophezeit und sein Kommen vorangekündigt haben.

 

 

In den einzelnen Lederschlaufen der Lestovka befinden sich kleine Papier- oder Pergament- röllchen auf denen des Jesusgebet niedergeschreierben ist.

 

Das Jesusgebet: "Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner (des Sünders)!" ist eines der ältesten Gebete der Christenheit.  Seine Praxis reicht  bis  zu den Wüstenvätern des 4. Jahrhunderts zurück. Jedoch sind seine Worte Zitate aus den hl. Evangelien. In sofern statt das Gebet direkt aus dem Mund unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus.  Im Evangelium wird uns von der Heilung eines Blinden (Lk. 18) berichtet: Ein Blinder ruft zweimal eindringlich: „Herr, erbarme Dich meiner!“ Und unser Herr und Erlöser Jesus Christus erhörte ihn und heilt ihn. Der Blinde wird sehend. Die hl. Väter legen uns dieses Heilungswunder nicht nur auf die leibliche Blindheit, sondern vor allem auf unsere geistliche und sellische Blindheit hin aus. Wenn wir also eindringlich und demütig wiederholt aus der Mitte unseres Herzens zu unserem Herrn und Gott beten: „Herr, Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme  Dich meiner!" können auch wir in unserer inneren Mitte, in unserem "Herzensgrund" sehend werden für das immerwährende vergöttlichende Licht der Liebe Gottes. Deshalb ist die Ausübung des Jesusgebetes bist heute nicht nur in den orthodoxen Kläöstern, sondern auch bei vielen in der Welt lebenden frommen Christen verbreitet.

 

Die kleinen Lederschlaufen auf der Lestovka verweisen uns darauf, dass das gesamte Leben des Christen ein immerwährendes Gebet sein soll. Wenn das Jesusgebet zunächst durch unsere asketischen Anstrengungen und die beharrliche Wiederholung bei uns ist und danach - durch die Gnade Gottes - in unserem Herzen heimisch wird, dann verwandelt (vergöttlicht) es

mit seiner ganzen Kraft und Fülle allmählich unser Herz und unsere  Seele. Es wird zu einem geistlichen Regen, der unser steinernes Herz allmählich erweicht und empfänglich macht für die Gegenwart Gottes und die Liebe zu unserem Nächsten. Das Jesusgebet wird dann zu einem "König", denn wie ein König unterwirft es sich alle übrigen Neigungen und Absichten des Herzens. Durch das Einströmen der Göttlichen Gnade in unsere Herzen erfahren wir Glück und beständige

Freude in Gott. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch eine tiefe und beständige Liebe zu Gott

und zu unserem Nächsten sowie die freudige Bereitschaft zu jedem guten Werk. (vgl.: Schimonach Ilarion, „Auf den Bergen des Kaukasus - Gespräch zweier Einsiedler über das Jesus-Gebet“, Salzburg, Otto Müller Verlag, 1991 Emanuel Jungclausen, „Aufrichtige Erzählungen eines russíschen Pilgers“, Freiburg, Herder, 1995)

 

Aber ob wir nun mit einer ledernen Lestovka oder einer geküpften Kombuskini beten ist nicht von gesitlichem Belang. Es kommt allein auf die Haltung in unserem Herzen an. Wir müssen uns ganz und gar nach der Gemeinschaft mit Christus sehnen und unser ganzes Leben an Ihm ausrichten. Dann  wir Er auf die Worte unserer Gebete antworten und uns nahe sein. Er wird uns dann auch helfen bei jedem guten Werk und einer jeden frommen Tat, damit wir das Ewige Leben bei Ihm im Paradies erlangen werden.

 

Diakon Thomas Zmija

 

Lestovka des hl. Seraphim von Sarov
Lestovka des hl. Seraphim von Sarov

Über das Gebet

Wer den Herrn liebt, erinnert sich immer an ihn, und die Erinnerung an Gott zeugt vom Gebet.
Heiliger Siluan vom Berge Athos

Gebet der Heiligen Väter von der Optina Einsiedelei


Herr, gib mir, mit seelischer Ruhe allem zu begegnen, was der bevorstehende Tag mir bringt. Gib mir, mich ganz Deinem heiligen Willen hinzugeben. Zu jeder Stunde dieses Tages leite und stütze mich in allem. Welche Nachrichten ich auch im Laufe des Tages erhalten werde, lehre mich, sie mit ruhiger Seele aufzunehmen und der festen Überzeugung, daß über allem Dein heiliger Wille ruht. 
 
In allen meinen Worten und Taten führe meine Gedanken und Gefühle. Gib mir, bei allen unvorhergesehenen Ereignissen nicht zu vergessen, daß alles von Dir gesandt wird. Lehre mich, aufrichtig und verständig mit jedem Glied meiner Familie umzugehen und niemanden zu verwirren oder zu kränken. 
 
Herr, gib mir Kraft, die Anstrengung des bevorstehenden Tages und alle Geschehnisse im Laufe des Tages zu ertragen. Leite meinen Willen und lehre mich 
zu beten, 
zu hoffen, 
zu glauben, 
zu erdulden, 
zu vergeben 
und zu lieben. 
Amen.